Australian Open Steffi Graf hilft und Boris Becker staunt

Mit neuer Kraft: Angelique Kerber

(Foto: Paul Crock/AFP)
  • Angelique Kerber spielt heute Nacht um den Einzug ins Finale der Australian Open. Es wäre ihr erstes Grand-Slam-Finale.
  • Obwohl die Kielerin schon länger oben in der Weltrangliste steht, wird sie auf der Tour nicht so richtig wahrgenommen.
  • Das liegt auch an ihrer relativen Erfolglosigkeit bei großen Turnieren. Das, so ihr Motto, soll sich nun ändern.
Von Gerald Kleffmann, Melbourne

Boris Becker hat gekämpft, und so wie er auf dem Foto in der Herald Sun aussah, hat ihm dieser Abend im Crown-Hotel wirklich Spaß bereitet. Eine Ablenkung war seine Teilnahme an den Aussie Millions Poker Championships in jedem Fall, auch wenn er - wie die Sun formulierte - "hochkant rausflog". Ein bisschen Zocken zum Zeitvertreib: Der Eindruck, Becker sei bei diesen Australian Open unterbeschäftigt, täuscht. Der 48-Jährige geht nach wie vor auf in seiner Rolle als Trainer von Novak Djokovic und überlegt genau, wie er seine Freizeit anlegt. An diesem Mittwochmittag hat Boris Becker sich im Fernsehen ein Tennis-Match angeschaut: das Viertelfinale von Angelique Kerber.

Die 28-Jährige bezwang die zweimalige Melbourne-Siegerin Wiktoria Asarenka aus Weißrussland 6:3, 7:5. Als erste Deutsche seit Anke Huber hat Kerber es damit bei der Veranstaltung unter die letzten Vier geschafft. Ihre nächste Gegnerin im Halb- finale in der Nacht zum Donnerstag: die Engländerin Johanna Konta.

Vier Tage Training bei Steffi Graf

Was Becker von Kerber gegen Asarenka sah, gefiel ihm: "Sie ist eine Kämpfer- natur", lobte der dreimalige Wimbledon-Champion die aktuelle deutsche Nummer eins. Es klang fast so, als wollte Becker sich für die Rolle eines Mentors bewerben. Aber da kommt er zu spät. Die Rolle ist bereits besetzt. Von Steffi Graf.

Die Gewinnerin von 22 Grand-Slam-Trophäen hatte im vergangenen Frühjahr eine Einladung ausgesprochen, der Kerber gerne nachkam. Vier Tage lang trainierte Kerber in Las Vegas bei der inzwischen 46 Jahre alten Graf. Seitdem halten sie lose Kontakt. "Sie war immer mein Idol", schwärmte Kerber in Melbourne, "wenn ein Champion etwas sagt, hört man zu".

Kerber hat in zwölf Jahren neun Millionen Dollar Preisgeld erspielt

Boris Becker und Steffi Graf hinter sich zu wissen - eine größere Wertschätzung kann es für einen deutschen Tennis-Profi fast nicht geben. Andrea Petkovic und Sabine Lisicki mögen mit ihren interessanten, teils polarisierenden Persönlichkeiten bisher mehr Blicke auf sich gezogen haben, in Melbourne beweist Kerber aber gerade, wie außergewöhnlich auch sie ist. Selbst ohne Grand-Slam-Pokal.

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In den vergangenen zwölf Jahren hat sie sich neun Millionen Dollar Preisgeld erspielt. Bei diesen Australian Open kommen nun noch einmal mindestens 481 000 Euro hinzu. Sollte Kerber Johanna Konta besiegen, die es als erste Britin seit Jo Durie 1983 in ein Grand-Slam-Halbfinale geschafft hat, würde daraus eine Million. Was Kerber mit ihrem Preisgeld macht, ist nicht bekannt. Das liegt zum einen daran, dass sie bescheiden auftritt; das luxuriöseste, womit man sie in Verbindung bringen kann, ist das schnelle Auto eines Sponsors, das sie fährt. Zum anderen liegt es auch daran, dass kaum einer fragt.