Aber eine Mannschaft, die so in die Länge gezogen wurde, benötigte die einfache Lösung: den langen Ball auf einen Stürmer mit großer Zielfläche. Es tauchten Dieter Hoeneß, Hrubesch, Jancker, Bierhoff auf, eine ganze Rasse von Giganten - dazu da, den Ball zu halten, ihn zu köpfen und Fouls in Strafraumnähe zu schaffen. Das Spiel als solches interessierte nicht. Was 1972 eine blendende Mannschaft war, wurde zu einer hermetischen, mechanischen, schweren und hässlichen Elf.
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Für den Niedergang des deutschen Fußballs gibt es noch einen zweiten Grund: die zerstörerische Rolle des FC Bayern München. Mitte der Siebziger errang Bayern die Vorherrschaft, zusammen mit einer Mannschaft namens Borussia Mönchengladbach, einer Elf, die unendlich attraktiver und verwegener war. Der FC Bayern setzte sich aufgrund seines wirtschaftlichen Potentials und seiner Titel durch. Dreimal hintereinander gewannen die Bayern in den Siebzigern den Europapokal der Landesmeister. Nie war es verdient. Dass der FC Bayern eine dominierende Rolle erlangte, ist nicht per se schlecht.
Das Problem ist, dass der FC Bayern in Deutschland kaum Wettbewerb zulässt. Wenn möglich, eliminiert er den Wettbewerb. Die vergangenen 15 Jahre sind mit Beispielen getrüffelt. Immer, wenn die Bayern sich in Gefahr sahen, holten sie die besten Spieler ihrer Rivalen und warfen sie sofort in eine Periode des Neuaufbaus. Doch die Aufgabe eines großen Clubs ist es nicht, Wettbewerb zu eliminieren, sondern, ihn zu fördern.
In Spanien steht die Autorität von Real Madrid und des CF Barcelona außerhalb jeder Diskussion. Aber sechs Stammspieler von Barça sind Eigengewächse: Valdés, Puyol, Xavi, Iniesta, Messi und Bojan. Mehr als 50 Spieler der spanischen Liga kommen aus dem Nachwuchs von Real. Kann Bayern Dasselbe von sich behaupten? Nein. In den vergangenen zehn Jahren hat der FC Bayern nur einen genießbaren Spieler produziert: Schweinsteiger, auch er nichts von einem anderen Stern. Dem Club fiel es einfacher, das Talent des deutschen Fußballs auszudünnen.
Deutschland spürt nun die Effekte von Maßnahmen, die vor langer Zeit ergriffen wurden. Nun will die Nationalelf die Anerkennung der europäischen Fans erlangen. Das ist nicht einfach. Sie mag die EM sogar gewinnen, doch es fehlen ihr Spieler, die mit den Großen der Welt verschmolzen werden könnten - mit den Großen ihrer eigenen Vergangenheit.
Santiago Segurola ist der führende Fußball-Journalist Spaniens. Er gehört der Chefredaktion von Marca, der größten Sportzeitung des Landes, an. Übersetzung: Javier Cáceres.
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(SZ vom 19.06.2008/aum)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
...unterschreibe ja eigentlich gerne und unbesehen alles, was dem FCB die Schuld gibt (ob es sich um das Wetter, die schlechten Fernsehprogramme oder mein Sodbrennen handelt [das besonders!].
Aber mir ist immer beigebracht worden, dass die Deutschen schon seit Fritz Walter (und davor) diese Überbetonung auf die deutschen Sekundärtugenden legten. Und daher unser Spiel so aussah/-sieht.
Die Außenperspektive übersieht auch manches:
"...gibt es kein Land, das solche Chancen hat, im Fußball die Hegemonie zu erlangen. 80 Millionen Einwohner, große Städte, die besten Stadien,..."
Ist es nicht eher so, dass in Deutschland die vielen Bolzplätze durch unsere schöne, aufgeräumte Art draufgingen und immer weniger Straßenbolzer heranwachsen durften und sie stattdessen von altbackenen Trainern 'verhunzt' wurden?
Frage 1 an den Autor:
Nachdem der Fussball, wie er gestern von Deutschland gespielt wurde, von internationalen Experten als unheimlich attraktiv und modern (und erfolgreich) gelobt wurde. Ist Ihnen ihr Artikel nicht selbst unheimlich peinlich? Daneben sollte man erwähnen, das die aktuellen Stürmer der deutschen Nationalmannschaft in wenigen Spielen davor wohl die Ewigen-Torschützenliste anführen werden (und noch gar nicht so furchtbar alt sind).
