Mit Novak Djokovic hat erstmals ein Serbe ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Mit streckenweise großartigem Tennis besiegte er den Publikumsliebling Wilfried Tsonga. Der eigentliche Verlierer des Endspiels ist aber Titelverteidiger Roger Federer, der sich als schlechter Verlierer zeigt.

Novak Djokovic hat sich mit dem ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier endgültig in der Weltspitze etabliert und die Jagd auf die Branchenführer Roger Federer und Rafael Nadal eröffnet. Der 20 alte Tennisprofi aus Belgrad stoppte am Sonntag im Endspiel der Australian Open den Siegeszug von Jo-Wilfried Tsonga und setzte sich nach 3:06 Stunden mit 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (7:2) gegen den Überraschungs-Finalisten aus Frankreich durch.

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Damit geht zum ersten Mal überhaupt der Titel bei einem Grand-Slam-Turnier an einen serbischen Spieler. "Ich bin sehr glücklich, hier meinen ersten Grand Slam gewonnen zu haben. Danke an all die serbischen Fans, die mich unterstützt haben. Ich bin sehr stolz darauf und bin sicher, zu Hause werden jetzt alle aus dem Häuschen sein", sagte Djokovic noch auf dem Center Court.

In der neuen Weltrangliste an diesem Montag bleibt der Serbe die Nummer drei, erhält aber 1000 Punkte für seinen Triumph und rückt damit French-Open-Champion Nadal weiter auf die Pelle. Tsonga wird nach seinem starken Auftritt in Melbourne von Platz 38 auf 18 klettern.

Im Endspiel vor 15 000 lärmenden und feiernden Zuschauern in der Rod Laver Arena knüpfte der serbische Shootingstar an seine großartige Leistung aus dem Halbfinale gegen Titelverteidiger Federer an, sah sich anfangs allerdings heftiger Gegenwehr seines 22 Jahre alten Gegenübers ausgesetzt.

Im ersten Satz spielte Tsonga wie schon bei seinem Halbfinal-Erfolg gegen den Spanier Nadal Tennis wie aus dem Lehrbuch. Bei seinem Satzball erreichte er einen Ball, dem viele gar nicht mehr hinterhergerannt wären und düpierte Djokovic mit einem frechen Lob. In einem hochklassigen und intensiv geführten Match schenkten sich die Protagonisten nichts, und wurden im vierten Satz beide von Krämpfen und körperlicher Erschöpfung geplagt.

Die Sympathien der Fans lagen dabei eindeutig auf Seiten des Außenseiters. "Muhammad Ali", wie Tsonga wegen seiner Ähnlichkeit mit dem größten Boxer der Geschichte genannt wird, hatte sich durch die Erfolge gegen Nadal sowie gegen den an Nummer neun gesetzten Andy Murray (in Runde eins), seinen an Position acht eingestuften Kumpel Richard Gasquet (im Achtelfinale) und gegen den Russen Michail Juschni (im Viertelfinale) in die Herzen der australischen Fans gespielt.

"Ich weiß, dass Ihr lieber ihn hättet gewinnen sehen", sagte Djokovic. "Aber macht nichts, ich liebe euch trotzdem noch."

Den zwölfmaligen Grand-Slam-Sieger Federer interessierte das Geschehen am Final-Wochenende nicht mehr. "Es ist mir egal, wer gewinnt", sagte der Schweizer.

Momentaufnahme oder Anfang vom Ende einer Ära? Erstmals seit knapp drei Jahren war der 26-Jährige nicht mit von der Partie, als in einem Grand-Slam-Finale der Titelträger ermittelt wurde und musste bereits nach dem ersten Saisonhöhepunkt die Hoffnung auf den Triumph bei allen vier Majors in einem Jahr begraben.

(sid/marb/)

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