Bayer Leverkusen Wenn es nicht läuft, wird Schmidt schnell grantig

  • Schiedsrichter Felix Zwayer unterbricht das Spiel zwischen Leverkusen und dem BVB, weil Bayer-Trainer Schmidt seinen Platzverweis ignoriert.
  • Schmidt legt sich schnell mit gegnerischen Trainern an und hat auch bei Unparteiischen keine Berührungsängste.
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Von Ulrich Hartmann

Am Montag um 10.35 Uhr hat der Sportsender Sky nach Leverkusen geschaltet, um live zu zeigen, wie ein Fußballtrainer einen Trainingsplatz betritt. Roger Schmidt ist in der zweiten Saison Cheftrainer beim Bundesligisten Bayer Leverkusen und steht seit Sonntag im Fokus der Branche. Der Grund: Weil Schmidt trotz eines Verweises durch Schiedsrichter Felix Zwayer während des 0:1 verlorenen Spiels gegen Borussia Dortmund den Innenraum des Stadions nicht verlassen wollte, wurde das Spiel für neun Minuten unterbrochen. Schiedsrichter, Spieler und Offizielle verschwanden in den Kabinen. Solch einen Eklat hat es in der Bundesliga nie zuvor gegeben.

Am Montag schlenderte Schmidt, 48, dennoch recht gelassen auf den Trainingsplatz. Kinder baten um Autogramme. Dabei hatte der Trainer tags zuvor am Ende wilder Debatten zumindest schon einmal eingeräumt, sich nicht gerade als Vorbild für die Jugend präsentiert zu haben. Jetzt ist er ein Präzedenzfall; Schmidt droht eine Sperre für mehrere Spiele. Und Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel beklagt ganz generell atmosphärische Störungen im Verhältnis der Spielleiter zu den Profis: "Wir haben einen Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt."

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Der gebürtige Sauerländer Schmidt ist ausgebildeter Werkzeugmechaniker und hat Maschinenbau studiert. Er war selbständig tätig, während er den ostwestfälischen Fünftligisten SC Delbrück in seiner ersten Saison in die vierte Liga geführt hat. Als er danach vom Viertligisten Preußen Münster engagiert wurde, musste er sich entscheiden: Ingenieur oder Trainer? Er wählte den Fußball. Schmidt machte Münster zum Oberliga-Meister und wechselte nach Paderborn in die zweite Liga, wo er 2012 nur knapp am Aufstieg in die Bundesliga scheiterte. Danach führte er RB Salzburg zur österreichischen Meisterschaft und nahm 2014 das Angebot aus Leverkusen an. In der ersten Saison lenkte er Bayer in die Champions League, und gerade versucht er, dies zu wiederholen. Die Saison geht in ihre finale Phase, auch das könnte eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für sein Fehlverhalten sein.

Schmidt versuchte Zwayer herbeizuzitieren

Schmidt ist erfolgsverwöhnt, selbstbewusst, eloquent, akribisch. Er ist äußerst ambitioniert - und ungeduldig. Wenn die Dinge nicht so laufen, wird er auch mal grantig. Er legt sich schnell mit gegnerischen Trainern an und hat auch bei Schiedsrichtern keine Berührungsängste.

Nach dem am Sonntag von Zwayer aus 25 Metern Entfernung angezeigten Platzverweis hatte Schmidt den Schiedsrichter herbeizuzitieren versucht. Mit dem Zeigefinger, jener Geste, mit der man einem ausgebüchsten Hund bedeutet, er möge kommen. Schmidt wollte den Verweis explizit begründet haben und blieb stur stehen. Dem eigenen Assistenztrainer, der Schmidt zu beruhigen versuchte, sagte er schroff: "Setz dich hin!" Kameras haben all das eingefangen. Die Bilder kursieren. Das Image des Fußballlehrers Schmidt steht auf der Kippe.

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