Basketball Golden State Warriors holen NBA-Titel

Triumph für die Golden State Warriors.

(Foto: AFP)

Es ist ihr fünfter Titel in der Basketball-Profiliga. Das Team besiegt die Cleveland Cavaliers - das kann auch deren Superstar LeBron James nicht verhindern.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Als LeBron James vor fast genau einem Jahr seiner Heimat Cleveland den ersten Titel der Vereinsgeschichte bescherte, da sank der beste Basketballer des Planeten noch in der Halle auf die Knie, vergrub den Kopf in seinen mächtigen Händen und weinte bitterlich. Seit dem frühen Dienstagmorgen steht nun der neue Meister der US-Profilliga fest, und wieder richteten sich nach der Schlusssirene alle Augen auf James. Schnellen Schrittes überquerte der Mann, den sie den "King" nennen, das Spielfeld, um dem neuen König der Korbjäger zu huldigen: Kevin Durant. Für ein paar Sekunden lagen sich die beiden in den Armen, dann verschwand der Verlierer des Abends im Dunkel der Hallengänge.

James hatte wahrlich eine grandiose Finalserie gespielt, allein im letzten Spiel legte er noch einmal sagenhafte 41 Punkte für die Cavaliers auf. Doch "KD" und seine Golden State Warriors erwiesen sich in diesem Jahr als unschlagbar: Sie gewannen das fünfte von maximal sieben Finalspielen in eigener Halle mit 129:120 Punkten und holten damit den entscheidenden Sieg zum 4:1-Endstand. Lediglich in der vierten Partie hatten die Cavaliers dem Angriffswirbel der Mannen aus Oakland mit Energie und purer Willenskraft standhalten können, aber anders als im vergangenen Jahr ließen sich die Warriors diesmal die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

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Die Rechnung ging voll auf

Dass Golden State die Liga in diesem Jahr dominieren würde, hatten viele Experten vorhergesagt, schließlich war das Team schon vor Durants Verpflichtung zu Saisonbeginn nicht irgendwer gewesen. Ja, streng genommen war der Flügelspieler sogar nur als Ergänzung zu solchen Ausnahmekönnern wie Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green geholt worden, die schon im Vorjahr einen Ligarekord nach dem anderen aufgestellt hatten.

Immer wieder ist es im Sport schon schiefgegangen, wenn ein Team von Superstars mit weiteren Superstars gespickt wurde. Im Fall Golden State aber ging die Rechnung voll und ganz auf. Selbstverständlich ist das nicht, denn auch wenn hier Klasse auf Klasse traf, war die Umstellung für alle Beteiligten gravierend. Durant, der in Oklahoma City darauf gedrillt gewesen war, den Korberfolg vor allem allein zu suchen, musste sein Spiel komplett umstellen und an die schnelle, passbetonte Spielstrategie der Warriors anpassen.

Umgekehrt stand vor allem Curry - immerhin zwei Mal hintereinander der wertvollste Spieler der regulären NBA-Saison - vor der Situation, dass neben ihm nun ein weiterer glorioser Angreifer auf dem Feld stand, der ihm nicht nur einen Teil des Platzes, sondern auch des Ruhms nahm. Dass beide die Umstellung schafften, dass vor allem Durant sein Spiel noch einmal auf ein neues Level hob, ohne an anderer Stelle gewohnte Qualitäten einzubüßen, ist vor allem das Verdienst von Warriors-Trainer Steve Kerr.

Nachdem im vergangen Jahr noch James' Kraft und sein unbändiger Siegeswille über die Verspieltheit und gelegentliche Leichtsinnigkeit der Kalifornier triumphiert hatte, behielt diesmal der moderne Basketball über den klassischen die Oberhand. Um zu verstehen, welch grandioser Sportler James ist, muss man sich vorstellen, er wäre Fußballer und spielte bei Real Madrid: Er wäre dort Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Sergio Ramos in einer Person. Gegen die Pass- und Verteidigungsmaschine aus Oakland aber, der sich die Cavs diesmal gegenübersahen, konnte auch der King nichts ausrichten - zumal von seinen Adjutanten nur Kyrie Irving und Kevin Love über die ganze Finalserie verlässlich mitzogen. Vor allem die Bankspieler erwiesen sich häufig als zu schwach - auch in Spiel fünf wieder: Ganze sieben Punkte steuerten sie zum Ergebnis bei. Bei den Warriors waren es 35.