Die Nationale Anti-Doping-Agentur fürchtet, nicht ausreichend kontrollieren zu können. Unterdessen wurde sie zum Doping-Gipfel von Sport und Politik nicht eingeladen.
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) sieht sich am Scheideweg: "Statt derzeit 1,9 Millionen brauchen wir fünf Millionen Euro pro Jahr, damit wir unsere Aufgaben erfüllen können", stellt der Kuratoriumsvorsitzende Hanns Michael Hoelz klar und forderte "endlich eine stabile und verlässliche finanzielle Basis". Zwei Drittel des Geldes sollten in das Kontrollsystem fließen, ein Drittel in die Prävention.
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Noch deutlicher wurde Vorstands-Chef Armin Baumert: "Wir sind doch kein Kleinkleckerverein, der immer als Bittsteller auftreten muss. Mit dem jetzigen Etat ist keine effektive Arbeit machbar. Wenn sich das nicht ändert, müssen wir den Mut haben und sagen, wo unsere Grenzen sind." Mit derzeit acht hauptamtlichen Mitarbeitern in Bonn sei man auch personell am Limit der Möglichkeiten. Sein Fazit: "Im Kampf gegen Doping stecken wir alle in der Krise."
Im Hinterzimmer
Dabei fühlt sich die NADA nicht nur im finanziellen Abseits. Hoelz zeigte sich verärgert darüber, dass kein Vertreter der Agentur zum Treffen von Innenminister Wolfgang Schäuble und DOSB-Präsident Thomas Bach mit WADA-Chef Dick Pound am Donnerstag in Berlin eingeladen wurde: "Das ist kein gutes Signal." Baumert: "Wir dürfen nicht immer nur im Hinterzimmer warten müssen."
In der Budget-Diskussion erwartet Hoelz von den übrigen Ländern, dass diese dem Beispiel Baden-Württembergs folgen, das erstmals 50.000 Euro zur Verfügung stellt. Auch die Sponsoren des Sports oder Stiftungen der Wirtschaft seien aufgerufen: "Es muss sich ein breites Bewusstsein für soziales Mäzenatentum entwickeln."
Zudem müssten die Sportverbände einen höheren Beitrag leisten. Derzeit überweist jeder Verband pro Jahr 2500 Euro Solidarbeitrag, zahlt daneben pro Kontrolle 59 Euro, obwohl ein Urintest 300 Euro und ein Epo-Test 500 Euro kosten. Blutuntersuchungen, wie sie von der NADA erst seit diesem Jahr durchgeführt werden, schlagen sogar mit 1000 Euro zu Buche. Baumert: "Das Zuschussgeschäft muss beendet werden."
Neu: ein nationaler Testpool
Erst wenn die dringend benötigte Summe von fünf Millionen Euro verfügbar ist, könne die NADA über die Trainings-Kontrollen hinaus auch für sämtliche Wettkampftests zuständig werden. Baumert: "Dies ist aber unbedingt nötig, um ein geschlossenes System zu haben, auf das die Verbände mit ihren eigenen Kontrolleuren keinen Einfluss haben." Aber auch die NADA-Kontrolleure müssten "professioneller" geschult werden - ebenfalls eine Frage des Geldes.
Neu wird ab Juli immerhin der nationale Testpool sein, für den 1900 Spitzenathleten ausgewählt wurden. Sie sollen möglichst oft und "auf den richtigen Zeitpunkt hin" kontrolliert werden. Für die übrigen 7100 Sportler, die bisher schon in das System eingebunden waren, soll es zwar "keine Freibriefe" geben, doch der Schwerpunkt der 4482 Trainings- und 3839 Wettkampfkontrollen (Stand 2006) verlagert sich.
Neu eingeführt werden ebenfalls einheitliche Kontroll-Standards für sämtliche Verbände. Dies gilt insbesondere für die "Missed Tests", um Pleiten wie im letzten Jahr auszuschließen, als mehr als 200 Athleten von den Kontrolleuren nicht angetroffen wurden. 144 dieser Fälle sind von den betreffenden Verbänden noch immer nicht abschließend aufgearbeitet. Ab Juli müssen sich Sportler schon dann ab- und anmelden, wenn sie ihr gewohntes Umfeld für nur 24 Stunden verlassen; bisher galt die 72-Stunden-Regel. Gleichzeitig wurden die Verbände eindringlich ermahnt, sich im Antidopingkampf besser zu organisieren.
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(sid)