Aufregung bei 1860 München Wenig Begeisterung bei Unicredit

Iraki war es, der den Kontakt zwischen 1860 und Ismaik herstellte. Er begleitete ihn eng als persönlichen Berater (und tut es heute noch), als dieser 18,4 Millionen Euro zahlte und bei Sechzig einstieg. Ismaik, der sich kaum in München blicken lässt, ist der erste arabische Investor im deutschen Fußball. Mit Ismaik gründete Iraki auch die H.I. Squared International GmbH als Vermarktungsgesellschaft des TSV; dort bleibt Iraki Geschäftsführer. Später übernahm er noch die Fanartikel GmbH der Löwen. Sein Einfluss wuchs und wuchs; seit langem ging ohne seine Zustimmung praktisch nichts im Tagesgeschäft.

1860-Geschäftsführer Robert Schäfer hatte vor Monaten berichtet, dass er sich jeden Morgen mit dem Finanzfachmann bespreche. Auf Anfrage teilte Schäfer nun am Abend mit: "Der Investor wird die Posten nachbesetzen müssen. Es sind ja zwei wichtige Gremien. Das ist natürlich seine Sache, aber ich gehe davon aus, dass er das tut." Zudem erklärte er: "Er hat es uns erst heute mitgeteilt, das ist für mich auch sehr frisch." Gleichzeitig äußerte der Geschäftsführer offiziell Verständnis: "Ich hatte schon gedacht, dass mal die Zeit kommt, wo er sagt, er muss für andere Dinge wieder Zeit haben." Aber so schnell? Und jetzt, da erst im Sommer stolz ein Dreijahresplan verkündet wurde (samt Aufstiegsziel bis spätestens 2015) und alle ein Loblied auf die neue interne Harmonie sangen?

Die Anfangszeit verlief ja sehr kompliziert. 1860-Präsident Dieter Schneider als Vereinsvertreter und Iraki als Investorenvertreter bekämpften einander monatelang. "Ich finde es schade, wir haben gut zusammengearbeitet", sagte Schäfer nun zu Irakis Abtritt und ergänzte zu einem sehr speziellen Löwen-Traum: "Was das Thema Stadion angeht, wenn es einmal so weit ist, wird er uns sicher weiter helfen." Eine mutige Aussage just an dem Tag, an dem sich der Statthalter des Investors zurückzieht.

Vor allem Irakis Rückzug aus dem Beirat der Geschäftsführungs GmbH ist bedeutsam: In dem wichtigen Gremium herrschte bislang ein Patt aus Vertretern des Vereins (Dieter Schneider, Wolfgang Hauner) und der Investorenseite (Iraki, Ismaik). Wer Irakis Posten übernimmt, um die Parität zu wahren, ist bislang unklar. Genau so unklar ist, wieso Iraki - selbst für den Mehrheitsgesellschafter 1860 überraschend - diesen Weg geht. Womöglich hat es etwas mit seinem neuen Arbeitgeber zu tun. Bei der Unicredit soll man jedenfalls nicht begeistert darüber gewesen sein, dass Iraki so oft wegen 1860 in den Schlagzeilen stand; es waren zumeist negative Schlagzeilen. Oder hat Irakis Entschluss doch etwas mit der gerade gefällten Besetzung des Trainerpostens zu tun?

Noch am vergangenen Freitag hielt Iraki im Ehrengastbereich der Arena Hof vor der Partie gegen Köln, wie eine Art zweiter Präsident neben Schneider; er unterhielt arabische Gäste und Englands früheren Coach Sven-Göran Eriksson, die er persönlich eingeladen hatte. Mit Schneider und Schäfer steckte er die Köpfe zusammen. Trotzdem ahnten seine vermeintlichen Partner offenbar nichts von seinen eigenen Plänen. Iraki teilte vielmehr mit: "Ich schließe nicht aus, dass Eriksson mal Trainer von 1860 wird." Am Sonntag präsentierte Schäfer den eigenen Regionalliga-Coach Schmidt als Maurer-Nachfolger.