Die deutsche Basketball-Auswahl wird beim 55:83 im Viertelfinale von EM-Favorit Spanien gedemütigt und kämpft nur noch um ihre Olympia-Option.
Der Alley-Hoop gehört zu den Kürübungen des Basketballs, insofern ist bereits kurz nach der Halbzeit klar: Diese Partie ist entschieden. 24 Minuten sind erst vorüber, aber Spaniens junger Flügelmann Rudy Fernandez zieht schnell wie ein ICE zur Zone, um den Ball dann im hohen Bogen über Korbniveau aufsteigen zu lassen - dort oben übernimmt dann Pau Gasol und rammt ihn zum 50:32 durch den Ring.
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"Die werden uns wegputzen": Dirk Nowitzki hat am Spielverlauf zu kauen. (© Foto: AP)
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Fortan gelingt den Spaniern ziemlich viel im EM-Viertelfinale gegen ein allzu zaghaftes Deutschland, das die Zeit bis zur Schlusssirene als kleine Demütigung erlebt.
83:55 heißt es am Ende, womit es so gekommen ist, wie es der Würzburger Dallas-Profi Dirk Nowitzki mittags beim Essen im Teamhotel dem litauischen NBA-Kollegen Saurunas Jasikevicius, Golden State, angekündigt hatte: "Die werden uns wegputzen." Nach dem Spiel sagt er: "Wir hatten leider keine Chance."
Die Partie hatte aus Sicht des Außenseiters gar nicht schlecht begonnen, denn Nowitzki brachte nach 40 Sekunden gleich seinen ersten Dreier im Korb unter; und darauf hatten die Deutschen ja hoffen müssen, dass der beste Turnierschütze nach zwei schwächeren Partien wieder auf seine herausragenden Fähigkeiten zurückgreifen könnte.
Doch nachdem Reyes auf 2:3 verkürzt hatte - ging erst einmal minutenlang nichts. "Wegen technischer Probleme", meldete die Hallenregie unter dem Pfeifkonzert der 16000 im Palacio de Deportes Felipe II, müsse das Duell unterbrochen werden; die 24-Sekunden-Anlage hatte ihren Geist aufgegeben, das Ende der Angriffszeit wurde bis zur Halbzeit vom Hallensprecher angesagt.
Nach dem Neustart merkte man beiden Teams ihre Nervosität an, auch die Spanier scheiterten mit ihren Würfen, was zu einem 8:9 (6.) führte. Als im Wortsinne großes Problem erwies sich jedoch bald Spaniens Centergarde um Pau Gasol. Der NBA-Allstar der Memphis Grizzlies blockte am Brett herzlos Femerling, Okulaja und Arigbabu.
Fünf Punkte in Serie des ersten Wechselspielers Garbajosa sowie Fernandez' frecher Dreier gegen Nowitzki brachten Spanien erstmals deutlicher in Front (16:9). Nur dank guter Reboundarbeit blieb die DBB-Auswahl halbwegs auf Sichtweite, und Demirel glich vor den in der Ehrenloge staunenden Landsleuten Bernd Schuster und Christoph Metzelder (Real Madrid) sogar zum 20:20 aus.
Aber noch vor der Halbzeit belegte der Weltmeister, weshalb der Titel hier nur über ihn zu gewinnen ist. Denn nach Garbajosa kam eben auch noch ein Navarro, der Gasol nach Memphis folgen soll und den sie wegen seines Tempos nur la bomba nennen. Seine Punkte aus der Distanz und Zähler des nahezu fehlerfreien Calderon (17 Punkte) schraubten das Resultat mit einer 9:0-Serie bis zur Pause auf 40:27. Die in der Offensive allzu ängstlichen Deutschen hatten die Partie doch noch viel zu früh aus der Hand gegeben, weil etwa der enttäuschende Okulaja gleich vier Bälle vor Schreck abgab und Spielmacher Hamann nach dem Hoch gegen Italien wieder nicht überzeugte.
Die zweite Hälfte geriet dann rasch zur spanischen Fiesta; tapfer und dennoch mutlos spulten die Deutschen ihre Angriffe ab, dem Offensivfeuer des tief besetzten Favoriten (57 Prozent Trefferquote) hatten sie längst nichts mehr entgegenzusetzen. Auch nicht Nowitzki, der sehr früh bei elf Punkten stehen blieb.
