Mit entschlossenem Kombinationsspiel stellt Leverkusen die Fußballwelt auf den Kopf und entzaubert an einem denkwürdigen Abend Real Madrid. Damit glückte Bayer die Revanche für das verlorene Champions-League-Finale vor zwei Jahren.

Bislang steht nicht viel im Briefkopf des TSV Bayer 04 Leverkusen. Ein Pokalsieg, der Gewinn des Uefa-Cups, immerhin, dazu ein paar schöne zweite Plätze, doch das alles erscheint manchem als ziemlich geringer Ertrag für eine deutsche Spitzenmannschaft. Und das mag stimmen, dass Bayer vielleicht niemals Deutscher Meister wird, wie inzwischen auch die eigenen Fans leidenschaftlich singen. Doch dafür sind den Leverkusenern inzwischen ein paar unvergessene Spiele gelungen, zuletzt das 4:1 im Heimspiel gegen den FC Bayern. Gestern ist wieder eines dazu gekommen, denn zum Auftakt der Champions League beherrschte Bayer 04 den königlichen Klub aus Madrid und schickte Real mit einem 3:0 (1:0) heim.

Leverkusen jubelt

Bayer jubelt, während Ronaldo mit hängendem Kopf vom Platz schleicht. (© Foto: dpa)

Anzeige

Die Leverkusener begannen, als hätte es das unrühmliche 0:2 vom Samstag beim Karnevalsverein Mainz 05 nie gegeben. Entschlossen und schwungvoll kombinierten sie sich vom Anstoß weg in die Hälfte der Gäste, und sie kamen gleich zu großartigen Chancen. Nach 30 Sekunden brachte Krzynowek eine erste Flanke herein, und am entfernten Pfosten stieg Freier hoch zum Kopfball.

Doch Casillas stand im richtigen Eck. Mit diesem Tempo ging es weiter: Freier gab von rechts scharf herein, Berbatov erreichte die Kugel noch - Pfosten (5.). Das erinnerte an die Leverkusener Sternstunden vor gut zwei Jahren, als man sich mit Real überraschend zum Endspiel der Euroliga (1:2) verabreden konnte.

Real mit löchriger Hintermannschaft

Nach diesem furiosen Entrée nahm Real für den Rhythmus seiner Gastgeber auf und deutete an, den Abend nicht ausschließlich in der mit dem Argentinier Samuel verstärkten Abwehr verbringen zu wollen. Als erster brachte Figo Bayer-Keeper Butt in Bewegung, sein Hechtsprung wäre wohl vergebens gewesen, aber der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei (15.). Zehn Minuten später leistete sich Leverkusens Abwehrchef Juan eine seltene Unsicherheit, doch Ronaldo vermochte dies nicht auszunutzen - aus drei Metern Entfernung traf er nur die Latte.

Doch die Leverkusener eroberten sich rasch die Hoheit über die flotte Partie zurück. Denn hinten räumten Juan, Roque Junior und auch der im Vergleich zum Vorjahr dramatisch verbesserte Argentinier Placente verlässlich ab; rechts ließ sich Schneider, von Augenthaler zur kreativen Defensivkraft umgeschult, so bald nicht mehr von Figo überlaufen, und im Mittelkreis eroberten Ponte sowie Ramelow die Bälle. Mit dieser Leidenschaft erarbeitete sich Bayer nun Chance auf Chance: Franca schüttelte im Strafraum Pavon ab - drüber (34.). Eine Zeigerumdrehung später erhält erneut der Brasilianer den Ball - knapp vorbei aus 18 Metern (35.).

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Ein Urknall gegen die Galaktischen
  2. Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...