Ballon d'Or Weniger Pizza für Weltfußballer Messi

Einer gegen alle: Lionel Messi, hier im Spiel gegen Granada.

(Foto: AP)

Lionel Messi entthront seinen großen Rivalen Cristiano Ronaldo. Dem Argentinier ist ein erstaunlicher Wandel geglückt.

Von Oliver Meiler

Reife ist eine relative Kategorie, auch eine subjektive. Dennoch lässt sich wahrscheinlich recht risikofrei behaupten, dass Lionel Messi das Jahr 2015, das ihm nun seine fünfte Auszeichnung als Weltfußballer bescherte, seine fußballerische Reife erreicht hat. Mit 28 Jahren. Messi ist tatsächlich erst 28!

Dabei könnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass dieser junge Mann aus Rosario in Argentinien den Fußball seit langem prägt. So viele Bilder haben sich in die Köpfe der Fans gebrannt, so viele Tor- und Beinschüsse, so viele schnelle Antritte und perfekt gezeichnete Freistöße, so viele kindliche Jubelszenen. Seit neun Jahren reist Messi nun schon nach Zürich, immer im Januar, um dort zu erfahren, ob man ihn für den Weltbesten oder den Weltzweitbesten hält.

So konstant ist er, so rund seine Karriere. 2015 war ein konfuses, hoch kompliziertes Jahr für seinen Verein, den FC Barcelona. Es begann mit "Anoeta", nunmehr ein stehender Begriff in der Welt des Barcelonismo. Anoeta heißt das städtische Fußballstadion im baskischen San Sebastián, Spielstätte von Real Sociedad. Barça musste gleich nach der Weihnachtspause im Januar 2015 dort antreten. Es war ein verregneter, kalter Tag. Die Beziehung zwischen dem neuen Trainer, Luis Enrique, und seinen wichtigsten Angestellten war angespannt. Mit ständigen Umstellungen hatte Enrique alle verrückt gemacht. Für das Spiel in San Sebastian beschloss er, Messi und Neymar auf der Bank zu lassen. Turnover. Enrique wollte beweisen, dass es auch ohne sie geht. Barça verlor 0:1. Es war mehr als eine Niederlage.

Nach Cristiano Ronaldos "Siiiii!" bei der letzten Auszeichnung wurde alles anders

"Anoeta" wurde zum Fanal. Der Zyklus des goldenen Barça aus den Zeiten mit Pep Guardiola schien nun endgültig vorbei zu sein. Schon das Jahr unter Trainer Tata Martino war ernüchternd gewesen. Die Analysen in den Zeitungen muteten wie Abgesänge an, dazu zeigten die Blätter die tristen Gesichter von Messi, Xavi und Iniesta. Dann jedoch passierten in Barcelona gleich mehrere Dinge in rascher Folge.

Der Verein entließ zunächst Andoni Zubizarreta, den Sportdirektor, der als Sündenbock herhalten musste und das ohne Aufbegehren tat. Die Entscheidung war auch deshalb zu verkraften, weil Barcelona wegen einer Sperre der Fifa ohnehin für ein Jahr keine Transfers tätigen durfte. Dann setzte der Klub vorzeitige Neuwahlen fürs Präsidium an, um die Mitglieder zu besänftigen - und führte sie doch erst im Sommer durch, um Zeit zu gewinnen und mit der dünnen Hoffnung, die Erfolge würden bis dann zurückkommen. Alles schien zu implodieren, das Selbstverständnis des erfolgreichsten, aufregendsten Fußballklubs der jüngeren Vergangenheit.

Immer wieder Ronaldo und Messi

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Was das Publikum nicht mitbekam: In dieser Zeit gab Veteran Xavi hinter den Kulissen den Diplomaten und vermittelte zwischen Enrique und Messi. Er brachte die beiden dazu, dass sie überhaupt einmal miteinander redeten. "Er oder ich!", soll Messi davor gesagt haben. Er gab zu verstehen, dass er sich auch mal ein Engagement in einem anderen Verein vorstellen könnte, in England zum Beispiel. In den sozialen Netzwerken folgte er nun dem FC Chelsea und Manchester City.