Von Joachim Mölter

Dirk Nowitzki sagt seine Teilnahme bei der EM in Polen ab, um ausgeruht in die kommende NBA-Saison gehen zu können. Der Verzicht sei jedoch kein Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Der deutsche Basketball-Profi Dirk Nowitzki hat seine Teilnahme bei der Europameisterschaft in Polen (7. bis 20. September) abgesagt. Er hätte zwar sehr gerne in der Nationalmannschaft gespielt, teilte der 31-Jährige am Freitag mit, beuge sich aber dem Wunsch seines Arbeitgebers Mark Cuban, dem Besitzer des NBA-Klubs Dallas Mavericks, eine Pause einzulegen.

Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki verzichtet auf die Europameisterschaft in Polen. (© Foto: dpa)

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Nowitzki steht seit elf Jahren, seit Beginn seiner Karriere in der amerikanischen Profiliga, bei den Mavericks unter Vertrag. Bundestrainer Dirk Bauermann, der sich mit seiner Auswahl gerade in Braunschweig auf die EM vorbereitet, wo an diesem Samstag Serbien der Testgegner sein wird, sagte: "Das ist natürlich sehr bitter für uns. Keine Nationalmannschaft kann den Ausfall ihres Superstars verkraften, wir noch weniger als beispielsweise Spanien oder Griechenland", die an Talenten reicheren Großmächte des europäischen Basketballs. "Aber ich akzeptiere die Entscheidung vorbehaltlos", fügte Bauermann hinzu: "Dirk hat elf Sommer für uns durchgespielt, die Pause sei ihm gegönnt."

Die Absage für die diesjährige EM sei kein Rücktritt aus der Nationalmannschaft, versicherte Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner: "Er verabschiedet sich nicht, er setzt nur einen Sommer aus." Nowitzkis Absenz war zu erwarten gewesen, auch wenn die Funktionäre des Deutschen Basketball Bundes (DBB) bis zuletzt hofften, dass der 2,13 Meter große Flügelspieler wieder mitwirken würde. Dass diese Hoffnung überhaupt aufgekommen war, war den Turbulenzen in Nowitzkis Privatleben zu verdanken: Ursprünglich hatte der 31-Jährige in diesem Sommer heiraten wollen, was jedoch nach der Verhaftung seiner Lebensgefährtin platzte. Die Frau sitzt wegen Betrugsverdachts und Verstoßes gegen Bewährungsauflagen weiterhin in Untersuchungshaft; sie hatte sich unter falschem Namen auch das Vertrauen des deutschen Basketballers erschlichen.

Rein formal hätte Nowitzki seine EM-Teilnahme sogar gegen den Willen von Teamchef Cuban durchsetzen können. Zwischen der NBA und dem Weltverband Fiba gibt es eine Vereinbarung, nach der Spieler freizugeben sind, wenn ein Versicherungsschutz für den Fall einer Verletzung gewährleistet ist. Auf eine solche Konfrontation jedoch wollte es der gebürtige Würzburger nicht ankommen lassen. Er pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Chef, Cuban hat ihn unterstützt in seinem Traum, einmal bei Olympischen Spielen mitzumachen, was nach zwei vergeblichen Anläufen schließlich 2008 in Peking gelang.

Im Gegenzug hatte Nowitzki versprochen, danach eine Pause im Nationalteam einzulegen und sich für die Mavericks zu schonen. Daran habe ihn Cuban bei einem Telefongespräch am späten Donnerstagabend nochmals erinnert. "Ich kann den Standpunkt von Mark komplett verstehen", sagte Nowitzki, "und ich stehe zu meinem Wort."

Hintergrund von Cubans Veto ist zum einen dessen generelle Ablehnung der NBA-Vereinbarung mit der Fiba; der Milliardär argumentiert, dass er bei einem Verletzungsfall den sportlichen Schaden ganz allein tragen muss. Zum anderen haben sich die wichtigsten NBA-Rivalen der Mavericks in diesem Sommer erheblich verstärkt, und Cuban glaubt, einen ausgeruhten Nowitzki zu brauchen, damit sein Team nächste Saison im Titelrennen noch mithalten kann.

Die deutsche Auswahl wird durch Nowitzkis Fehlen indes weit zurückgeworfen ans Ende des 16 Nationen umfassenden EM-Feldes. Nach Olympia 2008 waren bereits so viele Nationalspieler zurückgetreten, dass Bundestrainer Bauermann seine Auswahl zum großen Teil neu aufbauen muss. Dafür hat er zahlreiche Neulinge berufen, die teilweise selbst national in ihren Klubs nur wenig Spielpraxis gesammelt haben. "In dieser Phase ist Dirks Fehlen natürlich doppelt bitter", sagte Bauermann: "Seine basketballerische Klasse, seine Führungsqualität und seine schiere Präsenz wären extrem wichtig gewesen."

Das EM-Ziel, ohnehin schon niedriger angesetzt als in früheren Jahren, müsse nun noch einmal neu definiert werden, sagte der 51-Jährige. Auch wenn Dirk Nowitzki "in keiner Weise zu ersetzen" sei, wie Bauermann sagte, soll der zur Zeit vereinslose 2,13-Meter-Mann Jan-Hendrik Jagla, 28, zumindest auf dem Spielfeld seine Position einnehmen.

Obwohl der im vergangenen Sommer für Olympia eingebürgerte NBA-Profi Chris Kaman (Los Angeles Clippers) weitere Einsätze im DBB-Trikot von Nowitzkis Mitwirken abhängig gemacht hatte, haben die DBB-Funktionäre die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den ebenfalls 2,13 Meter großen Center noch zum Kommen überreden zu können: "Wir wissen, dass die Chancen nicht gut stehen, aber wir wollen alles versuchen", sagte Dirk Bauermann.

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(sueddeutsche.de/jüsc)