Fußball-WM Es grummelt bei Argentinien

Lionel Messi beim Training vor dem Kroatien-Spiel.

(Foto: AFP)
  • Argentinien steht nach dem Unentschieden zum Auftakt heute Abend gegen Kroatien unter Zugzwang.
  • Messi und seine Kollegen werden nicht erst seit dem 1:1 gegen Island kritisiert - auch in der Vorbereitung gab es einige Unruhen um Mannschaft und Verband.
  • Cheftrainer Sampaoli wird wohl ein altes Erfolgssystem zurückbringen.
Von Javier Cáceres, Sotschi

Oscar Ruggeri ist einer der glorreichen Veteranen der Geschichte des argentinischen Fußballs; er war Verteidiger und als solcher Mitglied der Weltmeistermannschaft von 1986, die Diego Maradona anführte. Vor Beginn der WM in Russland drehte Ruggeri, 56, einen Werbespot für eine Brauerei, in dem es um den imaginären Vertrag geht, den die argentinische Nationalmannschaft und ihre Fans schließen. Und der definierte, in welcher Stimmung Argentinien nach Russland gefahren ist.

"Wir verlangen doch nur, dass sie Eier zeigen!", brüllt eine Frau, die auf der Tribüne eines vollbesetzten Stadions sitzt. Und Ruggeri, der unter einem schwarzen Schirm auf dem Rasen wandelt, widerspricht. "Manchmal wollen wir von ihnen viel mehr als das! Wir bitten sie darum, dass sie unser Leben aufhellen, dass sie uns von einer Grippe heilen ...", sagt Ruggeri, und fügt eine Sentenz hinzu, welche die disparate Erwartungshaltung punktgenau trifft: "Gott bitten wir um weniger."

Ritter von trauriger Gestalt

An diesem Donnerstag trifft Argentinien in Nischni Nowgorod auf Kroatien; eine Mannschaft, die ein Trikot trägt, das aussieht wie eine Tischdecke, wie die Argentinier höhnten. Vor der WM, versteht sich. Jetzt geht ihnen die Muffe, denn im Auftaktspiel kam der zweimalige Weltmeister gegen die Isländer, von denen es vor dem Turnier noch hieß, dass sie keine 22 Leute für ein Spiel zusammenbringen, über ein 1:1 nicht hinaus. Auch, weil Lionel Messi, el Diez, Argentiniens Nummer zehn also, einen Elfmeter verschoss.

Seither werden Messis Mundwinkel und Augen von den Medien geröntgt, seine Körpersprache wird Analysen unterzogen. Messi, der in Russland schon zum vierten Mal nach dem Titel greift und am Sonntag 31 Jahre alt wird, sei zu einem Ritter von trauriger Gestalt geworden, war die gängige Schlussfolgerung dieser Tage, getreu der Worte, die selbst Messi nach dem 1:1 geäußert hatte: "Ich fühle mich verantwortlich", sagte er. Gestern nahm ihn Trainer Sampaoli in Schutz. "Mit ihm hat Argentinien vier oder fünf Spiele verloren. Jeder Argentinier hat ein Trikot Messis mit der '10'. Er ist ein Nationalheld wie Maradona".