Australian Open Plötzlich Trainer

Tommy Haas bei einem Match in Hamburg.

(Foto: dpa)
  • Tommy Haas ist offiziell noch immer Tennisprofi. In Melbourne taucht der 39-Jährige nun aber als Berater des Franzosen Lucas Pouille auf.
  • "In mir brennt noch immer was", sagt er über seine eigenen Ambitionen auf dem Platz.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen bei den Australian Open.
Von Gerald Kleffmann, Melbourne

Plötzlich biegt er um die Ecke, stellt sich vor den Schalter im "Player's Restaurant", an dem vorzüglicher italienischer Kaffee ausgeschenkt wird, plaudert links und plaudert rechts, die Kappe auf dem Kopf, die Schlägertasche in der einen Hand. Rasch deckt sich Tommy Haas mit einem Heißgetränk ein, er ist auf dem Sprung zu seinem Spieler. Denn der inzwischen 39-Jährige, in Hamburg geboren, seit Jahren in den USA zu Hause, Vater zweier Kinder, hat einen neuen Job. Vorübergehend zumindest, und zur Probe. Überraschend tauchte bei diesen Australian Open die Nachricht auf, Haas werde Lucas Pouille, die Nummer 18 der Welt, als eine Art Coach beraten; zusätzlich neben dessen Stammtrainer Emmanuel Planque. "Ja, das stimmt", bestätigt Haas in Melbourne. Das sei eine spannende Aufgabe. Er wolle sehen, ob er dem Franzosen helfen könne. Und ob das Coachsein etwas für ihn ist.

Damit ist Haas der Mann mit den meisten Berufen im Tennisgeschäft. Drei sind es, genau genommen. Berater ist er nun also, so nennt er es. Und Turnierdirektor in Indian Wells, seit vergangenem Jahr. Und Profi, seit mehr als 20 Jahren. Seine Karriere, das ist tatsächlich immer noch so, hat Haas weiterhin nicht offiziell beendet. Obwohl er sie mehr oder weniger beendet hat. Und er hat auch nicht vor, es so schnell anzukündigen.

"In mir brennt immer noch was", sagt Haas. "Ich habe sogar überlegt, hier noch einmal die Qualifikation zu bestreiten." Den Ball treffe er ja immer noch. Aber der Körper sei eben nicht mehr so belastbar wie früher. "Mit meinem Rang wäre ich noch ins Quali-Feld gerutscht." 254. der Weltrangliste ist er derzeit, aber er wird nun wöchentlich abrutschen. Weil sein letztes offizielles Tourmatch im August 2017 war, mit 6:3, 7:6 besiegte ihn damals in Kitzbühel Jan-Lennard Struff. Seitdem spätestens wartet die Tennis-Welt auf die Breaking News von Haas, dass es jetzt doch endlich mal gut ist mit der Karriere. Aber nichts passiert.

Man kann die Art, wie er den Schlussstrich partout nicht ziehen mag, als ungewöhnlich oder eigenwillig bewerten. Oder Haas für die Freiheit bewundern, einfach das zu tun, wonach ihm ist.

Haas wirkt jedenfalls im Reinen mit sich. Er brauche "keinen großen Bang" zum Abschluss, "ich habe viele schöne Momente auch in den letzten zwei Jahren gehabt", sagt er. Seine erstgeborene Tochter habe den Vater noch spielen gesehen, als Profi, das war ihm wichtig. "Natürlich habe ich überlegt, mit der Familie und Freunden ein Fest zu machen." Aber das bedeutet viel Vorbereitung, Zeit, Aufwand. Irgendwie, so versteht man ihn, kam er noch nicht dazu. Wobei: Er macht nicht den Eindruck, das müsse sein. "Mal schauen", sagt er. Und: "Jeder kann sich ja denken, wie es bei mir ist." Das klingt wie: Haas' Karriere ist vorbei, nur bringt er es nicht übers Herz, es auszusprechen. Offenbar will er die Tür nicht ganz zusperren.

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"Er liebt eben Tennis", verteidigt ihn Thomas Högstedt. Der Schwede war in verschiedenen Phasen Trainer von Haas. Auch im vergangenen Jahr betreute er ihn ein paar Mal. Dass Haas nicht ganz loslassen könne, sagt Högstedt, sei verständlich. "Tennis war und ist sein Leben." Högstedt betreut inzwischen die Russin Ekaterina Makarowa, nachdem er zuvor mit der Kanadierin Eugenie Bouchard gearbeitet hatte. Es ist ein Kommen und Gehen auf der Tennistour, vor allem um die Jahreswende herum. Und Haas ist jetzt ein neuer Name bei diesen Jobrochaden.

Seine Premiere als Berater von Lucas Pouille war bei den Australian Open jedoch nur von kurzer Dauer. Der Weltranglisten-18. verlor am Montag gegen den Belgier Ruben Bemelmans 4:6, 4:6, 7:6 (7:4), 6:7 (6:8). Ob er mit Pouille auch nach dem Vorzeitigen Ausscheiden weitermacht, wollen die beiden nach den Australian Open in Ruhe entscheiden.

Und seine eigene Karriere als Spieler? Wie könnte das aussehen, wenn er die angelehnte Tür wieder ein bisschen aufmacht? Er überlege immer noch, ein, zwei Turniere zu spielen, sagt Haas. Oder Matches auf der Champions Tour. Sollte er als Trainer bzw. Berater mit Pouille weitermachen, sähe er auch keine Interessenskollision mit seiner Aufgabe als Turnierdirektor im kalifornischen Indian Wells. "Ich sehe da kein Problem, wenn ich ihn da beraten würde." Freundlich verabschiedet er sich. Haas muss weiter. Zu Job drei.

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