Auftakt der EM-Qualifikation Mit doppeltem Müller in die neue Zeit

Wieder drin: Thomas Müller erzielt das 2:1 gegen Schottland.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dank zweier Tore des Münchner Angreifers startet Deutschland mühsam, aber erfolgreich in die EM-Qualifikation. Gegen widerspenstige Schotten muss der Weltmeister beim 2:1 zwischenzeitlich sogar zittern - Sorgen bereitet Marco Reus.

Von Ulrich Hartmann und Christof Kneer

Die Bilder sind alle noch präsent, die deutschen Nationalspieler am Strand von Santo André, die deutschen Nationalspieler auf der klapprigen Fähre in Brasilien, die sieben Tore gegen den Gastgeber und später, nach der Rückkehr, die Albernheiten auf der Berliner Fanmeile. In Bildern lässt sich Geschichte am besten verstehen, und so hat am Sonntagabend wohl der letzte Fußballfan begriffen, dass jetzt eine neue Zeit beginnt.

Dass vor dem Dortmunder Stadion keine Fähre verkehrt, war noch die kleinste Überraschung, aber die anderen Bilder waren wirklich neu: Manuel Neuer, der vor dem ersten Spiel jene obligatorische Fairplay-Erklärung verliest, die sonst immer Philipp Lahm verlesen hat; ein Bundestrainer, der als Einziger im blauen Hemd steckt, ohne gleichgekleideten Assistenten an seiner Seite; und ein Spieler mit der Rückennummer 7, auf dessen Trikot der Nachname "Rudy" steht.

Es ist nämlich so: Der Weltmeister will jetzt auch Europameister werden. Dieses Ziel hat Joachim Löw schon mal an den Horizont gemalt, er will verhindern, dass seine Weltmeister wie die DFB-Globetrotters durch die Qualifikation tingeln und sich feiern lassen. Aber im Grunde seines Trainerherzens weiß Löw, dass er diesen Trick eigentlich gar nicht nötig hat: Er hat eine Mannschaft, die genügend Pflichtbewusstsein besitzt, um die Spiele nach der heiligen Weltmeisterschaft nicht zu lässig anzugehen.

Dennoch kostete es den Weltmeister nach gutem Start einige Mühe, mit dem 2:1 (1:0) gegen den Auftaktgegner Schottland einen einigermaßen standesgemäßen Start in die EM-Qualifikationskampagne hinzubekommen. "Es war das erwartet enge Kampfspiel, ich kann mit dem Ergebnis sehr gut leben. Wir haben es in der ersten Halbzeit in der einen oder anderen Situation verpasst, das Ergebnis höherzuschrauben", sagte Thomas Müller. Es waren seine beiden Treffer, die der DFB-Elf einen Abend retteten, der von einem unschönen Schlussbild überschattet wurde: Marco Reus, der bereits die WM verletzt verpasst hatte, humpelte mit einer Knöchelverletzung vom Platz. Eine exakte Diagnose gab es am Abend noch nicht, es sei aber "vielleicht doch nicht so schlimm", meinte Joachim Löw später.

Fernab der geheimen Räume

mehr... Einzelkritik

Der Beginn dieses Abends war in jedem Fall viel erfreulicher als das Ende. Weder der beim Fanvolk umstrittene Mario Gomez auf der Ersatzbank noch der BVB-Flüchtling Mario Götze im Sturmzentrum mussten einen Pfiff storm über sich ergehen lassen, was manche im DFB-Stab zuvor befürchtet hatten. Um zu verhindern, dass deutsche Spieler vom eigenen Publikum ausgepfiffen werden, hatte die Stadionregie 20 Minuten vor Spielbeginn eine Videobotschaft von Kevin Großkreutz ausgestrahlt, in welcher der Lokalmatador streng beschied: "Bei uns wird niemand ausgepfiffen!"

Und wirklich: Als der in Dortmund nicht mehr wohl gelittene Götze auf dem Monitor erschien, war kaum ein Pfiff zu vernehmen. Und als die Spieler den Rasen zum Aufwärmen betraten, ertönte ein Jubel, der vereinzelte Pfiffe fast unhörbar machte. Die einzigen, die später bei deutschem Ballbesitz pfiffen, waren die schottischen Fans, aber auch diese Pfiffe wurden von Dudelsackklängen verziert.