Aufatmen bei Schalke 04 Mit Kampf aus der Krise

Schalke 04 vergibt Chancen en masse, gewinnt aber dennoch 3:2 gegen Hamburg. Das Ergebnis lässt Trainer André Breitenreiter wieder besser schlafen.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Die Schalker Ergebnis- und Stimmungskrise macht Pause. Ein 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV beruhigt die Debatten und lässt auch den zuletzt nicht mehr unumstrittenen Trainer André Breitenreiter wieder etwas besser schlafen. Sechs Tage nach dem 0:3 gegen Donezk, das einen Exodus auf den Tribünen ausgelöst hatte, zeigten sich die Fans diesmal zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft. Vor der Kurve nahm sie Ovationen entgegen. "Die Moral der Mannschaft war super. Wir haben uns durchgebissen. Wir können das jetzt kurz genießen und müssen dann weitermachen", kommentierte Klaas Jan Huntelaar, der das zwischenzeitliche 2:1 für Schalke erzielte an diesem Abend. Der HSV erwies sich zwar als zäher Gegner, den berechtigten Anspruch auf einen Punktgewinn konnte er aber nicht nachweisen. Bezeichnenderweise war Torwart Adler der beste Hamburger Spieler.

Die Partie hatte noch nicht richtig begonnen, da waren die Schalker Sorgen schon wieder ein Stück größer. Im irrigen Glauben an die Nähe seines Torhüters ließ Verteidiger Neustädter einen harmlos heran segelnden Ball passieren, Müller nahm die Vorlage dankend auf und schoss den Ball zwischen Fährmanns Beinen ins Tor. 0:1. Nach drei Minuten. Das sah nicht gut aus für das Unternehmen Versöhnung.

Schalke hat aber schon schlechter auf einen Rückstand reagiert als an diesem kalten, verregneten Märzabend: Das Publikum verzichtete auf Unmutsbekundungen, und die Mannschaft suchte zügig den Ausweg aus dem Problem. Sie bestimmte das Geschehen, vor allem der im Winter aus Kiew geliehene Zugang Belhanda inspirierte die Hausherren. Möglichkeiten zum Ausgleich ergaben sich regelmäßig und zahlreich, der Effekt blieb jedoch aus - die Chancenverschwendung gehört zu den Kinderkrankheiten dieser jungen Mannschaft. Belhanda scheiterte mit einem wunderbaren Volleyschuss an Adler (6.), Aogo schaffte es, aus drei Metern über das leere Tor zu schießen (13.); Schöpf nahm Huntelaar vor dem Tor den Ball weg (26.); Meyer kam an Adler nicht vorbei (28.).

Nach Krisenfußball sah das alles nicht aus, nach erfolgreichem Fußball aber auch nicht. Erst Meyers platzierter Gewaltschuss aus zwanzig Metern schuf Erleichterung auf den Rängen (38.), Neustädter, der Vater des 0:1, hatte zuvor den Ball stark erobert. Dem 1:1 folgte wenig später der Platzverweis für Hamburgs Kapitän Djourou, der sich innerhalb von fünf Minuten den Luxus zweier gelbwürdiger Fouls leistete.

Doch in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte war es der bisher zurückhaltende HSV, der mehr fürs Spiel leistete. Die Schalker wussten nicht viel mit ihrem Überzahlvorteil anzufangen. Das 2:1 durch einen Kopfball des bis dahin eher zu bedauernden Huntelaar fiel relativ überraschend (66.). Es war das 75. Tor im 150. Bundesligaspiel des Mittelstürmers. Dass er es aus Abseitsposition erzielte, wird ihn nicht weiter stören, und die Schalker brauchten auch kein schlechtes Gewissen zu haben: Schiedsrichter Perl hatte ihnen zwei plausible Elfmeter versagt.

Die Partie war nicht gelaufen, der HSV zeigte Kampfgeist und fand immer wieder den Weg an den Schalker Strafraum. Erst das 3:1 durch Schöpf (77.) beendete die Diskussionen. Bruno Labbadia stärkte nun die Defensive, um eine höhere Niederlage zu verhindern. Kacars Anschlusstreffer in der Nachspielzeit fiel zu spät, um noch mal auf Angriff umzuschalten.