Der rund 30 Stunden zuvor durch das 67:58 gegen Italien erkämpfte Einzug in die K.o.-Runde der besten Acht sollte nun aber wenigstens ermöglicht haben, dass der um Nowitzki versammelte Jahrgang noch einen weiteren gemeinsamen Sommer erleben darf. Denn neben den beiden Bestplatzierten der EM und den als Weltmeistern gesetzten Spaniern werden vier weitere Teams vom 7. bis 13. Juli 2008 bei einem Qualifikations-Turnier um die Olympia-Teilnahme spielen.
Dass dieses Turnier stattfindet, war zu Wochenbeginn zwar in Zweifel gezogen worden durch eine Initiative des Kontinentalverbandes Fiba Europe; einige Mitgliedsverbände monierten die Nähe des Termins zum Ende der Meisterschaftsrunden, nicht nur zur NBA-Saison, die bis Mitte Juni läuft. Ihr Vorschlag lautet, die ersten vier EM-Teams (exklusive Spanien) sollten direkt für Peking startberechtigt sein. ,,Doch wir gehen nun davon aus, dass weiter das gilt, was uns seit einem halben Jahr erzählt wird und das Turnier stattfindet'', sagt Bundestrainer Dirk Bauermann.
Dieser Ansicht ist inzwischen auch der deutsche Verband, "denn letztlich ist das eine Entscheidung von Fiba World", findet DBB-Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt. Der Weltverband sei entschlossen, das Turnier durchzuführen, "denn es bringt ihm ja auch über die Fernsehrechte Einnahmen". Freuen dürfte den DBB zudem, dass die Bundesliga bereit wäre, ihre bis zum 22. Juni 2008 datierte Saison "um ein, zwei Wochen" zu verkürzen, wie BBL-Geschäftsführer Jan Pommer bestätigt. "Wir werden Entgegenkommen zeigen müssen", sagt er, "denn wir wollen die Nationalmannschaft unterstützen - auch aus eigenem Interesse."
Voraussetzung für eine deutsche Olympia-Kampagne ist aber wenigstens Platz sieben in Spanien - dafür genügt nun ein Sieg in den abschließenden beiden Partien der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht. Erster Gegner ist am Samstag (14 Uhr) der Verlierer des Freitags-Viertelfinals zwischen Titelverteidiger Griechenland und Slowenien. Mit der Runde der letzten Acht habe man aber bereits das Minimalziel erreicht, meint Bauermann, "und das ist ein Riesenerfolg, das muss man auch mal sagen dürfen, wenn starke Teams wie die Türkei, Italien oder Serbien zu Hause sind".
Die düsteren Prognosen nach dem 47:77-Debakel im Zwischenrunden-Duell mit Slowenien haben ihm jedenfalls gar nicht gefallen, "insofern hat uns - bevor uns ja im nächsten Jahr endgültig die Klimakatastrophe einholt - gegen Italien noch einmal die Sonne geschienen". Trotz all der Kritik werde er wohl weitermachen, ergänzte Bauermann und dementierte damit jüngste Tendenzen, er werde das Amt 2008 aufgeben: "Klar, es gibt viel Arbeit, aber es ist eine reizvollere Aufgabe, als sich irgendwo ins gemachte Nest zu setzen."
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(SZ vom 14.9.2007)
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Im Nachhinein muss man sagen, es war ein großer Fehler die Ziele im Vorfeld in Richtung direkte Olympiaqualifikation zu formulieren. Dadurch ist eine große Erwartungshaltung im Team, Unfeld und in den Medien geschürt worden. Letzten Endes war die Truppe in der Vergangenheit immer dann stark, wenn niemand sie auf dem Zettel hatte. Zu guter letzt war der Selbstauferlegte Druck am Ende so stark, das viele Eigenschaften der Truppe unter der Erwartungshaltung zerplatzen und aufzeigten, dass im Kern sich diese Mannschaft überlebt hat. Andere Mannschaften haben sich weiter entwickelt, unsere ist leider stehen geblieben. Der Schnitt der nun folgt ist drastisch, und wurde hier auch schon von den ein oder anderen User gut beschrieben. Nowitzki als Kern der Mannschaft wird mittelfristig nicht mehr zur Verfügung stehen. Er wird seine Prioritäten anders setzen müssen, was verständlich ist. Ein nachfolgendes Gerüst, welche die alten Recken beerben könnte, ist weit und breit nicht in Sicht. Basketball, wird leider an Popularität verlieren, ähnlich wie im Tennis nach Becker und Graf. Dabei konnte man bei diesen fantastischen Spaniern erleben, wenn man nicht die schwarz-rot-goldene Brille aufhatte, was diese tolle Mannschaftssportart ausmacht, welche unglaubliche Dynamik und welcher Spielwitz auf höchsten Niveau möglich ist, wenn man eine entsprechende Spielerdecke besitzt.
