Von Carsten Eberts

Nach der vom Basketball-Weltverband Fiba geforderten und in Deutschland umgesetzten Reform verstehen die Bundesligisten ihre eigene Tabelle nicht mehr.

Um Wissenswertes über das neue Wertungssystem in der Basketball Bundesliga (BBL) zu erfahren, genügt ein Anruf bei Braunschweigs Sportdirektor Oliver Braun. "Ich habe den Grund immer noch nicht verstanden", sagt Braun. "Auch wir müssen drei Mal hinschauen, um zu wissen, wo wir wirklich stehen." In der offiziellen Tabelle rangieren seine Phantoms derzeit auf Platz zehn, das bedeutet nicht einmal einen Playoff-Platz.

Bild vergrößern

Im Basketball geht es derzeit manchmal drunter und drüber. Nicht nur auf dem Spielfeld. (© Foto: Getty)

Anzeige

Dabei könnte sich die Mannschaft über einen gelungenen Saisonstart freuen: Bremerhaven besiegt, Artland auch, erst am Sonntag gab es die erste Niederlage, 74:80 gegen Meister Oldenburg. Fünf Siege aus sechs Spielen sehen nicht nach Tabellenmittelfeld aus. Braun ist wenig amüsiert. "Verstehen Sie das? Ich nicht."

Zu Saisonbeginn hat der Deutsche Basketball Bund (DBB) eine Forderung des Weltverbands Fiba umgesetzt, wonach es für eine Niederlage neuerdings einen Zähler gibt. Damit soll verhindert werden, dass Mannschaften weltweit kurzfristig ihre lästigen Auswärtsreisen absagen - ein Punkt als Anreiz fürs Antreten. Auch in Frankreich und der Türkei wird nach diesem Modus gespielt. Spanien oder die USA halten sich allerdings nicht an diese Vorgabe.

Neue Tabelle ohne Aussagekraft

Die Konsequenz für die BBL in Deutschland: Die Ulmer Mannschaft steht nach drei Siegen aus neun Spielen auf Platz acht und damit zwei Ränge vor den weitaus erfolgreicheren Braunschweigern. Der Blick auf die Tabelle zeigt: Nach dem alten System wäre Braunschweig Fünfter, Ulm folgerichtig acht Plätze dahinter. Braun: "Ich führe Sponsorengespräche derzeit als 13. und nicht, wie es uns eigentlich zusteht, als Fünfter. Das ist ein großer Unterschied."

Das neue System verschärft ein in der BBL vertrautes Problem. Wegen Europapokal-Einsätzen, unsicheren Hallenverfügbarkeiten und Übertragungsterminen für das Fernsehen sind die Spieltage zerrissen. Wenn nun Mannschaften auch noch Punkte für verlorene Spiele bekommen, verzerrt das die Tabelle endgültig - je mehr Partien ein Team absolviert hat, desto mehr Punkte hat es auch.

Die Auswirkungen spürt auch Alba Berlin: Wegen des frühen Starts der Qualifikationsrunde für die Euroleague musste der Klub seine ersten beiden Ligaspiele gegen Paderborn und Trier verschieben. Nun holt Alba am Mittwoch die Partie gegen Paderborn nach, tritt aber erst im März zum ursprünglich zweiten Saisonspiel gegen Trier an. In der Tabelle liegt die Mannschaft deshalb bis auf weiteres zurück, momentan auf Platz zwölf hinter Ulm und Braunschweig. Und das, obwohl Berlin vier seiner sechs bisherigen Spiele gewonnen hat.

Reform der Reform erst im Juni 2010

Braunschweigs Sportdirektor Braun regt an, man könne doch ohne weiteres bereits zur Halbserie zur alten Wertung zurückkehren: "Ich hoffe, der Unmut aus den Vereinen ist auch bei der Geschäftsführung der Liga angekommen." Unterstützung erhält er aus Bamberg von Manager Wolfgang Heyder: "Ich kann der Liga nur den guten Rat geben, das Ganze schnellstens rückgängig zu machen."

Angekommen sind die Probleme bei der BBL allemal. Auch die Liga sei nicht glücklich, versichert BBL-Sprecher Dirk Kaiser. "Sicher werden wir reden", sagt er, "doch genauso sicher ist, dass dies erst nach der Saison passieren wird." Eine Rolle rückwärts zur Halbserie, wie Braun es wünscht, könne es nicht geben.

Auf Seiten des DBB bleibt die Tatsache, dass man sich künftig an der Fiba orientiert, ungetastet. "Wir überlegen stattdessen, wie wir die Tabelle sinnvoller darstellen können", sagt Vize-Präsident Michael Geisler. Ein anderer Quotient (etwa Punkte geteilt durch Spiele) könnte Transparenz schaffen. "Wie es weitergeht, entscheiden wir im Juni."

In der Saison 2009/10 wird daher nur einmal ein wirklich klares Tabellenbild zu sehen sein: nach dem letzten Spieltag der Punkterunde. Dann geht es bereinigt in die Playoffs.

Leser empfehlen 

(SZ vom 10.11.2009/cai)