Bayern-Basketballer verpflichten Pesic Der Sohn holt den Vater

Die kriselnden Basketballer des FC Bayern verpflichten den nächsten Bundestrainer: Svetislav Pesic gibt sein Amt beim DBB endgültig auf und übernimmt die ambitionierten Münchner. Vereinspräsident Hoeneß sagt: "Diese Mannschaft in den Griff zu kriegen, das ist jetzt das wichtigste."

Von Andreas Burkert

Trainervorstellung in München: Coach Svetislav Pesic (Mitte), Vereinspräsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Marko Pesic (links).

(Foto: dapd)

Eigentlich will sich der Chef des Hauses in die Mitte setzen, Uli Hoeneß steht ja auch auf dem Namenschild des zentralen Podiumssitzes. "Aber in der Mitte sitzt immer der Trainer", murmelt Svetislav Pesic dem Präsidenten zu, und Hoeneß nimmt dann tatsächlich einen Stuhl weiter außen Platz und lässt die Schilder tauschen. So kennt man Svetislav Pesic, der 63-jährige Serbe ist eine starke Persönlichkeit, und genau so jemanden hat die starke Persönlichkeit Hoeneß jetzt benötigt für seine Basketballer, die ihm auch in ihrer zweiten Bundesliga-Saison selten Freude machen.

Deshalb ist Pesic hier, am Sonntag traf er sich mit Hoeneß und hat die Offerte angenommen, auf die er wohl seit zwei Monaten wartete: Der bisherige Bundestrainer übernimmt die Basketballer des FC Bayern, zunächst bis Saisonende gilt der Vertrag. Für die EM 2013 in Slowenien muss sich der Deutsche Basketball-Bund (DBB) einen neuen Coach suchen.

Grund ist eine Art Familienzusammenführung, die da am Wochenende stattfand. Denn Sportdirektor der Bayern ist der frühere Nationalspieler Marko Pesic, 36, der Sohn. Sieben Jahre hat Pesic senior mit ihm bei Alba Berlin gearbeitet; der Sohn hatte keinen leichten Stand unter der Regie des strengen Trainers. "Jetzt ist er mein Chef", sagt der Vater grinsend. Doch wichtig sei nun ohnehin nur, "dass wir hier sehr schnell etwas bewegen".

Anfang Oktober, kurz vor Saisonstart, hatte Hoeneß seinen einstigen Projektleiter Dirk Bauermann unter großem Getöse gefeuert. Assistent Yannis Christopoulos, 38, übernahm, obwohl sie in München schon damals an Svetislav Pesic dachten. Die Bilanz des Griechen Christopoulos ist durchwachsen: fünf gewonnene Spiele und fünf verlorene. Am Samstag offenbarte das Team daheim gegen den bisherigen Vorletzten Braunschweig (73:78), dass die teuerste Mannschaft der Liga kaum Fortschritte gemacht hat: Neunter ist sie momentan, der selbsternannte Titelkandidat würde damit sogar die Playoffs verpassen.

"Eigentlich hatten wir uns ja vorgestellt, dass wir uns das bis Weihnachten anschauen", sagt Hoeneß, doch es sei nun "einfach nicht mehr einzusehen, dass bei der individuellen Qualität der Mannschaft solche Ergebnisse herauskommen." Am Sonntag beriet er sich deshalb mit Pesic junior, und der rief gleich den Vater an: Svetislav Pesic hatte sich am Samstag mit seinem Enkel die Bayern-Fußballer in der Arena angeschaut und am Abend die triste Darbietung des Basketball-Teams, das sein Sohn verantwortet. "Ich war schon mit meiner Frau unterwegs zurück nach Berlin", erzählt Svetislav Pesic, "da rief Marko an. Wir haben angehalten und erst mal einen Kaffee getrunken. Dann bin ich umgedreht, wieder zurück nach München."