Das Grand-Slam-Turnier in Melbourne hat seine Sensation: Der völlig unbekannte Zypriot Marcos Baghdatis schlug in einem packenden Fünf-Satz-Spiel den haushohen Favoriten David Nalbandian aus Argentinien.

Marcos Baghdatis ließ sich auf seinem Weg ins Endspiel der Australian Open in Melbourne von nichts und niemandem aufhalten. Nicht von David Nalbandian, nicht vom plötzlichen Sommerregen, nicht von einer Fehlentscheidung beim ersten Matchball und schon gar nicht von einem aussichtslos scheinenden Rückstand.

Marcos Baghdatis

Marcos Baghdatis (© Foto: Reuters)

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Der 20-Jährige aus Zypern setzte mit seinem 3:6, 5:7, 6:3, 6: 4, 6:4 im Halbfinale gegen den Masters-Cup-Gewinner aus Argentinien seine wundersame Erfolgsserie fort und trifft im Endspiel am Sonntag auf Branchenführer Roger Federer (Schweiz/Nr. 1) oder Nicolas Kiefer (Hannover/Nr. 21).

Nach 3:47 Stunden Spielzeit war eine der größten Überraschungen der jüngeren Tennisgeschichte perfekt, die riesige Rod-Laver-Arena erzitterte unter dem ohrenbetäubenden Jubel der zahlreichen griechisch-stämmigen Baghdatis-Anhänger. Mit einem Ass hatte der stämmige Zypriote den zweiten Matchball verwandelt und war danach überwältigt von seinen eigenen Gefühlen in die Knie gegangen.

"Ich weiß nicht, wie ich noch zurückgekommen bin, das ist alles wie ein Traum für mich", erklärte Baghdatis nach dem Spiel: "Irgendwie ist am Ende alles reingegangen, ich bin wie in einer eigenen Welt." Auf Zypern kam derweil das öffentliche Leben fast zum Erliegen, die kleine Mittelmeernation saß gebannt vor den TV-Geräten. "Die sind jetzt dort alle verrückt, das ganze Land feiert", sagte der Triumphator.

Erst einmal in seiner Profikarriere stand der Sohn eines Libanesen und einer Zypriotin in einem Endspiel, das er Ende Oktober in Basel gegen Fernando Gonzalez verlor. Ein Profiturnier hat der Junioren-Sieger der Australian Open von 2003 und einst weltbeste Junior noch nie gewonnen.

In Melbourne holte er nun zum ganz großen Coup aus. Nach seinem Drittelrundensieg über den deutschen Qualifikanten Denis Gremelmayr schaltete er nacheinander die hoch gehandelten Andy Roddick (USA), Ivan Ljubicic (Kroatien) und nun auch David Nalbandian aus. "Ich habe immer davon geträumt, hier zu gewinnen.

Hier fühle ich mich wie zuhause", sagte Baghdatis: "In Melbourne leben 21 Cousins von mir." Bei so viel Unterstützung ließ er sich auch nicht mehr aus dem Konzept bringen, als er bei 5:4 im letzten Satz zum Match aufschlug und beim Stand von 15:15 plötzlich sintflutartiger Regen einsetzte.

Baghdatis blieb cool, überstand die 20-minütige Pause unbeschadet und brachte das Match bei geschlossenem Dach mit Verspätung zu Ende.

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(sid/Andreas Hardt)