Angriff gegen Uefa und DFB "Europa demontiert die Fifa-Reform"

Der Basler Strafrechts-Professor Mark Pieth gilt als profilierter Korruptionsbekämpfer. Bei der Fifa leitet er seit Ende 2011 das unabhängige "Independent Governance Committee".

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Fifa-Chefreformer Mark Pieth wirft der Uefa und dem DFB im "SZ"-Interview vor, die Transparenz-Offensive des Welt-Fußballverbandes zu blockieren. Außerdem spricht er über faschistische Seilschaften im Fifa-Vorstand - und erzählt, warum Fifa-Funktionäre ein Problem mit Frauen haben: "Diesen Sexismus lehne ich ab."

Von Claudio Catuogno, Thomas Kistner und Klaus Ott

Die Reform des von Affären erschütterten Fußball-Weltverbandes Fifa droht endgültig zu scheitern. Die Lage sei "dramatisch", sagte der Fifa-Chefreformer Mark Pieth in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Mittwochsausgabe). "Es besteht die Gefahr, dass die Fifa noch einmal zehn Jahre verliert."

Schuld an der Blockade sei allerdings nicht der umstrittene Fifa-Chef Sepp Blatter - sondern ausgerechnet Europas Fußball-Verband Uefa und dessen Präsident Michel Platini, der sich öffentlich für mehr Transparenz im Weltfußball starkmacht. Doch die meisten Vorschläge für eine transparentere Organisation der Fifa, die der Basler Strafrechtsprofessor Pieth als Vorsitzender der unabhängigen Fifa-Reformgruppe vorgelegt hat, würden ausgerechnet von Europas Fußballfunktionären torpediert, sagte Pieth der SZ - und zwar von "allen Europäern, einschließlich Deutscher Fußball-Bund".

So hält es Pieth etwa für unverzichtbar, dass "alle Leute, die in ein Fifa-Komitee einrücken, sich einer Ethik-Prüfung stellen müssen. Aber was passiert? Die Europäer sagen: Brauchen wir nicht! Wir machen diese Prüfung selber. Aber wenn Europa das nicht will, müssen Afrika, die Karibik, Südamerika das auch nicht machen. Es braucht aber jemanden im Zentrum, der sagt: Moment mal, diesen Typen nehmen wir nicht!", sagt Pieth.

Auch gegen die geplante Amtszeitbeschränkung für Mitglieder des Fifa-Vorstands gebe es Widerstand aus Europa. "Und dann lese ich Schlagzeilen wie: Uefa will mehr Reform. Im Gegenteil: Europa, die Uefa, die demontieren die Reform!"

Über Platini und andere europäische Blockierer sagt Pieth: "Die denken nur an ihre eigene Macht, die denken nicht über ihre eigene Nasenspitze hinaus." Für sich selbst und seine Aufgabe sieht Pieth inzwischen die Gefahr, zum Spielball in einem Machtkampf zwischen Blatter gegen Platini zu werden: "Das ist sicher eine Gefahr: dass man hier benutzt wird. Andererseits kann ich immer sagen: Wenn nichts voran geht, gehe ich und mach' was Anderes. Tschüss Fifa."

Mark Pieth hatte den Vorsitz der unabhängigen Reformgruppe im November 2011 übernommen. In einer ersten Reformstufe haben er und seine Mitstreiter im Fußball-Weltverband eine unabhängige Ethik-Kommission durchgesetzt, in welcher der US-Anwalt Michael Garcia als Chefermittler tätig ist, während der Münchner Strafrichter Joachim Eckert die unabhängige Spruchkammer leitet. Zu Pieths Aufgaben zählte es, unabhängige Kandidaten für diese Schlüsselpositionen vorzuschlagen.