Von Peter Burghardt

Für Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona stehen in der südamerikanischen WM-Qualifikation die ersten Pflichttermine an.

Das parkähnliche Trainingszentrum des argentinischen Fußballverbandes Afa liegt neben der Autobahn beim Flughafen Ezeiza im Süden von Buenos Aires, sattgrün und riesig. Wer beim Start oder bei der Landung genau hinschaut, der kann von oben vielleicht die Männchen erkennen und in der Mitte nun IHN. Unten am Boden bildeten sich Schlangen hupender Fans und Berichterstatter, als die neue Himmelfahrt des Diego Maradona so richtig begann.

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Diego Maradona steht vor seinem ersten Pflichtspiel als Trainer der argenitnischen Nationalelf. (© Foto: Reuters)

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Solchen Andrang hatte die schöne Anlage mit ihren Alleen selten erlebt seit seinem Rücktritt als Spieler, 1994. Sicherheitsleute wachten wie beim WM-Finale. Zum Training am Donnerstag fuhr ein schwarzer Mini vor, Kennzeichen FGM 974, dunkle Scheiben. Heraus stieg ein kleiner, nur noch leicht übergewichtiger Mann mit zwei Brillis im linken Ohr. Der Nationaltrainer hatte Ex-Frau, Töchter, Enkel und weitere Verwandte mitgebracht. Er kehrte heim zur Familie.

Waren Ezeiza und die hellblauweißen Hemden nicht immer seine Heimat gewesen, selbst in den Jahren der Abstürze und Exzesse? Seine Dribblings und Verirrungen haben Argentinien geprägt in 91 Einsätzen, den Triumphen, Affären und Zusammenbrüchen. Sein verblüffender Aufstieg zum Chefcoach im November war eine weitere Wiedergeburt, 2007 wäre er fast gestorben. Selbstverständlich segnete auch die Maradona-Kirche die Rückkehr ab im "Jahr 48 nach Diego", ihr Kalender beginnt mit Maradonas Geburt.

Im Jahr 46 betete Mitgründer Alejandro Verón am Krankenhaus, der Heiland möge Drogensucht und Herzschwäche überleben. Nun sah Verón zwischen Reporterscharen, wie der Göttliche in kurzen Hosen und Afa-Logo auf der Brust einen nachgeborenen Messias wie Lionel Messi dirigierte. "Davon haben wir geträumt", haucht er. Maradona ebenfalls: "Ich hätte vor einem Jahr nicht gedacht, dass ich hier sein würde."

Als er vor vier Jahrzehnten nicht weit weg vor den Bretterbuden von Villa Fiorito nach seinem Traum gefragt wurde, da antwortete der Bub: "Ich will bei einer Weltmeisterschaft mitspielen." Er gewann dann 1986 sogar eine, praktisch im Alleingang. Sein aktueller Traum ist, "dass das Stadion vor Freude explodiert" - die zugige Betonschüssel Monumental, wo die Selección zuletzt ausgepfiffen worden war und am Samstag das WM-Qualifikationsmatch gegen Venezuela bestreitet.

Das und die folgende Reise in die Höhe von La Paz sind die ersten Pflichttermine dieser Ära. Die siegreichen Freundschaftsspiele in Schottland (1:0) und Frankreich (2:0) waren ein glänzender Start gewesen, aber Vorgeplänkel. Jetzt geht es um die WM 2010. Maradona hat für die Mission Südafrika nahezu sämtliche Auslandsstars versammelt. "Hier sind Millionen von Euro konzentriert, und alle wollen Messi, Tevez, Kun, Mascherano sehen", sprach er.

Kun heißt bürgerlich Sergio Agüero, ist Torjäger von Atlético Madrid, Gefährte seiner Tochter Giannina und Vater seines Enkels. Sehen wollen die Leute allerdings nicht zuletzt IHN. Diego Armando Maradona. Den weltweit einzigen Nationaltrainer mit Tattoo von Che Guevara (rechter Oberarm) und Fidel Castro (linke Wade), Freund von Hugo Chávez. Ein langes "Diegoo" und "Maradooo" wird durch die Arena hallen, obwohl das Monumental die Heimstatt des Klubs River ist und Maradonas Herz dem Erzfeind Boca gehört. Er wird das Rund als ewige Nummer 10 betreten. Eine andere Nummer 10 gibt es vorläufig auch nicht mehr.

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