In Vorbereitungsspielen nämlich agieren meist Ersatzspieler, die sich um einen Platz im Kader bewerben, die Stammspieler stehen nur kurz auf dem Feld. "Man muss sich ernsthaft fragen, welcher Spieler gesund genug ist, 18 Saisonspiele und die Ausschlussrunde durchzustehen", sagt Ray Lewis von den Baltimore Ravens, einer der erfahrensten Spieler der NFL. "Irgendwann muss man auch daran denken, was mit einem Spieler nach seiner Karriere passiert."

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Was mit Spielern nach der aktiven Zeit passieren kann, das zeigen mehrere Studien, die in den vergangenen Jahren erschienen sind: Der Prozentsatz an ehemaligen Footballspielern, bei denen Alzheimer oder andere Gedächtniskrankheiten diagnostiziert werden, ist 19 Mal so hoch wie bei Männern im gleichen Alter, die nicht Football gespielt haben. "Es gibt eine Grenze, die auch bei finanzieller Kompensation nicht überschritten werden darf", sagt Lewis.

Dabei wird diese Grenze bereits jetzt von vielen Akteuren nicht beachtet. Mehr als 60 Prozent aller Spieler haben während der Karriere mindestens eine Gehirnerschütterung, 26 Prozent gar drei oder mehr - die NFL musste kürzlich eine Mindestpause nach Gehirnerschütterungen verordnen, weil die meisten Spieler trotz der Verletzung aufs Spielfeld wollen. Dazu vertraut mancher Spieler nicht nur den teils überharten Übungseinheiten, sondern auch leistungsfördernden Mitteln. Die Folge: Der Prozentsatz ehemaliger Footballspieler, die an Herzkrankheiten leiden, ist überproportional hoch. Die NFL hat sich der Doping-Problematik mittlerweile zwar angenommen, die Kontrollen und verhängten Strafen sind bislang jedoch nicht mehr als ein Witz.

Die Spieler wollen sich deshalb gegen eine Verlängerung der regulären Saison und das Einfrieren der Gehälter wehren. Ihre Begründung: Die NFL ist eine florierende Liga, auf einer Liste mit den 20 wertvollsten Sportvereinen, die das Magazin Forbes kürzlich herausgab, standen 15 Footballklubs. "Wir erzielen die höchsten Umsätze aller Zeiten", sagt Ray Lewis. "Wir Spieler generieren diese Umsätze, also wollen wir daran beteiligt werden." Derzeit erhalten die Akteure etwa 60 Prozent aller Einkünfte, im neuen Tarifvertrag soll dieser Prozentsatz garantiert werden.

Die Teambesitzer weigern sich - und haben derzeit die besseren Karten. Beim Ausfall einer kompletten Saison würden die Eigentümer dennoch Fernsehgelder in Höhe von etwa einer Milliarde Dollar bekommen, müssten jedoch keine Gehälter an die Akteure bezahlen. "Wir bereiten die Spieler auf eine Aussperrung und den Ausfall der Spielzeit 2011/2012 vor", sagt DeMaurice Smith. Bis dahin muss die Show eine Saison lang weitergehen. Der Countdown läuft.

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  1. Teure Gehirnerschütterung
  2. Sie lesen jetzt Kaum eine Chance für die Spieler
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(SZ vom 08.09.2010)