Aubameyangs Masken-Jubel Nur einer kann die Werbung stoppen

Jubel mit Maske: Pierre-Emerick Aubameyang (links) und Shinji Kagawa.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Pierre-Emerick Aubameyang nutzt seinen Torjubel für Sponsoren-Reklame. Der Verein zürnt, wird aber machtlos sein. Einzig die Fans haben ein wirksames Instrument gegen solche Aktionen.

Kommentar von Martin Schneider

Zu Beginn das offensichtlichste Argument gegen diesen Masken-Jubel: Pierre-Emerick Aubameyang bekam die gelbe Karte dafür. Seine dritte Verwarnung, bei fünf ist er für ein Spiel gesperrt und Borussia Dortmund ist in der Liga (derzeit Platz vier, keine direkte Champions-League-Qualifikation) nicht wirklich in der Lage, seinen wichtigsten Torjäger zu ersetzen. Insofern war die Aktion mindestens dumm, aber in der Geschichte des Fußballs gab es schon zahlreiche dumme gelbe Karten.

Das perfide an dieser Aktion ist, dass Aubameyang und/oder sein Management die Emotionen der BVB-Fans - und es werden selten mehr Emotionen frei als bei einem Tor auf Schalke - benutzt haben, um die Werbung anzuschalten. Sie haben gedacht: Ihr freut euch also? Das nutzen wir aus. Denn die Aktion war von Aubameyangs Geldgeber Nike geplant, der Sportartikelkonzern aus den USA startete am Tag nach dem Torjubel eine Kampagne auf seiner Internetseite, um einen Schuh zu bewerben. Titel: "The Masked Finisher". In Zeiten, in denen jede Ecke und bald vielleicht auch noch jeder Einwurf von irgendwem präsentiert wird, wird nun auch der Torjubel kommerzialisiert.

"Das ist selten dumm"

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Aubameyang verkaufte seine Fans danach auch noch für dumm: "Ich und arrogant? Kommt schon Leute, das ist meine Art zu leben. Ich bin wie ein Kind, das es genießt, Fußball zu spielen", schrieb er auf diversen Kanälen. Nein, das ist eben nicht seine Art. Es ist die Art, die sein Sponsor gern hätte. Die Spider-Man-Maske oder die Batman-Maske, die er auch mal nach Toren aufsetzte, hätte er so noch verteidigen können. Nicht aber eine Werbe-Aktion.

Wer kann was dagegen tun?

Aubameyang muss langsam aufpassen, dass er nicht als lebende Litfaßsäule wahrgenommen wird, vor ein paar Wochen erst ließ er sich das Logo seines Schuhlieferanten in die Haare rasieren. Die Frage ist allerdings: Wer kann was dagegen tun? Das Regelwerk sieht eine gelbe Karte vor, die Werbe-Bestimmungen der DFL sind aber nicht eindeutig, wenn es um Frisuren geht oder wenn nur indirekt geworben wird (auf der Maske war kein Firmenlogo erkennbar). Bleibt der Verein, in diesem Fall der BVB, der zudem noch mit Puma einen konkurrierenden Ausrüster hat.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußerte sich säuerlich, und meinte zu Konsequenzen für Aubameyang: "Das wird diesmal etwas schwieriger für ihn." Aber was kann er schon tun? Er könnte Aubameyang eine Geldstrafe verpassen, die wird ihm sein Sponsor im Zweifel erstatten. Er könnte ihn suspendieren, aber dann würde er hauptsächlich dem BVB schaden, denn zum Torjäger gibt es keine Alternative. Der Verein wird die Aktion zähneknirschend akzeptieren müssen.

Der Einzige, der wirklich was ändern kann, ist derjenige, auf den Werbung abzielt: der Fan, der Kunde, der potenzielle Käufer. Der Fußball wird mit Werbung zugepflastert, weil kaum ein anderes Feld so viel Aufmerksamkeit in Kombination mit Emotionen liefert. Vorläufige Spitze dieser Entwicklung sind der VfL Wolfsburg und RB Leipzig, zwei Klubs, die zu einem großen Teil existieren, um der Markenbildung eines Konzerns zu dienen. Das ist prinzipiell legitim und wird so lange gemacht, wie es funktioniert.

Wenn nun die Kunden sagen: "Mir ist es zu blöd, dass ein Stürmer seinen Torjubel für eine Reklame-Aktion missbraucht. Den Schuh kaufe ich lieber nicht" - dann funktioniert die Werbe-Aktion nicht. Die Erfahrung, und auch das gehört zu Wahrheit, ist leider eine andere.

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