Bei der EM in Spanien können Deutschlands Basketballer ihr Ziel Olympia nur mit einem Nowitzki in Topform erreichen - der NBA-Star bekommt deshalb einen eigenen Beschützer.
Am Ende hat Mithat Demirel die 300 Euro gewonnen, die der Bundestrainer, der Verbandschef und der Sportdirektor mit ihren Spenden ausgelobt hatten. Und Demirel ist sehr stolz gewesen, nachdem sein Wurf von der Mittellinie durch den Ring geflogen war - leider hat der Treffer den launigen Wettbewerb abrupt beendet. Wie die Kleinkinder hatten sich ja die deutschen Basketballer amüsiert über die kraftlosen Versuche von Co-Trainern und Betreuern, die nach dem Training in der Palma Arena beim Distanzwerfen mitmachen durften. Das Bonmot indes ging am Ende auf Kosten des Siegers. "Wir haben dich gewinnen lassen, weil du keinen Vertrag hast", nölte Kapitän Ademola Okulaja. Spielmacher Demirel ist zurzeit ohne Verein.
Dirk Nowitzki: Olympia ist das Ziel. (© Foto: dpa)
Anzeige
Wenn es nach guter Laune ginge bei der Europameisterschaft in Spanien, wären die Deutschen ein sicherer Medaillenkandidat. Zumindest unterscheidet sich das Auftreten der DBB-Auswahl auf Mallorca gravierend vom kleinteiligen Bild, das etwa die türkischen Gruppengegner bisher abgeben; dort steigt zwar das Gros in den Teambus. Doch dem folgt eine Limousine, darin sitzen dann die NBA-Profis Türkoglu (Orlando) und Okur (Utah) - und am Steuer sitzt ein Chauffeur. Sonntagmittag saßen einige Türken übrigens beim Italiener neben dem Teamhotel und ernährten sich in der Mittagssonne von Pizza und Bier.
Die Deutschen haben zwar den wertvollsten Spieler der vergangenen NBA-Saison in ihren Reihen, doch Sorgen um die Teamfähigkeit von Dirk Nowitzki haben sie nicht. Und dennoch sind sie wohl selbst gespannt, wie der Franke hier funktionieren wird. Jetzt, wo es um so viel geht. Der DBB stellt den ältesten EM-Kader, "das Fenster schließt sich", sagt Nowitzki, 29, "für unsere Mannschaft geht es nun dem Ende zu." Doch die Abschlusstour soll eben erst 2008 stattfinden, zu Olympia in Peking. Die EM-Finalisten qualifizieren sich direkt; sofern der gastgebende Weltmeister das Endspiel erreicht, genügt auch Platz drei. Doch die Deutschen wissen selbst, dass es für Peking schon ziemlich gut laufen müsste. Besonders bei Nowitzki.
Der Forward der Dallas Mavericks sieht das genau so, und er drückt sich nicht vor der Verantwortung. "Das ist mir klar, dass ich schon ganz gut spielen muss, damit wir hier was erreichen." Bei der Generalprobe in Palma gegen Spanien (56:72) war ihm das überhaupt nicht gelungen, und trotz des Kräfteverlustes nach sieben Testspielen in zwölf Tagen hat auch ihm die Sonderbewachung im Verbund mit variabler Raumdeckung zu denken gegeben. "So etwas gibt es in der NBA nicht", sagt Nowitzki, der zudem erkennen musste, dass die Schiedsrichter den MVP (Most Valuable Player) der nordamerikanischen Profiliga nicht mehr beschützen wie noch vor zwei Jahren in Serbien. Bauermann erwartet bei der EM gar, dass auf den Leader "eingeknüppelt wird"; Nowitzki äußert sich ebenfalls illusionslos: "Es geht sehr, sehr physisch zu, es wird erstaunlich wenig gepfiffen in Europa, kein Wunder, dass die Spiele 50:60 ausgehen - das erinnert mich fast schon an Handball."
"Wir brauchen jemanden, der Dirk beschützt''
Doch da muss er durch, denn Nowitzki möchte ja unbedingt nach Peking, das sich auch noch bei einem Qualifikations-Turnier (7. - 13. Juli 2008) erreichen ließe; dort dürfen vier weitere EM-Teams starten, Minimalziel der Deutschen ist demnach Platz sieben. Als Favoriten gelten neben Spanien und Europameister Griechenland auch der dritte deutsche Vorrundengegner Litauen sowie die Franzosen um NBA-Champion Tony Parker (San Antonio Spurs). Nach dem eingeplanten Starterfolg heute gegen Tschechien erhofft sich Nowitzki gegen die Türkei und/oder Litauen "so einen emotionalen Sieg wie vor zwei Jahren gegen Russland, denn auf der Welle sind wir damals bis ins Finale geschwommen."
Sicherheitshalber hat ihm Bauermann zwar keinen Chauffeur besorgt, dafür aber "einen Bodyguard". So nennt der Trainer Stephen Arigbabu, der Samstagmittag eintraf. Eigentlich war er nach dem EM-Finale von Belgrad und 157 Länderspielen zurückgetreten, doch die Kreislaufprobleme von Sven Schultze führten nun zum überraschenden Comeback des in Griechenland spielenden Centers von 2,06 Metern und 117 Kilo.
"Wir brauchen jemanden, der Dirk beschützt", findet Bauermann, "der auch mal hingeht und sagt: 'Hey, pass mal auf, noch ein Mal - und du wirst schon sehen, wie sich das gleich anfühlt.'" Der Rächer Arigbabu, 35, hat für diese Mission eine schwere Verstimmung seines Arbeitgebers Olimpia Larissa auf sich genommen ("Ich hoffe, sie sind nicht nachtragend"), dessen Trainingslager in Mazedonien er kurzentschlossen verließ. 200 Euro kostete die vierstündige Taxifahrt durchs bergige Grenzgebiet nach Larissa. Die 200 Euro spendiert in diesem Fall der DBB.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 3.9.2007)
Berliner Zeitung