Von René Hofmann

Tommy Haas kehrt mit einem Sieg bei den Australian Open zurück. Die Ziele sind bescheiden, klar ist nur: Bei der nächsten Operation beendet er seine Karriere.

Hinterher konnte Tommy Haas gar nicht sagen, was sich zwischen 18.18 Uhr und 20.18 Uhr auf dem Show Court Nummer zwei der Australian Open abgespielt hatte. "Ich muss mir das erst nochmal anschauen und mit meinem Trainer besprechen", gab er an: "Als es losging, war ich sehr nervös." Als es zu Ende war, gab es dafür keinen Grund mehr. Auf der Anzeigentafel stand "Thomas Haas (Deutschland) - Eduardo Schwank 6:3, 6:3, 6:4". Und, was noch wichtiger war: Der Ellbogen hatte gehalten. Seit seiner Zweitrundenniederlage bei den US Open Ende August 2008 hatte Haas wegen einer Entzündung kein Match bestritten.

Tommy Haas

Tommy Haas: genießt seine erneute Rückkehr auf den Tennisplatz. (© Foto: rtr)

Anzeige

Mit Verletzungen kennt er sich aus. Einige Male hat er sich schon an der Schulter operieren lassen müssen. Doch dieses Mal setzten die Ärzte auf eine konservative Therapie. "Das war das erste Mal, dass ich viereinhalb Monate lang kein Tennis spielen konnte, ohne dass ich eine OP hatte", sagt Haas. Erleichtert hat ihm das die Rückkehr nicht. "Natürlich hat man Erfahrungen, an die man sich in solchen Momenten wie heute zu erinnern versucht", sagte er nach dem Erfolg gegen Schwank, "aber wie viel man auch trainiert - ein Spiel, in dem es um etwas geht, ist doch immer etwas anderes."

Am Donnerstag geht es für ihn in Runde zwei gegen den Italiener Flavio Cipolla um den Einzug in Runde drei. Der Qualifikant wird in der Weltrangliste auf Rang 138 geführt. Haas ist die Nummer 79. Aber darauf gibt er wenig. "Das habe ich zehn Jahre lang vielleicht viel zu viel getan", sagt er. Was jetzt seine Ziele sind? "Gesund bleiben, endlich wieder einmal regelmäßig Turniere spielen - und die großen Jungs etwas ärgern." Die Davis-Cup-Erstrundenpartie im März in Garmisch-Partenkirchen gegen Österreich steht derzeit nicht in seinem Reiseplan. Falls Teamchef Patrik Kühnen ihn bittet, ließe Haas sich aber wohl umstimmen. Ohne Not will er seinem Körper nicht allzu viel zumuten. "Noch eine OP, und die Karriere wäre wohl vorbei", sagt Haas.

Im April wird er 31. Der Abschied rückt offenbar näher, auch wenn er allzu viele Gedanken daran vermeidet. Ähnlich sieht es wohl bei Rainer Schüttler aus. Den 32-Jährigen hinderte das Ganglion, das sich vor kurzem in seinem linken Handgelenk gebildet hat, nicht daran, in Melbourne in der ersten Runde gegen Dudi Sela aus Israel anzutreten.

Ob es ihn daran hinderte, die Partie zu gewinnen, ist schwer zu sagen. Statt wie üblich nach dem Match eine Pressekonferenz zu geben, ging Schüttler lieber zum Japaner essen. Seit er 2003 in Melbourne das Finale erreichte, ist er bei dem Turnier nicht mehr über die zweite Runde hinausgekommen. Dieses Mal endete der Versuch mit der Ziffernfolge 6:1, 2:6, 4:6, 4:6. Dazu noch zwei andere interessante Zahlen: Schüttler ist derzeit die Nummer 31 der Weltrangliste, Dudi belegt Position 106. Es war eine Enttäuschung, die ähnlich blamable Dimensionen hatte wie die von Anna-Lena Groenefeld.

Autofahren als Herausforderung

Auch ihre Bezwingerin hatte sich durch die Qualifikation gekämpft: Elena Baltacha. Die Britin gewann 6:1, 6:4. "Ich habe nicht ins Spiel gefunden und den Ball nicht gefühlt", sagte Groenefeld: "Außerdem bin ich noch nicht wieder bei hundert Prozent." Das war ihr anzusehen. Zeitweise zeigte das Thermometer am Dienstag mehr als 40 Grad. So heiß war es in Melbourne seit einem Jahr nicht mehr gewesen. Um mit der Hitze klarzukommen, wurde den Frauen erlaubt, zwischen dem zweiten und dem dritten Satz zehn Minuten Pause einzulegen. Erst am Nachmittag purzelten die Grade wieder. Dafür kam Wind auf.

Kristina Barrois boten sich bei den schwierigen Bedingungen einige Möglichkeiten gegen die favorisierte Russin Jelena Dementjewa. Im ersten Durchgang führte Barrois 5:2 und hatte einen Satzball. Trotzdem verlor sie die Partie 6:7 (4), 6:2, 1:6. Angelique Kerber hätte wohl auch bei 18 Grad und Windstille gegen Venus Williams keine Chance gehabt. Die Amerikanerin gewann 6:3 und 6:3 und gab hinterher auf die Frage, was bislang in Melbourne die größte Herausforderung für sie gewesen sei, an: "Alleine Auto zu fahren."

Auf der richtigen Spur sind bislang Sabine Lisicki und Tatjana Malek. Lisicki blieb gegen die Kanadierin Aleksandra Wozniak souverän (6:4, 6:3), Malek gegen die Japanerin Ayumi Morita (7:6, 6:2). Bei den Männern sind neben Haas, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer noch die beiden Qualifikanten Andreas Beck und Michael Berrer im Rennen. Beck trifft in Runde zwei auf den Österreicher Jürgen Melzer, Berrer bekommt es mit dem Tschechen Radek Stepanek zu tun.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 21.01.2009/jüsc)