Die neuerliche Knie-Operation von Simon Rolfes trifft Bundestrainer Löw und Bayer 04 Leverkusen hart. Für die WM wird der Nationalspieler wohl ausfallen.
Bis ihn kurz vor der Endhaltestelle der vergangenen Saison eine banale Sprunggelenksverletzung matt setzte, hatte Simon Rolfes seine Serie auf 131 Spiele gesteigert. 131 Spiele hintereinander in der Bundesliga, fast vier Spielzeiten ohne Unterbrechung im Einsatz, das bedeutete in den Zeiten des Hochgeschwindigkeitsfußballs eine außergewöhnliche Marke. Weit entfernt zwar noch vom deutschen Rekordhalter Heinz Simmet, der zwischen 1970 und 1977 für den 1. FC Köln 259 Spiele in Serie bewältigte, aber allemal imponierend.
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Es war einmal ein Glückskind: Simon Rolfes, jahrelang bei bester Gesundheit, droht wegen seiner Knieprobleme die WM in Südafrika zu verpassen. (© Foto: Getty)
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Rolfes schien nicht nur ein vorbildlicher Profi, sondern auch ein Glückskind dieses Sports zu sein. "Seine Gesundheit war sein Image", heißt es bei seinem Klub in Leverkusen. Diese Ansicht wird jetzt keiner mehr ernsthaft vertreten, nachdem Simon Rolfes am Dienstagmorgen zum dritten Mal in dieser Saison am Knie operiert werden musste, was ihn nach Lage der Dinge die Teilnahme an der WM in Südafrika kosten dürfte.
Eine Kernspinuntersuchung, die am Montag am Rande des Treffens der Nationalspieler in Stuttgart stattfand, weckte Befürchtungen, die sich beim Eingriff durch den Augsburger Spezialisten Ulrich Boenisch bestätigten. Die Ärzte diagnostizierten einen Knorpelschaden. "Für uns und für die Nationalmannschaft und vor allem für den Simon ist das ein herber Schlag", sagt Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, der zwar keine Prognose über die Gesundung abgeben, aber auch nichts beschönigen möchte: "Mit der WM", sagt Völler, "wird es schwierig werden. Man darf sich da nicht unter Druck setzen und muss der Verletzung die Zeit geben, die sie braucht." Der Bundestrainer sieht es ähnlich. "Wir dürfen Simon nicht zu früh abschreiben, aber müssen auch mit dem Schlimmsten rechnen und über Alternativen nachdenken", erklärte Joachim Löw dem sid.
Frings kein Thema
Eine naheliegende Alternative kommt für ihn allerdings nicht in Frage: Auf Torsten Frings wird Löw definitiv nicht mehr zugehen. Die Pensionierung vom Nationalteam, die er dem Werder-Profi in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Bremen beizubringen versucht hat, will der Bundestrainer auf keinen Fall mehr rückgängig machen: "Es ist eine grundsätzliche Entscheidung, ich plane nicht mehr mit ihm."
Rolfes, 28, hatte sich im Oktober einem Eingriff am Knie unterziehen müssen, bereits dem zweiten nach einer Operation im Juli; die Genesung dauerte statt der vorgesehenen zwei Wochen drei Monate. Er bestritt zwei kurze Einsätze während der ersten beiden Rückrundenspiele, und Bayer 04 arrangierte eigens hochkarätige Testspiele, um dem Team-Kapitän und den anderen Reha-Rückkehrern, Patrick Helmes und Renato Augusto, Praxis zu verschaffen.
In der vergangenen Woche bemerkte Rolfes dann abermals Schmerzen im Knie, aber bei Bayer betont man, dass der Mittelfeldspieler die alte Verletzung "vollständig auskuriert" habe. "Die jetzige hat nichts mit der alten Verletzung zu tun", sagte ein Sprecher des Vereins. "Es ist Zufall, Pech, da gibt's keine Schuld und keinen Schuldigen", sagt Rudi Völler. Der Bayer-Sportchef hat am Montag mit Rolfes telefoniert und einen gefassten Patienten erlebt: "Er war schon wieder sehr optimistisch. Er ist zum Glück keiner, der sich weinend ins Kopfkissen wirft."
Das wird auch Jupp Heynckes in Leverkusen nicht tun, zuletzt konnte der Trainer seinem Kapitän ja nicht mal einen Platz in der ersten Elf anbieten, weil er sich genötigt sah, die Erfolgsbesetzung der Vorrunde beizubehalten. Rolfes´ Ersatzmann Stefan Reinartz, 21, hat ja keinen unerheblichen Anteil an der Unbesiegbarkeit des Tabellenführers. Der neuerliche Ausfall sei trotzdem sehr schmerzhaft, meint Völler: "Simon ist ein toller Typ und ein toller Kapitän, er ist die Seele der Truppe."
Problemfall Hitzlsperger
Auch Joachim Löw hat allen Grund, den Verlust zu beklagen. Für den Platz an der Seite von Michael Ballack im defensiven Mittelfeld galten Rolfes und Thomas Hitzlsperger als erste Anwärter. Nun fällt Rolfes für das Turnier wohl aus, und Hitzlsperger besitzt nicht die Aussichten, bei seinem Heimatverein auf die von Löw geforderten Leistungskriterien zu erfüllen. Infolge einer anhaltenden Formkrise hat er beim VfB Stuttgart seinen Stammplatz eingebüßt, Löw rät ihm deshalb zum Vereinswechsel, was der VfB Stuttgart und dessen Trainer Christian Groß keineswegs als Einmischung in innere Angelegenheit betrachteten. Doch von entsprechenden Angeboten ist bisher nichts bekannt geworden, und Hitzlsperger scheint auch nicht mehr entschlossen zu sein, den Wechsel mit Gewalt zu betreiben.
