Kohlschreiber, Mayer und auch Kerber verlieren ihre Spiele gegen die Favoriten knapp. Damit ist Haas der letzte von elf Deutschen in Down Under.

Die Topstars wankten und eine Sensation durch Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer und Angelique Kerber lag in der Luft. Doch am Ende mussten das deutsche Tennis-Trio bei den Australian Open den Favoriten den Vortritt lassen. Wie im vorigen Jahr verlor der Bayreuther Mayer gegen US-Open-Gewinner Juan Martin Del Potro. Der Argentinier konnte nach dem 6:3, 0:6, 6:4, 7:5 froh sein, nicht mehr als ein blaues Auge kassiert zu haben.

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Die Enttäuschung steht Kohlschreiber nach der fünften Niederlage im fünften Spiel gegen Nadal ins Gesicht geschrieben, auch wenn ihm der Spanier aufmunternd auf die Schulter klopft. (© Foto: afp)

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Auch Titelverteidiger Rafael Nadal hatte am Freitag im heißen Melbourne gegen den Augsburger Kohlschreiber seine liebe Not. Der Spanier konnte sich aber in den entscheidenden Momenten durchsetzen und die Big Points machen. Am Ende gewann Nadal mit 6:4, 6:2, 2:6, 7:5.

Qualifikantin Kerber aus Kiel hatte Swetlana Kusnezowa schon am Rand der Niederlage, ehe die zweimalige Major-Siegerin aus Russland sich steigerte und doch noch zu einem schmeichelhaften 3:6, 7:5, 6:4-Sieg kam.

Zu viele leichte Fehler von Kohlschreiber

Mit viel Lob und Anerkennung im Gepäck verabschiedeten sich Mayer und Kohlschreiber nach den prima Auftritten auf dem Center Court mit 47.600 Dollar Preisgeld und der Gewissheit, nicht weit entfernt zu sein von den Besten der Welt. "Zwei Siege wären natürlich besser gewesen", meinte Kohlschreiber. "Es waren viele gute Ansätze da. Aber am Ende hat er seine Klasse gezeigt und gar keine Fehler mehr gemacht."

Zweimal stand Kohlschreiber bereits in der Runde der besten 16, aber gegen Nadal hatte er mit 58 leichten Fehlern im Gegensatz zu 38 des Spaniers zu unkonstant gespielt, um den Erfolg zu wiederholen: "Das ist natürlich zu viel. Da muss man nicht drumrumreden", sagte Kohlschreiber

Dabei brachte der Weltranglisten-26. den dritten Linkshänder in Folge mit konzentriertem Spiel an den Rand der Verzweiflung. Der 26-jährige kämpfte nicht nur, sondern präsentierte dem Mallorquiner immer wieder die richtige Antwort auf dessen kraftvollen Schläge. Wie knapp die Partie war, verdeutlichte der letzte Satz, in dem Kohlschreiber zum 4:4 ein Rebreak gelang.

Doch Nadal schlug postwendend zurück, nahm seinem Kontrahenten erneut den Aufschlag ab und brachte anschließend das eigene Spiel durch. Nach 3:30 Stunden siegte der Spanier im fünften Duell mit dem Deutschen zum fünften Mal. "Es hat trotzdem Spaß gemacht. Und es macht Mut, wenn man auch solchen Spielern Paroli bieten kann", sagte Kohlschreiber, der sich schon etwas über die verpassten Chancen ärgerte.

Mayer nur im zweiten Satz oben auf

Auch Mayer vergab seine Chance auf den Achtelfinaleinzug im Spiel gegen den Weltranglistenfünften und US-Open-Sieger Juan Martin Del Potro. Der Argentinier machte die entscheidenden Punkte, auch wenn Mayer lange mithalten konnte: "Ich bin noch völlig durcheinander", sagte Mayer nach einer guten Vorstellung, der aber der krönende Abschluss gefehlt hatte.

"Einerseits bin ich sehr stolz auf meine Leistung, andererseits aber auch enttäuscht, weil ich die große Chance nicht genutzt habe." Es war mehr drin für den 26-Jährigen, der nach seinem Durchhänger vor zwei Jahren endlich auf dem Weg ist, ein kompletter Tennisprofi zu werden. Vor allem im zweiten Satz, den er 6:0 gewann, spielte er überragend, meinte später aber bescheiden: "Das hat del Potro ganz geschickt gemacht. Er hat den Satz laufen lassen und so getan, als habe er Armschmerzen."

Diese Attitüden seien es, die ihm die besten der Zunft voraus haben. "Er konzentriert sich auf die wichtigen Punkte und lässt die anderen einfach weg", meinte der Weltranglisten-60., der sich im vorigen Jahr um 283 Plätze verbessert hatte. "In der Kabine haben mich viele beglückwünscht und gesagt, dass ich nun endgültig zurück bin." Das Tingeln auf der Challenger-Tour, dem kleinen Bruder der ATP-Tour, ist damit vorbei. "Jetzt mache ich zwei Wochen Pause und spiele dann in Rotterdam und Memphis."

Auch Kerber fehlten die Big Points - Haas der letzte Mohikaner

Kerber hatte ihre Gegnerin am Rande der Niederlage, doch am Ende stand doch die Niederlage. "Auch wenn es nicht gereicht hat, bin ich doch zufrieden. Es war ein super Match und ich habe wirklich gutes Tennis gespielt", sagte die 22-Jährige, die es verdient gehabt hätte, zum ersten Mal in ihrer Grand-Slam-Karriere in der Runde der besten 16 zu sein.

Nach drei Matches in der Qualifikation fehlte ihr beim sechsten Auftritt aber neben dem Glück auch ein wenig die Kraft, die schwächelnde Favoritin zu stürzen: "Sie ist die Nummer drei der Welt und hat am Ende die wichtigen Punkte geholt", bekannte Kerber. Auch sie bekam viel Lob, unter anderem von der Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner, die ihr gleich nach dem Match gesagt habe: "Deine Zeit kommt."

Mit Kohlschreiber, Mayer und Kerber sind nun drei der vier verbliebenen Deutschen bei den Australien Open ausgeschieden. Der letzte Mohikaner des elfköpfigen deutschen Herren-Aufgebots ist damit der dreimalige Melbourne-Halbfinalist Thommy Haas aus Hamburg, der am Samstag um 9.00 Uhr (MEZ live auf Eurosport) gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga um den Einzug ins Achtelfinale kämpft.

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(sueddeutsche.de/dpa/sid/cai)