Basketball-Top-Four Angefeindet wie ein Serienmeister

Münchens Yotam Halperin (l): im Zweikampf mit Branislav Ratkovica von den Artland Dragons

(Foto: dpa)

Im Pokalwettbewerb schaffen die Basketballer vom FC Bayern gegen Quakenbrück den dritten Platz. Auch wenn die Mannschaft noch auf dem Weg zum Topteam ist, wird sie in der Liga schon kritisch beäugt. Alba Berlin setzt sich im Finale gegen Ulm durch - und beendet damit eine titelfreie Periode von vier Jahren.

Von Andreas Burkert, Berlin

Auf die Verteidigung des eigenen Korbs verzichteten die Ulmer in der letzten halben Minute, sie ließen Berlins Deon Thompson noch einmal zum Dunking abheben und gingen vor der Sirene vom Feld. Die Niederlage im Finale des BBL-Pokals war ja nicht mehr abzuwenden gegen Gastgeber Alba Berlin, der das 85:67 mit knapp 14 000 Fans feierte wie einen ganz großen Coup. Aber die Berliner sind eben auch entwöhnt, was solche Partys angeht: Mit dem Erfolg beendete der einstige Serienmeister der Basketball-Bundesliga eine Durststrecke von vier titellosen Jahren. "Man muss sagen, dass das stärkste Team des Wochenendes den Pokal gewonnen hat", sagte Ulms Coach Thorsten Leibenath.

Die Ulmer hatten sich durch ein souveränes 86:77 im Halbfinale gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück die Chance auf den zweiten Titel der Vereinsgeschichte nach dem Pokalerfolg 1996 geschaffen. Und sie machten gegen Alba lange nicht den Eindruck, als würde sie die Berliner Heimkulisse sonderlich einschüchtern. Wie die Gastgeber, die in der Euroleague-Zwischenrunde bis an die Grenzen beansprucht werden, haben auch die Schwaben beschwerliche Wochen im eine Klasse tiefer angesiedelten Eurocup hinter sich. Doch während der Hauptstadtklub durch die Strapazen und Niederlagen markant an Frische und Selbstvertrauen einbüßte, schwebten die Ulmer bis zum ehrenwerten Viertelfinal-Aus durch die Zusatzschicht.

Ulm lag in der ersten Hälfte des Finales meist knapp vorn gegen das Team von Coach Sasa Obradovic, weil dieses kaum ein Mittel fand gegen John Bryant. Der US-Center (21 Punkte, 15 im ersten Viertel) setzte sich gegen Albas hochwertigen Zugang für die Zone, Frankreichs Nationalspieler Ali Traoré (9 Rebounds), durch, er traf am Brett, aus der Halbdistanz und auch einen Dreier. Die Athletik der Flügelspieler Lance Jeter (7) und Allan Ray (8) machten die Ulmer Offensive spektakulär variabel.

Aber Alba ließ sich natürlich nicht abschütteln. 2008 war Berlin zuletzt Meister, der Pokal 2009 die jüngste Trophäe in der Vitrine. Und eine größere Chance auf die Erweiterung des Briefkopfes als den BBL-Pokal gibt es wohl nirgends: Als Ausrichter war Alba gesetzt, den Modus machten selbst die eigenen Fans auf Plakaten lächerlich. Doch als die Ulmer Wurfquote aus der Distanz abstürzte, das eigene Team durch den Buzzer Beater von Heiko Schaffartzik zum Ende des dritten Viertels zum 62:59 das Pendel auf seine Seite zog und dank der überragenden Zach Morley (24) und Thompson (20)auf 72:61 (36.) davon eilte - war das kein Thema mehr.

Mit Bronze-Medaillen um den Hals reisten die Spieler des FC Bayern ab, die das Top-Four-Wochenende nach dem 88:76 (43:43) im Duell der Verlierer mit Artland zumindest als gelungene Teambuilding-Maßnahme verbuchen werden. Alba hatte auch das Halbfinale gegen die Bayern (92:83) in der Luft gewonnen, beim aggressiven Kampf um die abprallenden Bälle. Zudem wog bei den Münchnern der Ausfall des stärksten Spielers schwer: Chevon Troutman hatte am Donnerstag einen Muskelfaserriss in der Wade erlitten; in Jogginghose und Adiletten musste der Power Forward zusehen, wie Berlin mit einer starken Vorstellung ins Heimfinale einzog.

Die Münchner verfügen über den höchsten Etat (vor Alba und Meister Bamberg), aber sie befinden sich nach zwei Trainerwechseln noch auf dem Weg zum Topteam. Trotzdem werden sie schon beäugt und angefeindet wie ein Serienmeister und verglichen mit "russischen Oligarchen", wie dies nun Axel Schweitzer tat. Mit Millionen aus dem Fußball breche Bayern in die BBL ein, hieß es sinngemäß beim Gesellschafter vom Sponsor Alba.

"Ich glaube, er wollte die Fragezeichen an der Nachhaltigkeit des Projekts verdeutlichen", deutete Manager Marco Baldi den Populismus des Chefs, der sogar die zur Neutralität verpflichteten BBL-Oberen um Geschäftsführer Jan Pommer irritierte. "Die Bayern kommen halt sehr breitschultrig daher. Sie haben zum Beispiel 2000 Karten reserviert, am Ende waren 350 hier."

Wer den Münchner Präsidenten Uli Hoeneß kennt, ahnt, dass ihn die Berliner mit solchen Episoden jetzt erst richtig herausgefordert haben. "Ich kenne diesen Herrn Schweitzer ja gar nicht", sagte Hoeneß, als er sich das Halbfinale in Loge 209 mit einem Weißwein in der Hand ansah. "Er hat jetzt schon das zweite Mal über mich geredet, aber noch nie mit mir." Hoeneß, der die Sponsoren-Millionen für sein Hobby höchstselbst akquiriert, revanchierte sich gern mit Komplimenten zur Arena am Ostbahnhof. "Alles sehr billig hier, einfach und lieblos", urteilte er, "die Logen eine Katastrophe. Wenn wir mal eine neue Halle haben - und die kommt irgendwann -, wird sie viel schöner sein."

Die am Ende recht untröstlichen Ulmer haben auch eine neue Halle, und dort findet 2014 das nächste Top Four statt. Hoeneß wird, wenn er kommen sollte, wohl Milde walten lassen: Er stammt aus Ulm.