Die DBB-Auswahl nutzt den SuperCup kurz vor der Europameisterschaft in Spanien zur Imagekampagne - verliert allerdings am Ende gegen Italien.
Bamberg - Ein weißes Sommerkleid trug die Dame, die an der Seitenlinie die Nationalhymnen Portugals und Russlands intonierte, und sie tat das offenbar kompetenter als ehedem das blondierte Popsternchen "Sarah Connor" mit einer nur bedingt deutschsprachigen Eröffnung der Münchner Fußballarena ("Brüh' im Lichte dieses Glückes . . ."). Die russischen Basketballer klatschten jedenfalls begeistert nach dem Vortrag, dem sie ein unterhaltsames 67:56 folgen ließen. Überhaupt ist die ordentlich aufgewärmte Halle in Bamberg gut gelaunt und gefüllt gewesen beim 19. SuperCup, obwohl draußen die Sonne glühte und der Grund des fränkischen Saunagangs zu diesem Zeitpunkt noch fehlte. Dirk Nowitzki packte gerade im schicken Schlosshotel an der Bamberger Altstadt seine Tasche.
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Der deutsche Basketball hat sich ja viele Jahre anhören dürfen, wie wenig ausgeschlafen er stets auf die Aufmerksamkeitsspitzen reagierte, welche die Nationalmannschaft durchaus auslöste. 1993 ist die DBB-Auswahl Europameister geworden, und Nowitzki, die Galionsfigur der aktuellen Kampagne, ist nun auch schon seit neun Jahren Profi in der nordamerikanischen Idolliga NBA. Die Ära des Würzburgers im Nationaltrikot könnte nun zwar schon bald zu Ende gehen, sollte sich seine Mannschaft tatsächlich diesen Sommer für Olympia 2008 qualifizieren und sich der 29-jährige Star der Dallas Mavericks danach die avisierte Auszeit vom Vaterland nehmen. Doch welch fruchtbaren Boden der MVP der vergangenen NBA-Spielzeit Basketballdeutschland und dem DBB hinterlässt, ist an diesem Wochenende in Bamberg gut zu sehen gewesen.
Natürlich drehte sich auch dort alles um den langen Blonden, der trotz des lärmenden Rummels weiterhin kundennah Autogramme am Fließband schreibt und staunende Kleinkinder abklatscht; dennoch, rund 5000 Zuschauer bei einem sommerlichen Vorspiel zwischen Russen und Portugiesen sind hierzulande bisher nicht alltäglich gewesen (und auch nur bedingt mit dem Bamberger "Freak City"-Phänomen zu erklären). Nach den beiden mehr oder weniger ausverkauften Tests in Mannheim und Hamburg gegen China mit insgesamt knapp 23 000 verkauften Tickets kamen in Bamberg an drei Tagen noch einmal 17 000 Fans zusammen; das abschließende Spiel der Deutschen gegen Italien um den Cupsieg (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) war mit 6500 Besuchern nahezu ausgebucht.
Das nächste deutsche Heimspiel soll nun ab kommendem Montag bei der Europameisterschaft in Spanien (3.-16. September) stattfinden; der DBB hat es zwar versäumt, Nowitzki für eine jetzt schon glanzvolle Karriere mit einer Großveranstaltung in seiner Heimat zu belohnen - aus Kostengründen, wie DBB-Präsident Ingo Weiss behauptet hat. Doch immerhin ist es den Funktionären gelungen, die EM-Vorrunde mit den starken Gegnern Türkei und Litauen (sowie Tschechien) auf Mallorca spielen zu dürfen. "Und das ist ja wohl das 17. Bundesland, da rechnen wir mit viel Unterstützung", sagt Aufbauspieler Steffen Hamann.
Was Hamann und seine Kollegen in Spanien zu bieten haben werden, sah in Bamberg bereits recht vielversprechend aus. Selbstredend gilt eine deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei keinem wertvollen Turnier als Favorit, nur weil sie einen der besten Spieler der Welt dabei hat. "Aber bei der EM spielen neun Mannschaften, die am Ende nicht zufrieden sein werden, wenn sie nicht auf dem Treppchen stehen und sich nicht direkt für Olympia qualifiziert haben werden", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann nach dem 66:65 (32:22) über den wechselhaften EM-Rivalen Russland - "und wir sind auf jeden Fall eine davon."
Ihre Zuversicht auf Nowitzkis Verbleib für einen weiteren (Olympia-)Sommer und somit auf zusätzliche Termine der vom Verbandssponsor (ING DiBa) aufwändig gestalteten Imagetour haben die Deutschen beim SuperCup erneut bekräftigt mit ihren alles in allem kontrollierten Vorstellungen am Freitag gegen Portugal (69:51) und gegen die Russen. Die erste Garde hat im Vergleich zur etwas enttäuschenden WM vor einem Jahr (Platz acht) wohl deutlich an Qualität gewonnen mit den wiederhergestellten Rekonvaleszenten Hamann und Ademola Okulaja (mit 18 Punkten Topscorer gegen Russland) sowie dem viel frischeren Kopf Nowitzki.
Die Qualität des zweiten Garde indes dürfte in Spanien für das angestrebte Erreichen von Peking entscheidend sein; gegen Russland und seinen Utah-Jazz-Profi Andrej Kirilenko musste es nach furiosem Start (20:3/18.) und dem Ausgleich in der Schlussminute (65:65) wieder das Establishment richten: 3,9 Sekunden vor der Sirene verwandelte Hamann einen von zwei Freiwürfen zum Erfolg. Eine kluge DBB-Choreografie, könnte man meinen: Hamann ist erst 26 und echter Bamberger. Andreas Burkert
(SZ vom 27.8.2007)
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