Für Bastian Schweinsteiger steigen damit die Chancen, wie beim FC Bayern auch in der Nationalmannschaft den Arbeitsplatz wechseln zu dürfen. Sami Khedira (ein Länderspiel) und Christian Gentner (vier) genießen zwar die Wertschätzung des Bundestrainers, ihnen fehlt aber Erfahrung. "Bastian hat das Zeug dazu, die Rolle auszufüllen", sagte Löw am Dienstag, "das hängt aber auch davon ab, ob zum Beispiel Toni Kroos sich weiter so positiv entwickelt und vielleicht bei uns die Außenposition besetzen kann."
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(SZ vom 27.01.2010/jbe)
Trotz Kälte genug Strom
wird völlig überschätzt. M.E. hat er nur gegen Portugal gut gespielt. Leverkusen kommt auch ohne ihn ganz gut zu recht. Soviel zum Thema er sei ein Leistungsträger.
Problematischer sind die Nominierungskriterien eines Herrn Löw.Mir ist unbegreiflich warum er nach wie vor mit A.Friedrich, Hitzlsperger, Genter, Träsch usw. insistiert, die allesamt z.Zt. grottenschlecht oder überhaupt nicht (wie Hitzsperger) spielen.
Poldi u. Klose sind auch ein Thema für sich.
Den gleichen Fehler hat er mit Metzelder bei der EM gemacht.Kein Stammspieler bei Madrid, aber in der NM immer gesetzt. Einfach absurd !
Auch wenn wir Vize wurde, haben wir nur gegen Portugal überzeugt. Die Spiele gegen Österreich, Kroatien und Türkei waren eine absolute quälerei.
Die WM wird diesmal viel schwieriger sein, da unsere Gegner in der Vorrunde alles andere als schwach sind. Selbst Australien darf man nicht unterschätzen.
Echt schade, dass Saudia Arabien, Equador, Costa Rica, Iran usw sich nicht qualifiziert haben....
Ich hätte nicht mit Rolfes im Mittelfeld gerechnet...Bei allem Respekt vor ihm und der Traurigkeit seiner Verletzung ist er für mich eher ein Kicker-Noten-Nationalspieler.....
----------------------------Adler----------------------------
Boateng----Mertesacker----????----------Lahm
--------Schweinsteiger---------Ballack-------------
Kroos-------------------Özil------------------Podolski
----------------------Klose---------------------------------
Der Ausfall von Rolfes ist eine weitere bedenkliche Entwicklung im Hinblick auf die WM. Ein halbes Jahr vor Turnierbeginn sind gerade mal fünf Spieler in der Startaufstellung unumstritten (Adler, Mertesacker, Lahm, Schweinsteiger und Ballack), da sie zumindest solide Form in Nationalmannschaft und Verein zeigen. Alle anderen sind entweder relative oder totale Neulinge in der Nationalmannschaft (z.B. Özil, Khedira, Boateng, Kroos?, Müller?...) oder befinden sich in einer Formkrise (Podolski, Klose, Hitzelsperger). Wäre in einer Woche WM, meine Hoffnungen wären nicht die größten, weil sich eigentlich kein Spieler auf seinem Karrierehöhepunkt befindet (selbst Schweinsteiger spielt
seine neue Position gerade mal ein paar Wochen). Könnte also eine WM des Übergangs werden, oder es fügt sich auf ganz wundersame Weise auf den letzten Drücker eine neue Mannschaft zusammen. Ein Mittelfeld mit routinierter Klasse im Zentrum (Ballack, Schweinsteiger) und Esprit über die Flügel (Özil, Kroos) könnte durchaus für Furore sorgen. Doch das eigentliche Problem sehe ich in der Abwehr und auf der Ersatzbank (viel Mittelmaß). Entscheidend wird sein, ob es Löw wieder gelingt eine Begeisterung zu entfachen, die die Mannschaft über sich hinauswachsen lässt. Doch bisher spühre ich (auch hier im Forum ?) eher so eine Art Sommermärchenkater. Naja, ist vielleicht noch ein bisschen früh für WM-Begeisterung...
Torsten Weinerle Frings und Kevin Flüchtling Kuranyi haben sich die geringe Wertschätzung schon durchaus selbst zuzuschreiben. Dennoch ist es nicht grade angenehm sich das Verhalten vom Schwäble anzuschauen. Es hat schon souveränere Teamchefs gegeben. Nachtragende Leute eignen sich eigentlich nicht für Führungspositionen. In gewissen Situationen muss man auch mal über den eigenen Schatten springen können, um das maximale rausholen zu können. Das kann Löw aber scheinbar nicht. Möchtegern-Manager "Gegelte Locke" ist da auch nicht grad eine Hilfe. Der hat nicht mal eine eigene Meinung.
Rolfes spielt die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers nach der modernen Auffassung. Körperlos,die Laufwege erahnen, Räume zustellen ganz so wie es Löw, Wenger und die ganzen One-Touch Experten es gerne sehen. Funktioniert leider nur wenn der Gegner ebenso spielt.Siehe Portugal EM 2008. In der CL gegen Chelsea oder bei der WM gegen Argentinien oder Italien verabschieden sich dann solche Spieler wie Rolfes. Denn in solchen Spielen geht es um jeden Zentimeter geht es um physische Präsenz auf dem Platz und dies vor allem anderen. Körperlos spielen darf Arjen Robben aber nicht der defensive Mittelfeldspieler denn dort werden die Spiele entschieden und dort tut es weh. Frings weiß das, Löw und Rolfes nicht.
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