Bayern-Boss Uli Hoeneß 40 Millionen weniger

Bei der Hopfner-Nachfolge würde es hingegen verwundern, sollte sich Hoeneß erneut vertun. Im Bayern-Aufsichtsrat sitzen die Top-Manager von Adidas, Audi, VW, Unicredit, "und auch ein Edmund Stoiber, mit dem ich gerade Mittagessen war". Aus diesem Kreis habe es Personalvorschläge gegeben, berichtet Hoeneß, "dann redet man mit dem einen oder anderen Kandidaten, dann fokussiert sich die Sache. Und zack - jetzt glaube ich, haben wir den Richtigen".

Jedem Klub seinen Martínez

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Ob der Neue in absehbarer Zeit auch mal einen so komplizierten, hochpreisigen Transfer abzuwickeln hat wie Hopfner gerade den des Spaniers Javier Martínez von Athletic Bilbao? Davon geht Hoeneß nicht aus. "Lange, lange, lange Zeit" habe man bei dieser Personalie "überlegt", sagt er - und das Geschäft am Ende auch deshalb mit Überzeugung getätigt, "weil wir es uns leisten können. Wir haben die 40 Millionen ja nicht von der Kredit-Abteilung geholt, sondern von der Festgeld-Abteilung". Deshalb findet Hoeneß so eine Summe "auch mal akzeptabel - aber sie darf niemals zur Norm werden".

Bei der Kontaktaufnahme mit Josu Urrutia, Bilbaos störrischem Vereinsboss, sollte ebenfalls Hoeneß vermitteln: "Ich war auf einem Kurzurlaub in Biarritz, 150 Kilometer von Bilbao weg, und Karl-Heinz Rummenigge (Bayern-Vorstandschef; d. Red.) hat den Präsidenten gefragt: Uli Hoeneß ist in der Nähe, können Sie den auf eine Tasse Kaffee empfangen. Aber der hat nur gesagt: Kein Interesse." Die Hartnäckigkeit, mit der Urrutia versucht hatte, Martínez zu behalten, hat Hoeneß beeindruckt. Trotzdem sagt er: "Aus meiner Sicht war das unverantwortlich, Bilbao ist ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Aber der Präsident hat Wahlen im Herbst, er ist ein sehr stolzer Mann, und er dachte sich, wenn ich eine Chance haben will, Präsident zu bleiben, dann muss ich hier stur bleiben."

Noch bis vor kurzem, das räumt Hoeneß ein, "hätte ich mir nie, nie, nie vorstellen können, dass der FC Bayern mal 40 Millionen Ablöse für einen Spieler ausgibt". Doch in diesem Fall hätten Sammer und der Trainer Jupp Heynckes die Gremien "unheimlich bedrängt": Sie würden in Europa "im Moment wenige Spieler sehen, wo Alter, Klasse und so weiter derart passen wie bei Martínez". Und Hoeneß hat sich am Ende durchaus gerne bedrängen lassen, obwohl er Martínez' Marktwert eher auf 25 Millionen Euro taxiert als auf die um 15 Millionen höhere Ablösesumme, für die man ihn - gegen den Willen von Bilbao - schließlich via Ausstiegsklausel bekam .

Auf dem Konto der Bayern liegen jetzt 40 Millionen weniger. "Das", sagte Hoeneß der SZ, "ist allerdings völlig wurscht." In der Bilanz werde Martínez wegen seines Fünf-Jahres-Vertrages ohnehin nur "mit acht Millionen pro Jahr abgeschrieben". Diese Summe dürfte in dem Zahlenwerk kaum auffallen, so gut laufen beim FC Bayern mal wieder die Geschäfte.