Unsere Mannschaft hat uns über Jahre besten Sport geschert. Die Freunde rund um Dirk, haben am oberen Level gespielt. Diese ära ist leider wohl vorbei. Wir sagen Danke. Der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes. Und wie so oft schon beschrieben, wird diese Abwärtsspirale Medial und in der öffentlichkeit diesen schönen Sport in der Präsens und in der Attraktivität um den Nachwuchs weit nach hinten katapultieren.
war die schwache Trefferquote. Bis auf Nowitzki, der meistens unter schwierigen Bedingungen werfen musste, haben die anderen oft aus guten Wurfpositionen vergeben. Und: Kraft und Dynamik = Fehlanzeige.
Irgendwie hatten die Deutschen die Hosen voll oder, noch schlimmer, können es gar nicht besser.
Bezeichnderweise hat Bauermann noch vor dem Turnier zwei junge Spieler nach Hause geschickt.
Man muss nicht immer gewinnen, auch nicht gegen Spanien. Was aber Bauermann verkennt ist: Das Spiel muss Spass machen (wie so oft bei der DFB-Auswahl). Dazu gehört: Mut, Einsatz und Teamgeist. Das ist Aufgabe des Trainers. Davon war bis auf ganz wenige Ausnahmen gar nichts zu sehen.
Schade!
Ich muß zugeben, ich habe die Partie nicht bis zum Ende angeschaut. Ich wollte das Debakel einfach nicht über mich ergehen lassen. So habe ich irgendwann im dritten Viertel ausgeschaltet. Während die Anfangsphase noch ziemlich gut war, da hat man es auch geschafft, Nowitzki ins Spiel zu bringen, gab es ab Mitte des zweiten Viertels einen völligen Einbruch. Anstat weiter über Nowitzki zu gehen, der offensichtlich früh seinen Wurf gefunden hatte, versuchte man mit Gewalt Okulaja aufzubauen. Das war völlig unverständlich. Klar sollte man nicht gleich aufgeben, wenn er einen oder zwei verwirft, oder einen Ball verliert, aber das war ja schon penetrant, was in vier Ballverlusten mündete, während die Spanier lustig drauflos punkteten. Im Prinzip war das Spiel innerhalb von fünf Minuten verloren. Zur Halbzeit glaubte keiner der deutschen Spieler mehr an einen Sieg.
Falls die Mannschaft noch einen Sieg schaffen sollte, worauf ich echt nicht hoffe, stünde ein Quali-Turnier an im nächsten Jahr. Da wird Nowitzki kaum dabei sein, und deshalb gibt es auch keine Zukunft für diese Mannschaft. Nowitzki, Arigbabu, Okulaja, Femerling und sicher noch ein paar andere werden zurücktreten. Dann war es das. Wer kommt denn nach? Die Bundesliga macht es sich selbst schwer, indem man jede Menge durchschnittliche Ausländer verpflichtet, aber den eigenen Nachwuchs aussen vor.läßt. Während woanders die Talente nur so aus dem Boden sprießen, stellte die detusche Mannschaft schon die älteste des Turniers.
Vor allem auf der Spielmacherposition ist Deutschland grottenschlecht besetzt. Vorne kaum Durchsetzungsvermögen, dazu schlechte Distanzwürfe und kaum Pässe die zum direkten Korb führen, und hinten fehlende Schnelligkeit in der Verteisigung. das mag ja in der Bundesliga nicht so auffallen, aber im internationalen Vergleich werden die Defizite mehr als deutlich.
Der deutsche Basketball wird ohne Nowitzki wieder in der internationalen Bedeutungslosigkeit verschwinden. Jede Wette darauf!