Arjen Robben Ein Elfmeterpatzer alle sechs Jahre

Berühmt für seinen Ehrgeiz: Arjen Robben.

(Foto: dpa)

Arjen Robben ist überehrgeizig, und trotzdem ärgerte er sich nicht lange über seinen verschossenen Elfmeter gegen Wolfsburg. Er weiß: Ohne ihn hätte Bayern München die Partie nicht mehr gedreht.

Von Carsten Scheele, Wolfsburg

Es gab schon Tage im Leben des Arjen Robben, da hätte man ihn nur unter größter Gefahr nach einem verschossenen Elfmeter befragen dürfen. Der Niederländer hat in seiner Karriere den ein oder anderen Strafstoß vergeben, diese Schüsse gehören zu seiner Vita. Seine Laune war danach häufig schlecht, manchmal auch: sehr schlecht. Wie wohltuend, dass Robben diesmal lächelte.

Ach, dieser Elfmeter. Wolfsburgs Renato Steffen hatte Corentin Tolisso bei Wolfsburger Führung im Strafraum regelwidrig abgedrängt, Robben war angetreten - anstelle von Robert Lewandowski, dem etatmäßigen Schützen, der auf der Bank saß. Robben schoss flach nach links, VfL-Torwart Koen Casteels lenkte den Ball in der 55. Minute halbhoch an den Pfosten. "Einmal in sechs Jahren", sagte Robben, "kann das passieren."

Sechs Jahre zuvor hatte er das Spielgerät im Champions-League-Finale, im "Finale dahoam", in der Verlängerung nicht vom Elfmeterpunkt aus im Tor untergebracht. Die Bayern verloren wenig später das Elfmeterschießen gegen Chelsea. Robben, damals 28, hatte eine harte Zeit, auch mit den eigenen Fans, die ihm den Fehlschuss und den verpassten Titel lange nachtrugen. Der Niederländer wiederum verübelte dem Anhang, wie damals mit ihm umgegangen wurde.

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Inzwischen ist er gelassener geworden. Robben ist nun 34, er spielt um einen Vertrag für die kommende Saison, es dürfte dann sein letzter in München sein. Er ist zwar nach wie vor enorm ehrgeizig, muss aber nicht mehr zwangsläufig der Siegtorschütze sein; so wie früher, als er lieber selbst draufschoss, als überhaut zu erwägen, den besser postierten Spieler anzuspielen. "Ego-Shooter" wurde er damals genannt.

Diesmal kratzte sich Robben kurz an der Glatze. Und rackerte einfach weiter. Ein "Kompliment" sprach Sportdirektor Hasan Salihamidzic für die Reaktion seines Mittelfeldspielers aus. Denn dieser legte kurz darauf - nach gewonnenem Laufduell gegen Gian-Luca Itter - Sandro Wagner den Ausgleich zum 1:1 auf (64.). Und an der entscheidenden Situation des Spiels war Robben erneut beteiligt. Er war in der Schlussminute an Itter vorbei in den Strafraum geeilt, der entschied sich in seiner geballten Erfahrung aus fünf Bundesligaspielen zu einem Schulter-Zupfer. Robben nahm an und fiel - wieder Elfmeter. Der Niederländer überließ dem eingewechselten Lewandowski den Ball, der verwandelte zum späten 2:1 (91.). "Eine Vorlage, einen rausgeholt", resümierte Robben also, "da kann man zufrieden sein." Ohne ihn hätten die Bayern diese Partie nicht mehr gedreht.

Robben ist für vieles berühmt, aber nicht für einen starken rechten Fuß

Robben weiß, an welchem Punkt seiner Karriere er steht. Und er hat auch eine Ahnung, wie es seinem Widerpart Itter ergangen sein musste. Die Geschichte des jungen Wolfsburgers war ihm geläufig: Itter hatte im Hinspiel in München in der Bundesliga debütiert. Es war damals ein prima Tag für den Außenverteidiger, er spielte sehr ordentlich gegen Robben, Wolfsburg holte ein 2:2. Am Ende fragte er Robben nach dem Trikot, es wurde seine Trophäe.

Diesmal musste Itter feststellen, dass die harte Fußballrealität anders aussieht. An einem schlimmen Nachmittag gegen Robben beging der 19-Jährige zwei Fehler, beide führten zu Gegentoren. Ein bisschen tragisch, fand auch Robben: "Aber so lernt man, so wird man ein großer Junge." Wobei, er könne ja verstehen, dass sich Itter zu einem Foul entschieden hatte: "Sonst komme ich mit meinem starken Rechten und dann wäre es ein Tor gewesen." So habe wenigstens der Torwart noch eine Chance gehabt, den Ball zu parieren. Robben fand seine Anekdote selbst ziemlich witzig, denn er ist für vieles berühmt: für seine Haken, für seinen Ehrgeiz, für manche Elfmeter. Aber gewiss nicht für einen starken rechten Fuß.

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