Basketball-Trainer Dirk Bauermann "Ich würde Uli Hoeneß nie einen Lügner nennen"

Damals zusammen beim FC Bayern: Dirk Bauermann (rechts) und Uli Hoeneß.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nach seinem überraschenden Rauswurf als Trainer des FC Bayern hat Dirk Bauermann lange geschwiegen. Im Interview mit der SZ weist er nun Gerüchte zurück, er habe Präsident Hoeneß beschimpft. Stattdessen greift Bauermann den Bayern-Manager Marko Pesic an.

Von Andreas Burkert

Seit einer Woche ist Dirk Bauermann, 55, Trainer des europäischen Topklub Lietuvos Rytas Vilnius. Sein Vertrag beim Euroleague-Starter gilt bis Vertrag bis 2014. Der frühere Coach der Basketball-Nationalmannschaft und des FC Bayern hatte zuvor seinen ebenfalls bis 2014 gültigen Vertrag bei den Münchnern aufgelöst. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte ihn sechs Tage vor Saisonbeginn überraschend und laut polternd ("Mannschaft nicht fit", "Realitätsverlust") entlassen. Da der Zwist zuletzt weiter schwelte wegen angeblicher Äußerungen von ihm über Hoeneß, sei es nun doch erstmals an der Zeit für einige Anmerkungen in eigener Sache, findet der Rheinländer.

In einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung weist der 55-Jährige, der seit Januar auch das Nationalteam des EM-Teilnehmers Polen betreut, jüngste Meldungen zurück, er habe Hoeneß einen Lügner genannt. Zugleich zeigt sich Bauermann enttäuscht von Hoeneß' Vorwürfen und greift zugleich Manager Marko Pesic an wegen dessen möglicher Einflussnahme bei seiner Entlassung.

Hoeneß' Äußerungen hätten ihn "verletzt, aber ein halbes Jahr später mit gleicher Münze zurückzuzahlen, kommt für mich nicht infrage", sagt Bauermann: "Weil es inhaltlich auch falsch wäre. Mich haben sicher zwei Dinge enttäuscht in der Woche der Trennung. Das Erste war, dass es nie zu einem Vier-Augen-Gespräch zwischen ihm und mir gekommen ist, in dem man sicher Vieles hätte ausräumen können. Das Zweite war diese starke Polemik von Hoeneß gegen mich. Weil ich schon glaube, die Sache und den Verein gut vertreten zu haben."

Dass die Mannschaft nicht in Form gewesen sei unter ihm, hält Bauermann für absurd: "Der Vorwurf zur Kondition ist nach meiner festen Überzeugung unrichtig. Ein unfittes Team gewinnt nicht wie wir elf der letzten zwölf Rundenspiele und schlägt Bamberg in Verlängerung. Auch der von Manager Marko Pesic nun wiederholte Vorwurf, ich sei zu wenig in München gewesen, entbehrt jeder Grundlage. Aber der Präsident eines Weltvereins lebt eben immer auch von der Richtigkeit der Informationen, die er über die Arbeit seines Trainers erhält."

Auch in diesem Zusammenhang stellt Bauermann die Rolle von Manager Pesic infrage, der ihn kürzlich kritisiert hatte: "Was am meisten geschadet hat, war eben die zu seltene direkte Kommunikation nur zwischen Cheftrainer und Präsident; mit der Transparenz und Ehrlichkeit, die Hoeneß zu eigen ist. Ich habe Marko damals empfohlen, als er 2011 kam. Ich glaube aber jetzt, dass er erst noch zeigen muss, dass er die Qualität besitzt, diese schwere Aufgabe im Kreuz zu haben. Dazu gehören menschliche und fachliche Qualitäten. Ob er die noch entwickelt, da bin ich gespannt."

Bauermann sah auch vor allem den Manager in der Verantwortung bei der Sanktionierung von Undiszipliniertheiten im Team. "Es ist ja bekannt, dass es ein paar Nachtschwärmereien gab. Aber es ist natürlich die Aufgabe des Vereins - des Managers, um konkret zu sein -, dafür zu sorgen, dass die Regeln des Vereins eingehalten werden", findet Bauermann. "Es muss eine klare Differenzierung zwischen Disziplin auf und außerhalb des Feldes geben, darauf hätte ich bestehen müssen. So wurden nur mir Probleme, die es ja überall mal gibt, im Nachhinein angelastet."

Im Fall von Hoeneß sei er an einer Aussöhnung interessiert, betont Bauermann weiter. "Bei allem, was war, halte ich Hoeneß für einen sehr gestaltungsstarken und charakterfesten Menschen. Dass bei ihm auch die Emotionen dazu gehören, weiß man. Ich würde aber Uli Hoeneß nie einen Lügner nennen."

Kein Problem habe er zudem mit seinem Nachfolger beim Nationalteam und nun bei den Bayern, Svetislav Pesic. "Er hat beim DBB einen tollen Job gemacht und wird auch die Bayern nach vorn bringen", äußert Bauermann über seinen einstigen Trainer-Rivalen und ergänzt: "Ich glaube aber auch, dass Frank Menz jetzt so weit ist und es klug war, einen jüngeren deutschen Trainer als Nationalcoach in die Verantwortung zu nehmen."

Dirk Bauermann ist der bislang erfolgreichste deutsche Basketball-Coach mit insgesamt neun Meistertiteln (für Leverkusen und Bamberg) und dem Einzug ins EM-Finale 2005 mit der DBB-Auswahl. 2010 übernahm er den damaligen Zweitligisten FC Bayern, in der ersten BBL-Saison nach dem Aufstieg scheiterte München in der ersten Playoff-Runde.

Das komplette Interview lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung (Print vom 27. März 2013, iPad und Windows 8).