Auslosung zur EM-Qualifikation Uefa vernichtet die Spannung

UEFA-Präsident Michel Platini hat die EM-Qualifikation reformiert.

Uefa-Boss Michel Platini hat die Qualifikation zur Europameisterschaft reformiert. Es geht nicht mehr darum, wer sich von den großen Teams qualifiziert - die Frage ist nur noch: Wie schnell kommen Spanien, Deutschland und Co. durch?

Von Julian Beyer

Die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft war wohl noch nie so einfach wie dieses Mal. Nicht mehr 16, sondern 24 Teams nehmen an der EM in Frankreich 2016 teil. Uefa-Chef Michel Platini hat das Prozedere der Qualifikation reformiert: Neben den Gruppenersten qualifizieren sich auch die zweitplatzierten Nationen direkt für das Turnier - und müssen sich nicht mehr durch die Playoffs quälen, um das EM-Ticket zu lösen. Der beste Gruppendritte ist ebenfalls automatisch dabei. Die übrigen Drittplatzierten müssen in die Relegation.

Bei neun Gruppen mit je sechs Mannschaften qualifiziert sich also die Hälfte der Teams mindestens für die Playoffs. Es stellt sich die Frage: Wo bleibt da der Konkurrenzkampf? Das wird "die langweiligste Qualifikation in der Geschichte des Sports", kommentiert der englische Guardian. Am Sonntag um 12 Uhr werden die Gruppen ausgelost (SZ.de berichtet live).

Für die großen Teams wird es noch einfacher

"Ich halte die Aufstockung des Teilnehmerfeldes bei einer Europameisterschaft für fragwürdig", sagt der deutsche Nationaltrainer Jogi Low. "Der sportliche Wert einzelner Spiele, aber auch des gesamten Wettbewerbs sinkt", kritisiert er. Tatsächlich wird der Druck geringer, da die Mannschaften die Gruppe nicht mehr als Erster abschließen müssen, um sich damit direkt zu qualifizieren. Die großen Teams, wie Deutschland, Italien oder Spanien, hatten in der Qualifikation ohnehin selten große Mühe. Mit dem neuen Modus wird es für sie noch einfacher.

Für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine 2012 qualifizierte sich die deutsche Mannschaft an einem Freitag im September 2011. Mit 6:2 schlugen die Deutschen den Nachbarn aus Österreich und lösten das Ticket zur EM, zwei Spieltage vor dem Ende der Qualifikation. Die Italiener waren zu dem Zeitpunkt ebenfalls bereits durch. Nach dem neuen Modus wäre Deutschland bereits im Juni qualifiziert gewesen - nach dem siebten Spieltag. England, Spanien und die Niederlande hätten in den letzten beiden Spielen auch B-Mannschaften aufstellen können. Im neuen Modus geht es im Grunde nicht mehr darum, wer sich von den Top-Teams direkt qualifiziert, sondern nur noch, wie viele Spiele diese dafür benötigen.

Selbst die Relegationsspiele versprachen bisher nur gelegentlich Spannung. Irland gegen Estland oder Montenegro gegen Tschechien - das sind kaum Paarungen, die die Zuschauer vor die Fernseher locken. Damals waren es aber immerhin noch die Zweitbesten der Gruppen, die um das Ticket für die EM in Polen und der Ukraine gekämpft haben. Jetzt treffen die Drittplatzierten aufeinander. Und Partien wie Norwegen gegen Israel oder Österreich gegen Lettland klingen nicht nach Europameisterschaft. Das sieht auch die Uefa so: "Die Qualifikation verliert etwas von ihrer Spannung und ihrem Charme", sagt der Chef des EM-Organisationskomitees, Jacques Lambert.

Frankreich darf mitspielen

Dabei sind interessante Duelle doch eigentlich genau das, was die UEFA will. Mit der neuen Zentralvermarktung der EM-Quali hat Platini die Partien fast auf die ganze Woche verteilt. Die Qualifikationsspiele finden künftig von Donnerstag bis Dienstag statt, gespielt wird an Doppelspieltagen also zum Beispiel Donnerstag/Sonntag oder Samstag/Dienstag. Damit will die UEFA den Fernsehsendern an jedem Tag mindestes ein Top-Spiel anbieten. Das könnte schwierig werden, wenn die großen Teams bereits früh qualifiziert sind. Selbst ein eigentlich spannendes Duell ist nur halb so attraktiv, wenn ein oder sogar beide Teams gar nicht mehr gewinnen müssen.

Mit der Reform kommt Platini auch den Franzosen entgegen. Der Gastgeber ist zwar bereits qualifziert, darf aber trotzdem in der Quali mitspielen. Als Lückenfüller, außerhalb der Wertung, da es sonst eine Fünfergruppe neben acht Sechsergruppen gegeben hätte. Die Gastgeberländer hätten häufig Probleme, Gegner für Testspiele zu finden, begründet Platini seine Entscheidung. Frankreich muss sich darum jetzt nicht mehr kümmern. Die Franzosen freut aber noch etwas ganz anderes: Für jedes Pseudo-Qualifikationsspiel erhält Frankreich die normale Vermarktungssumme von 4,2 Millionen Euro. Mit einem Freundschaftsspiel wäre das nicht möglich gewesen.