Basketball Schwarz-blaue Show

(Foto: Seskim Photo/imago)

Der FC Bayern scheitert - auch wegen fragwürdiger Schiedsrichter - im Eurocup-Viertelfinale in Istanbul.

Von Ralf Tögel, Istanbul/München

Der FC Bayern München hat den Einzug in das Halbfinale des Eurocups verpasst. In einer so kuriosen wie denkwürdigen Partie unterlagen die Münchner bei Galatasaray Istanbul mit 59:72 Punkten und verspielten ihren Zehn-Punkte-Vorsprung aus dem Hinspiel. Bayern-Trainer Svetislav Pesic sah "im Heimvorteil" den Ausschlag: "Jetzt ist Galatasaray der Favorit auf den Titel. Denn sie haben Qualität und diese Heimatmosphäre."

Galatasaray-Coach Ergin Ataman hatte nach dem 89:99 in München noch die Unparteiischen für die Niederlage verantwortlich gemacht, ein Hinweis, der offenbar Wirkung zeigte. Denn was das Trio in Schwarz-Blau in der 12 500 Zuschauer fassenden Istanbuler Abdi Ipekci Arena zeigte, war schwer in Worte zu fassen. Sobald etwas Spielfluss aufkam, waren die Unparteiischen mit hanebüchenen Entscheidungen zur Stelle. 15 Ballverluste für die Bayern in der ersten Halbzeit sind ein Wert, den diese so schnell nicht toppen werden. Allerdings meist nach Pfiffen für Schrittfehler oder Offensivfouls, die nicht nur verdutzt dreinblickende Spieler hinterließen.

Schnell führten die Gastgeber mit 5:1, doch die Münchner bewahrten die Ruhe und konterten zum 7:5. Dann begann so langsam die Show der Unparteiischen, die das Spiel in der ersten Halbzeit komplett zerstörten. Angetrieben von 7755 frenetischen Fans waren es die Gastgeber, die besser mit der desaströsen Linie der Schiedsrichter zurechtkamen. Nach dem ersten Viertel (14:23) war der Vorsprung der Bayern bereits dahin, im zweiten ließen sich die Gäste von den Referees, die nun immer offensichtlicher gegen die Münchner entschieden, völlig aus dem Konzept bringen. Die Türken zogen angeführt von Errick McCollum (Foto, zwischen Maxi Kleber, Alex Renfroe und Paul Zipser), mit 15 Punkten bester Werfer der Türken, zur Pause auf 43:25 weg, freilich begünstigt von einer unterirdischen Wurfquote der Gäste. Ob aus der Distanz, der Nahzone, bei Korblegern oder Freiwürfen, die Münchner trafen den Korb nicht. Einzig ihre starke Abwehrarbeit hielt sie im Spiel.

Weil sich die Referees in der zweiten Halbzeit auf ihre originäre Aufgabe beschränkten, kam immerhin für 20 Minuten ein Basketballspiel zustande. Und die Bayern holten Punkt um Punkt auf, sobald die Würfe fielen, war der FCB sogar das bessere Team. Mit 20:11 gewannen sie den dritten Durchgang, standen beim 45:54 wieder ein bisschen im Halbfinale. War die gesamte Partie von bescheidenem Niveau, gewann sie im finalen Viertel wenigstens an Spannung. Mal waren die Bayern weiter, mal Istanbul. Noch mit dem letzten Wurf hatte Bryce Taylor die Chance zum Ausgleich, doch er traf nur den Ring.

Ungeachtet der indiskutablen Referees müssen sich die Münchner, für die Deon Thompson (14), Renfroe (12) und John Bryant (10) zweistellig trafen, das Scheitern indes selbst zuschreiben, was allein zehn vergebene Freiwürfe belegen.