Die letzte Nummer 10 hat sich gerade beleidigt zurückgezogen. Juan Román Riquelme erklärte seinen Rücktritt aus der Elf, seinen zweiten bereits. Diesmal störte es die Mimose, dass Maradona ihn in Frage stellte; danach duellierten sich beide tagelang in den Medien. Es war Maradonas erste Machtprobe in diesem Amt, weitere werden folgen. Manche halten Riquelme mit seinen Pässen und Freistößen für unverzichtbar, andere für ein launisches Hindernis. Spielmacher hat Argentinien jedenfalls fürs erste keinen mehr.

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Stratege Diego sieht den Wunderknaben Messi eher als Stürmer neben Agüero und eventuell Manchesters Tevez. Er mache sich wegen der 10 "nicht verrückt", beruhigt Messi. Maradona findet, Messi dürfe nicht nur in Barcelona der Beste der Welt sein, "sondern auch im Monumental oder in Nigeria. Hoffentlich wird er gefeiert wie einst ich".

Hinter dem Zaubertrio Messi, Agüero und Tevez stärken Kapitän Mascherano, Gago, Maxi Rodríguez und Jonas Gutiérrez das Mittelfeld. Die Abwehrkette besteht aus Daniel Díaz oder Javier Zanetti, Marcos Angeleri und Gabriel Heinze. Die Albiceleste sei wie ein verstaubter Rolls Royce, sagte Maradona, man müsse sauber machen. So wichtig wie die Taktik, an der Novize Maradona wohl noch arbeiten muss, ist vielleicht die Mystik. "Für Maradona stelle ich mich auch ins Tor", verkündete Newcastles Gutiérrez, das Tor hütet trotzdem Juan Pablo Carrizo.

Maradonas Vorgänger Alfio Basile hatte das Kollektiv nicht mehr ins Schwung gebracht, Heinze sagt: "Nach einem Gespräch mit Diego aufs Feld zu gehen wird unglaublich sein. Wenn er spricht, dann kriegst du eine Gänsehaut." Maradona ist ernst, traurig, witzig, ironisch. Argentinisch. Ob er den Druck spüre? "Druck gibt's im Fußball nicht", erwiderte der Philosoph. "Druck hat einer, der schauen muss, wie er zehn Pesos zusammenkriegt." Beim Trainingsspiel trabte das Idol mit Pfeife zwischen den Auserwählten herum, mal die Arme hinter dem Rücken verschränkt, mal gestikulierend, als spiele er noch mit.

Spalier standen Journalisten, Anhänger. Und der Maradona-Clan, Argentiniens Auswahl ist nun ein göttliches Familienunternehmen. Töchter, Bruder, Papa, Neffe, Enkel, Schwiegersöhne. Übervater Diego schlurfte nach der Übung erhaben vom Rasen, die Fußballschuhe in der Hand. Wie damals.

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  1. Mehr Mystik als Taktik
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(SZ vom 28.03.2009)