Bayern-Coach Pep Guardiola "Rot, Tribüne, ich lerne"

Fand sich selbst diesmal nicht so toll: Bayern-Trainer Pep Guardiola.

(Foto: dpa)

Darf sich Pep Guardiola am Spielfeldrand mehr erlauben als andere Trainer? Um diesen Eindruck zu vermeiden, entschuldigt sich der Bayern-Coach in aller Form für seine Sperenzchen im Schalke-Spiel.

Von Claudio Catuogno

Pep Guardiola hat am Freitag erst mal ganz laut "Sorry" gesagt.

Beziehungsweise: Eigentlich hat er es sehr leise gesagt, der Bayern-Trainer Guardiola pflegt sich ja überhaupt eher murmelnd mitzuteilen. Wenn der FC Bayern auf die Idee käme, Guardiolas Pressekonferenzen als Hör-CD herauszubringen, könnte er seinen Fans damit eine Menge Geld aus der Tasche leiern. CD an, ein bisschen dem weich vor sich hin plätschernden deutsch-spanischen Singsang lauschen - der Bayern-Fan wäre bald glücklich eingeschlafen . . .

Aber seinem "Sorry" hat Guardiola dann doch etwas Nachdruck verliehen. Er wollte, dass es wirklich alle hören. Auch diejenigen, die in den vergangenen Tagen geklagt hatten, der Pep dürfe sich am Spielfeldrand mehr erlauben als der Rest.

Guardiola auf Schmusekurs

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Am Dienstagabend, beim 1:1 gegen Schalke, war Guardiola unter Missachtung sämtlicher Bodenmarkierungen bis zur Eckfahne gerauscht und hatte dem Linienrichter die Meinung gegeigt; ein Gespräch, das man besser nicht als Hör-CD herausbringt. Legendär auch seine Tätschel-Attacke auf die Offizielle Bibiana Steinhaus im Oktober. "Ich bin eben Katalane", sagte er nun am Freitag, während eines Spiels sei er "sehr, sehr emotional". Aber: keine Ausreden! Sondern: Büßermiene! "Was passiert ist, tut mir sehr, sehr leid", sagte Guardiola, "es tut mir sehr, sehr leid für die Schiedsrichter, es tut mir sehr, sehr leid für die anderen Mannschaften", die jetzt den Eindruck hätten, er sei unhöflich. Beim nächsten Mal müsse das bitte Konsequenzen haben: "Rote Karte, Tribüne, ich lerne."

Hat er da bisher einen Bonus? Schickt man einen Pep Guardiola nicht so schnell auf die Tribüne? "Vielleicht . . ."

Guardiola hat den Spielern die Meinung gesagt

An dieser Stelle hat dann allerdings der Mediendirektor eingegriffen: Guardiola habe auf die Bonus-Frage zwar mehr oder weniger "Ja" geantwortet, aber "Nein" gemeint. Oder? Ach so, sagte Guardiola. Ja: nein. Keine Sonderrolle. "Die Regeln sind für alle gleich."

Wer aber vermutet, Pep Guardiola laufe derzeit generell mit Büßermiene übers Bayern-Gelände nach nur einem Punkt aus den ersten zwei Rückrunden-Partien (1:4 in Wolfsburg, 1:1 gegen Schalke), der irrt. Seinen Spielern hat er zwar durchaus die Meinung gesagt, insbesondere nach dem fahrigen Wolfsburg-Spiel - "gegen Schalke waren wir 70 Minuten zehn gegen elf, das ist etwas anderes" (und übrigens: Die drei Spiele Sperre gegen Jérôme Boateng nach dessen Notbremse seien "zu viel").

Aber öffentlich murmelt Pep Guardiola immer die gleichen Formeln: Jede Elf gewinne mal ein Spiel nicht, das könne theoretisch auch am Samstag beim VfB Stuttgart passieren, das sei "ganz normal" - auch wenn er natürlich immer gewinnen wolle. Wer weiß, vielleicht gewinne man auch mal "drei oder vier oder fünf" Spiele nicht. Dann könnte aber auch die beruhigendste Pep-CD den Bayern-Fan nicht mehr in den Schlaf murmeln.