Von Jürgen Schmieder, Regensburg

Fast 10.000 Menschen kommen zum WM-Spiel zwischen Deutschland und den USA. Es war eine Bewerbung der Sportart Baseball für den Verbleib im olympischen Programm.

Es passiert nun wahrlich nicht besonders häufig, dass Thomas Bach eine Sportarena betritt und von allen Menschen gefeiert wird. Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Kommitees schritt am Freitag Abend in die Armin-Wolf-Arena in Regensburg, um den ersten Ball der WM-Begegnung zwischen Deutschland und den USA zu werfen. Er trug ein Baseballtrikot mit der Nummer 18 und sah darin aus, wie Sportfunktionäre in Trikots aussehen. Er warf den Ball so, wie Sportfunktionäre Bälle werfen. Die 9600 Menschen jubelten.

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Der deutsche Baseballspieler Sascha Lutz holt zum Schlag im Spiel gegen die USA aus. (© Foto: dpa)

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Noch einmal: 9600 Menschen wollten eine Partie in der Randsportart Baseball sehen, während gleichzeitig nur wenige Kilometer entfernt Profi-Fußball gespielt wurde - zur Begegnung des Drittligisten Jahn Regensburg kamen gerade einmal 5000 Menschen. "Es ist ein großartiger Abend für das deutsche Baseball", sagte Gregory Frady nach dem Spiel. Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft war trotz der 1:9-Niederlage zufrieden: "Auch wenn ich traurig bin über die Niederlage: Manchmal muss man das große Bild  erkennen."

Das Bild dieses Abends war im siebten Spielabschnitt zu entdecken. Sascha Lutz gelang der erste erfolgreiche Schlagversuch gegen den unfassbar gut werfenden Amerikaner Todd Redmond. "Es ist gut, dass unsere Spieler gegen Weltklasse-Männer wie Redmond antreten", sagte Frady. "Er wird bald in der Major League Baseball spielen und viel Geld verdienen. Gegen so einen muss man sich beweisen." Lutz gelang das nach zwei erfolglosen Versuchen, er schlug den Ball flach ins Feld und erreichte die erste Base.

Die Zuschauer sprangen auf, sie brüllten und jubelten, als wäre die deutsche Mannschaft gerade Weltmeister geworden. Freilich jubelt derzeit in Deutschland bei einer WM im eigenen Land jeder, der jubeln kann - doch waren bei diesem Spiel kaum jene Fans im Stadion, die man nur dann in den Arenen sieht, wenn alle hingehen. Viele trugen Baseballshirts amerikanischer und deutscher Mannschaften, sie unterhielten sich im Baseball-Jargon, die meisten hatten einen Hamburger oder eine Steaksemmel in der Hand. Hin und wieder war ein amerikanischer Soldat zu entdecken, der aus dem Stützpunkt im nahe gelegenen Grafenwöhr gekommen war, um an diesem für Amerikaner so denkwürdigen Tag die Baseball-Nationalmannschaft seines Heimatlandes zu sehen.

"Schlaaaaand!"

Die Mehrzahl der Besucher waren jedoch Anhänger der deutschen Mannschaft. Sie raunten bei hoch geschlagenen Bällen und äußerten ihren Unmut über strittige Schiedsrichterentscheidungen wie im dritten Abschnitt, als beim Stand von 0:0 der Schiedsrichter den Lauf eines Amerikaners an die dritte Base als erreicht wertete, obwohl die deutschen Spieler ihn klar ausgeworfen hatten. Hin und wieder brüllten sie "Schlaaaaand", das seit 2006 allgemein akzeptierte Anfeuerungswort deutscher Mannschaften. "Ich bin wirklich angetan vom Enthusiasmus und der Fachkenntnis des deutschen Publikums", sagte der amerikanische Trainer Eddie Rodriguez nach dem Spiel. "Es ist wichtig zu sehen, wie der Sport in allen Teilen der Welt wächst."

Er sprach damit das große Bild an, auf das auch Frady schon verwiesen hatte. Dieses Bild zeigt die Olympischen Spiele 2016, die wohl in Chicago ausgetragen werden. Die Sportart Baseball fehlt derzeit darauf. Die IOC-Exekutive hatte im August anderen Sportarten wie Rugby und Frauenboxen den Vorzug gegeben und damit indirekt der IOC-Vollversammlung die Empfehlung gegeben, Baseball aus dem Olympischen Programm zu nehmen.

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