Frage 1 an den Autor:
Warum verschwenden gute und erfolgreiche Fussballnationen wie Brasilien nicht ihre Zeit damit, mit Halbwissen den deutschen Fussball zu kritisieren, sondern nur erfolglose? Liegt es daran, dass sie mehr Zeit (und Frust) haben, weil Ihre eigenen Teams in den heissen Phase in der Regel sowieso nicht mehr dabei sind?
Da hier das Zitat von Beckenbauer genannt wurde, möchte ich es einmal in voller länge zitieren:
"Wir sind jetzt die nummer eins in der Welt, wir sind schon lange die nummer eins in Europa. Jetzt kommen noch die Spieler aus den neuen Bundesländern dazu ... wir werden auf Jahre hinaus nicht zu besiegen sein. Das tut mir leid für den Rest der Welt."
Das stimmte bereits 1990 nicht ganz:
Wieso behauptete Beckenbauer, dass D schon seit langem die Nummer eins in Europa wae? Bei der EM 88 kam D bis ins Halbfinale, bei der WM 86 hatte Beckenbauer recht, EM 84 wars die Vorrunde, WM 82 hatte Beckenbauer wieder recht, EM 80 hatte er auch recht. Aber daraus abzuleiten, man sei "schon lange" die Nummer eins in Europa, war da wohl doch etwas übertrieben.
Und im übrigen ist die Feststellung, dass einzig Berti Vogts die furchtbaren 90er zu verantworten hatte, auch nicht ganz richtig, sie greift zu kurz.
Die Gesellschaft hatte sich verändert, der DFB hatte die Jugendarbeit verschlafen. Als Krönung wurde seinerzeit sogar die A2 abgeschaffen!
Das Vogts natürlich einen gehörigen Anteil am grausamen Fussball hatte, ist unumstritten, aber er konnte ja auch nur mit dem Spielermaterial umgehen, dass er hatte.
In einem hatte Beckenbauer allerdings recht: er erkannte sehr frühzeitig die Qualitäten der Ostdeutschen Fussballer. Man kann sich ja einmal vorstellen, wie der DFB so zurechtgekommen wäre OHNE die ehemaligen DDR-Fussballer. Und man hat ja auch gesehen, dass es mit der Deutschen Mannschaft so richtig bergab ging, als nämlich die Ostdeutschen Spieler das "Pensionsalter" erreichten (ende der 90er Jahre).
Dazu passt auch folgendes: sport.ard.de/sp/fussball/news200806/19/gomez.jsp
Und die Aussage von Herrn Rumenigge, dass man Lukas Podolski auf keinen Fall gegen Gomez tauschen würde.
Wahrscheinlich darf Podolski, wenn überhaupt, nur ins Ausland wechseln.
Da fragt man sich doch: warum wollen Leute wie z. B. Lahm und Gomez nicht ins Ausland (wo doch angeblich Angebote aus Spanien und England vorliegen) und sich dort weiterentwickeln.
In der Bundesliga kann man sich nicht mehr weiterentwickeln, auch nicht in den 6- 8 CL Spielen mit Bayern, dazu ist das Niveau der Bundesliga zu niedrig.
Die Nationalmannschaft würde im übrigen auch davon profitieren, würden mehr deutsche Spieler im Ausland spielen.
ausgerechnet Sie als Kenner der spanischen (Fußball)-Verhältnisse bemängeln die Spielweise der deutschen Nationalmannschaft und die Nachwuchsarbeit des FC Bayern. Da kann man ja nur noch lachen.
Die spanischen Vereine und hier insbesondere Real Madrid waren es, die in den 70er Jahren auf Schulden die Weltstars der anderen Ligen zusammenkauften, um europäisch irgendwann mal was zu erreichen. Diese Schulden des königlichen Klubs wurden dann wieder generös (oder soll ich sagen königlich) erlassen.
Der FC Bayern hat seine Vormachtstellung in der Bundesliga über beinahe 40 Jahre kontinuierlich aufgebaut mit seriösen Geschäftspraktiken und einem soliden Haushalt.
Es würde der spanischen Liga gut zu Gesicht stehen, wenn sie nur annähernd diese Qualitäten hätte. International haben Ihre sogenannten Nachwuchsstars ja noch nie was erreicht. Vielleicht klappt's ja diesmal.
Paging