Augsburg - Gladbach (15.30 Uhr) Abschied von der Anfield Road

Hoch das Bein: Raul Bobadilla spielte gegen Liverpool immerhin 18 Minuten lang.

(Foto: Jan Kruger/Getty Images)

Europa war gestern, Liverpool ist Vergangenheit. Zum Heimspiel gegen Gladbach versucht der FCA, den Hebel umzulegen - von Europa League auf Abstiegskampf.

Von Kathrin Steinbichler, Augsburg

Das Gehirn ist ein schwer zu bändigendes Organ, auch für Profifußballer, die es gewohnt sind, ihren Körper zu beherrschen. Aber am Sonntag, sagt Tobias Werner, müsse seine Mannschaft sich und den Kopf "wieder im Griff" haben. Es hilft ja nichts, der Alltag ruft und mit ihm ab 15.30 Uhr das Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Und das, weiß der Flügelspieler, "ist einfach wichtig. Für den Verein, für die Fans, für uns". Mit dem Abstiegskampf ist nicht zu spaßen.

Dabei sind die meisten Fußballfans und auch so mancher Fußballer in Augsburg wohl auch am Sonntag in Gedanken ab und zu noch ein bisschen beim vergangenen Donnerstag, als der FCA durch ein stimmungsvolles und denkbar knappes 0:1 beim FC Liverpool aus der Europa League ausschied. Das emotionale Erlebnis an der Anfield Road aber "müssen wir schnell aus den Köpfen rauskriegen", meinte Werner, "weil die Bundesliga einfach unheimlich zählt".

Der FCA sucht gesunde Spieler für die erste Elf

Europa, das war gestern. Bundesliga, das passiert jetzt. "Das war ein großartiger Abend", hielt Trainer Markus Weinzierl nach dem Europa-Aus fest, aber auch er appellierte an die Professionalität seiner Spieler: "Am Sonntag gegen Gladbach zählt das nicht mehr, dann müssen wir wieder alles geben, um auch nächstes Jahr wieder dabei zu sein." Und damit meinte er nicht den europäischen Wettbewerb, für den ein vorderer Platz in der Bundesliga nötig wäre. Sondern die Zugehörigkeit zum Erstligafußball, für die Augsburg am Ende vor den letzten drei Tabellenplätzen stehen muss. Und so sicher ist das derzeit nicht.

Wenige Punkte nur trennen die Vereine im hinteren Tabellendrittel untereinander sowie von den prekären Plätzen, die in die zweite Liga führen. Nach dem Erlebnis Europa aber will der FC Augsburg erst recht darum kämpfen, auch in der kommenden Saison wieder an größeren Zielen schnuppern zu dürfen. "Jetzt geben wir weiter Gas, damit wir auch in den nächsten Jahren erstklassig und wieder bei den Großen mit dabei sind", sprach FCA-Manager Stefan Reuter noch beim Rückflug aus Liverpool ins Bordmikrofon. Immerhin hat der FCA auch rund vier Millionen Euro durch seine internationalen Auftritte eingenommen. Allerdings stehen die Schwaben wie schon in Liverpool am Sonntag erst einmal vor der schwierigen Aufgabe, überhaupt genügend gesunde Spieler für eine schlagkräftige Elf zusammen zu bringen.

Islands Nationalspieler Finnbogason wird im Angriff erwartet

Schon an die Anfield Road hatte Trainer Weinzierl "alle mitgenommen, die laufen können". Gegen Mönchengladbach hofft er jetzt, "dass einige der Verletzten und Angeschlagenen wieder zurück kommen". Innenverteidiger Jeong-Ho Hong etwa, der zuletzt genauso wie Mittelfeldspieler Piotr Trochowski wegen muskulärer Probleme ausfiel. Stürmer Dong-Won Ji war wegen einer Fiebererkrankung gar nicht erst mit nach Liverpool gereist, ebenso Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Bruch des Wadenbeins und des Sprunggelenks). Spielorganisator Daniel Baier durfte zwar mit zum Abschlusstraining, stand nach seinem Haarriss im Mittelfußknochen allerdings noch nicht im Kader. Ein Einsatz am Sonntag gegen Gladbach "käme für ihn definitiv noch zu früh", sagte Weinzierl. Angreifer Raúl Bobadilla dagegen hatte den Trainer selbst gebeten, ihn nach überstandener Muskelverletzung in Liverpool spielen zu lassen, nach seiner Einwechslung kam der FCA in den letzten 20 Spielminuten prompt noch zu einigen Torgelegenheiten. Was auch an der Spiellaune von Mittelfeldspieler Jan Moravek lag, der nach überstandener Gehirnerschütterung ebenfalls einige Minuten Spielpraxis in Liverpool sammeln konnte.

Neben den Rückkehrern wird FCA-Trainer Weinzierl am Sonntag aber wohl vor allem auf zwei seiner Winterzugänge setzen, die in Liverpool wegen zuvor absolvierter Europa-Einsätze für ihre vormaligen Klubs nicht auflaufen konnten: Der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw dürfte für den nach seinem Jochbeinbruch operierten Markus Feulner im defensiven Mittelfeld spielen. Islands Nationalstürmer Alfred Finnbogason hatte bereits in Hannover mitgeholfen, einen Erfolg und damit wichtige drei Punkte im Abstiegskampf zu holen.

"Die Spieler haben Lust, das noch einmal zu erleben"

Dass nach dem Europa-Aus jetzt ein Spannungsabfall beim FC Augsburg zu befürchten wäre, wies Manager Reuter mit einem energischen Kopfschütteln von sich: "Wir haben Motivation und Kraft gezogen aus der Europa League", sagte Reuter, "und können stolz darauf sein, wie die Mannschaft und die Fans aufgetreten sind. Die Spieler haben Lust, das noch einmal zu erleben, also müssen wir alles dafür tun, in der Liga zu bleiben."

Flügelspieler Tobias Werner jedenfalls ist überzeugt: "Wenn wir uns weiter so entwickeln und wenn wir den Abstiegskampf überstehen, dann können wir sicherlich irgendwann wieder angreifen." Bevor der FCA daran denkt, muss er jetzt allerdings die Gefühle aus Liverpool beherrschen lernen. Gegen Mönchengladbach wie an den restlichen elf noch ausstehenden Spieltagen.