Die eigentliche Sportlerin des Jahres: Anne-Kathrin Elbe verarbeitet die Turbulenzen ihrer Doping-Aussage gegen Trainer Springstein.
Anne-Kathrin Elbe, die Hürdensprinterin, hat sich da noch so einen kleinen Ärger aufbewahrt aus dieser Saison, die längst zu Ende und in Analysen verarbeitet ist.
Anne Kathrin Elbe bei ihrer Ankunft im Amtsgericht in Magdeburg am 9. Januar 2006. (© Foto: AP)
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So einen Sportlerärger, der eher ein Symptom für ihren Ehrgeiz ist als eine echte Verbitterung. Von tausend Starts geht vielleicht einer mal daneben, sagt sie, "und dann im Halbfinale der U-20-WM". Himmel.
Hätte das nicht bei einem Abendsportfest passieren können: Dass sie die Nerven nicht bewahren konnte und zu langsam aus den Blöcken kam? Klar, sie war nicht ganz gesund, wie die meisten im deutschen Team, die in China Magen-Darm-Probleme hatten.
Aber das war's nicht, sagt Anne-Kathrin Elbe, 19: "Weil ich selber schuld bin." Und damit ist die Saison nur noch "durchwachsen" gewesen für sie, obwohl sie sich doch ordentlich aus der Affäre gezogen hat mit neuen Bestzeiten und Titeln, gerade in der Hallensaison, als der Doping-Prozess gegen ihren früheren Trainer Thomas Springstein lief, in dem sie die Hauptzeugin war.
Tabletten als Sportschülerin
Das reicht natürlich nicht, um Sportlerin des Jahres zu werden, und wenn der Hochadel des deutschen Sports am Sonntag in Baden-Baden die Wahlergebnisse zu Deutschlands größtem Athleten feiert, wird das mit Anne-Kathrin Elbe wenig zu tun haben.
Trotzdem hätte sie es verdient. Immerhin, sie hat ein paar Stimmen bekommen, was zumindest ein dezenter Hinweis auf die Verdienste ist, die sie sich erworben hat, als sie ihrem Bundestrainer Thomas Kremer etwas zeigte: Tabletten, die sie als Magdeburger Sportschülerin von Springstein bekommen hatte. Sie stellten sich als Dopingmittel mit dem Wirkstoff Testosteron-Undecanoat heraus und veranlassten den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) dazu, Springstein anzuzeigen.
DLV-Präsident Clemens Prokop hat Anne-Kathrin Elbes Aussage ein "Jahrhundertereignis" genannt. Fürs nächste Jahr plant er, ihr zu Ehren einen Fairplay-Preis auszuloben.
Der Fall Springstein ist mehr als ein Urteil
Er weiß um den Wert ihrer Aussage, sie hat eine Antidoping-Offensive des DLV ermöglicht, die weit über die Grenzen der Sportgerichtsbarkeit hinausweist: Als Springstein im März wegen Minderjährigen-Dopings zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, beantragte Prokop die Prozessakten.
Mit den Erkenntnissen daraus zeigte er den Athleten-Manager und mutmaßlichen Doping-Netzwerker Jos Hermens an und leitete ein Dopingverfahren gegen die früheren Springstein-Athleten Nils Schumann und Grit Breuer ein.
Längst ist der Fall Springstein mehr als nur ein Urteil. Befürworter eines Antidopinggesetzes, das dopende Sportler zur Verantwortung zieht, haben mit Interesse verfolgt, wie die Staatsanwaltschaft Hinweise aus dem Prozess auf Gendoping und Netzwerke ungenutzt ließ, weil ihr der strafrechtliche Rahmen fehlte.
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