Basketball Lernfähig unter Haifischen

Die Bamberger mit Nicolo Melli (r. gegen Daniel Hackett) gewinnen gegen Piräeus ihr erstes Auswärtsspiel in einer Euroleague-Hauptrunde.

(Foto: Spyros Chorchoubas/dpa)

Bamberg vollbringt beim imponierenden Auftritt in Piräus eine kleine Sensation. Der deutsche Basketball-Meister ist jetzt sogar Euroleague-Tabellenführer.

Von Patrick Reichardt, München

Die aktuelle Tabelle nach dem dritten Spieltag der Euroleague-Zwischenrunde sollten sich Bambergs Basketballer ausdrucken, einrahmen und aufhängen in ihrer Historien-Galerie - es ist eine denkwürdige Momentaufnahme. Nach dem unerwarteten 77:72 (39:26)-Auswärtssieg bei Olympiakos Piräus am Freitagabend führen die Bamberger die Gruppe F an, sieggleich mit vier weiteren Klubs (ZSKA Moskau, Piräus, Real Madrid sowie Khimki Moskau), die ebenfalls 2:1 Erfolge aufweisen, aber ein schlechteres Punktverhältnis haben.

Eine deutsche Basketball-Mannschaft auf dem ersten Tabellenplatz in der Runde der 16 besten europäischen Klubs - das hat es bis dato noch nicht gegeben, und das wird man wohl so bald auch nicht mehr sehen. "Es ist zu früh, um weitere Schlüsse aus diesem Sieg zu ziehen, weil es so viele großartige Mannschaften in unserer Gruppe gibt", sagte Darius Miller, der mit 23 Punkten maßgeblich an diesem Coup beteiligt war. Fünf ehemalige Europa-Champions tummeln sich in der Achtergruppe, neben Piräus sind das noch der Titelverteidiger Real Madrid sowie ZSKA Moskau, FC Barcelona und Zalgiris Kaunas. "Heute haben wir gesehen, wie schwierig diese Gruppe ist", sagte Olympiakos-Coach Giannis Sfairopoulos.

"Für uns ist es ein großer Sieg", stellte Bambergs Trainer Andrea Trinchieri, der sich oft verhalten und beinahe pingelig kritisch mit seinem Team gibt, zur Sicherheit mal fest. Im Bezug auf diese so schwere Konstellation, bei der nur die besten vier der acht Teams in das Viertelfinale einziehen, relativierte der Italiener allerdings: "Ich denke aber nicht, dass es im Gesamtbild dieser schweren Gruppe viel ändern wird. Nichtsdestotrotz ist es jetzt eine weitere Woche, in der wir unsere Hoffnung aufrechterhalten." Die Hoffnung auf den ersten Einzug einer deutschen Mannschaft in das Viertelfinale der Königsklasse - Alba Berlin hatte diesen Sprung im Vorjahr haarscharf verpasst.

Anders als beim Hauptrundenauftakt in Madrid (79:82) wahrte der Bundesligist diesmal die Nerven und verteidigte seinen Vorsprung in Griechenland. "Wir haben immer noch die Narbe aus dem Madrid-Spiel. Im letzten Viertel war es diesmal eine ähnliche Situation wie vor zwei Wochen. Aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt", lobte Trinchieri.

Namensänderung im August

Im Rahmen dieses Ergebnisses rückte alles andere erst einmal in Hintergrund. Dabei war in dieser Woche genug Interessantes in Bamberg geschehen: Am Montag hatte der Verein bekanntgegeben, sich im kommenden Sommer einmal mehr umzubenennen. Aus Brose Baskets wird ab 1. August 2016 Brose Bamberg, die Stadt soll zehn Jahre nach dem Ende von GHP Bamberg wieder im Vereinsnamen genannt werden. "Wir bekennen uns damit zum Welterbe-Standort Bamberg. Hier schlägt auch das Basketballherz Deutschlands", verdeutlichte Geschäftsführer Rolf Beyer. Es sei der Wunsch vieler Fans gewesen, diese Änderung vorzunehmen. "Tradition, Begeisterung und außergewöhnliche Erfolge haben eine hohe Identifikation mit dem Basketball und dem Verein reifen lassen", sagt Beyer. In den mittlerweile knapp neuneinhalb Jahren als Brose Baskets haben die Oberfranken die Machtverhältnisse im Basketball verschoben.

Die ständigen Erfolge (sechs Meisterschaften und drei Pokalsiege in gerade einmal neun Spielzeiten) machten die Bamberger aber auch zu Getriebenen. Getrieben von den eigenen Titeln und Hauptsponsor Brose sowie Aufsichtsratsboss Michael Stoschek war für das kleine Städtchen Bamberg plötzlich nur noch das Beste gut genug. Das mussten auch Trainer Chris Fleming und Wolfgang Heyder, Geschäftsführer und Sportdirektor, schmerzlich erfahren. Nachdem das Duo sieben Titel in vier Jahren verantwortet hatte, war die erste Saison ohne Trophäe Anlass genug für Stoschek, die Zusammenarbeit mit beiden in ihren jeweiligen Positionen zu beenden. Fleming ist heute deutscher Basketball-Bundestrainer, Heyder Geschäftsführer beim Handball-Zweitligisten aus Coburg.

Nachfolger Trinchieri glückte in Bamberg gleich im ersten Jahr die Rückkehr auf den Thron. National steht für die Brose Baskets eine überragende Bilanz, wenn der Name sich im kommenden Sommer wieder einmal ändert. International gibt es für Brose Bamberg dann durchaus Nachholbedarf, doch das Team von Andrea Trinchieri schickt sich ja bereits in diesem Jahr an, auch auf diesem Terrain eine Saison zu spielen, die man nicht erwartet hatte.