André Hahn vom FC Augsburg "Ich habe am ganzen Körper gezittert"

André Hahn muss nicht mehr um eine DFB-Nominierung betteln - er hat sie schon.

André Hahn ist der erste Nationalspieler des FC Augsburg seit Helmut Haller. Beim Anruf von DFB-Assistenztrainer Flick glaubt er zuerst an einen Scherz. Beim 1:1 gegen Hannover 96 zeigt der Mittelfeldmann, welche Qualitäten er zu bieten hat.

Von Kathrin Steinbichler

André Hahn hätte sich den Abend vor seinem ersten Tag mit der Nationalmannschaft sicher ruhiger vorstellen können, aber dieses Ereignis hatte er nun mal nicht kommen sehen. Der Flügelspieler des FC Augsburg hatte dieses Wochenende zehn Kumpels aus der Heimat zu Besuch, die den Ausflug schon lange geplant hatten. Ausgerechnet an diesem Samstagabend aber, nach dem 1:1 (0:1) gegen Hannover 96, bestand Hahn darauf, "schön früh ins Bett" zu gehen.

Der 23-Jährige aus Otterndorf bei Cuxhaven wollte ausgeruht sein, bevor er am Sonntag eine für ihn unglaubliche Reise antrat. Zusammen mit den Nationalmannschaftsprofis des FC Bayern bestieg Hahn am Abend ein ICE-Abteil nach Stuttgart. Dort tritt am Mittwoch (20.45/ARD) die deutsche Fußball-Nationalelf zu einem Testspiel gegen Chile an - und André Hahn gehört zur eigenen Überraschung zu den Nominierten.

Am Samstag verschaffte sich Hans Flick, der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, im Augsburger Stadion noch einmal einen frischen Eindruck von dem Mittelfeldspieler, es war für Hahn der letzte Beweis, dass er sich nicht verhört hatte. Denn als vor ein paar Tagen sein Handy klingelte, dachte er zunächst an einen Scherz. Als Flick sich vorgestellt und von der Nominierung erzählte habe, "habe ihm erst mal gesagt, dass ich ihm nicht ganz glaube und denke, dass ich verarscht werde", erzählte Hahn. Als die Irritationen ausgeräumt waren, "habe ich am ganzen Körper gezittert. Wenn man meinen Werdegang sieht, ist das was ganz Besonderes für mich".

Innerhalb von 14 Monaten hat Hahn es vom Drittligisten Kickers Offenbach in die Stammelf des FC Augsburg gebracht. Zehn Tore hat er in dieser Saison bislang geschossen, unter den deutschen Bundesligaprofis zählt er damit neben Leverkusens Stefan Kießling, Thomas Müller vom FC Bayern und dem ebenfalls erstmals nominierte Pierre-Michel Lasogga (Hamburger SV) zu den Treffsichersten.

Gegen Hannover blieb Hahn trotz zweier guter Chancen ein Treffer verwehrt, weil 96-Torhüter Ron-Robert Zieler einen Paradetag erwischt hatte. Dennoch war er erneut ein Aktivposten im Spiel, bei dem der FCA nach Mame Dioufs Treffer (22.) und dem Ausgleich per Kopf durch Ragnar Klavan (55.) mit einem Punkt zufrieden sein musste. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir traurig sein sollten", sagte FCA-Trainer Markus Weinzierl und relativierte damit die Träume von der Europa League.

Mehr als an die Tabelle denken sie in diesen Tagen beim FCA ohnehin an die Tatsache, dass erstmals seit Helmut Haller wieder ein Augsburger Profi bei der Nationalmannschaft vertreten ist. Denn so eine Nominierung, meinte Defensivspieler Kevin Vogt, "bekommt man nicht geschenkt, das hat er sich erarbeitet und verdient. Und es ist schön, dass es honoriert wird, wenn einer so eine Leistung bei einem Verein wie dem FCA bringt. Wir sind stolz, die Mannschaft freut sich riesig für ihn. Ich glaube, er wird uns da gut vertreten."

Vogt selbst hatte gegen Hannover einen anderen Nationalspieler gut vertreten: Paul Verhaegh hatte sich vor dem 1:0 im Zweikampf mit Torschütze Diouf eine tiefe Risswunde am Knie zugezogen (22.). Anstatt zur niederländischen Auswahl zu reisen, fällt der FCA-Verteidiger nun für für zwei Wochen aus.

Ob André Hahn am Mittwoch wirklich auflaufen darf, darüber wollte er erst gar nicht nachdenken: "Ich kann keine großen Ansprüche stellen, ich bin froh, dass ich überhaupt nominiert bin." Ein paar statistische Auffälligkeiten aber haben sie in Augsburg bereits entdeckt. Helmut Haller waren zu Lebzeiten insgesamt 13 Länderspieltore gelungen, Hahn hat nun vorerst die Trikotnummer 13 erhalten. Sein erstes Länderspieltor erzielte Haller 1960 beim Länderspiel gegen, nun ja, Chile, das damals, genau, in Stuttgart stattfand. "Er soll sich jetzt keinen großen Kopf machen", gab Trainer Weinzierl mit auf den Weg, "sondern sich reinhängen und das Ganze einfach genießen." Die Mannschaft wird jedenfalls vor dem Fernseher zusehen.




Quelle: Opta Sportdaten

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