Vielleicht sollte das Verfassungsgericht auch die Arbeit der Fußballprofis einschränken. Ihre vielen Sonntagsspiele führen zu Besucher-Schwund in den Amateurligen.
Am Sonntagabend dürfte die Arena auf Schalke mal wieder ausverkauft sein. Zwar ist um 17:30 Uhr lediglich Tabellenschlusslicht Hertha BSC Berlin zu Gast, doch schon jetzt gibt es nur noch einige Restkarten, die Geschäftsstelle rechnet mit vollen Rängen und 61.673 Zuschauern. Das freut die Bosse des Klubs, weil wieder etwas Geld in die klammen Kassen fließt. Das freut die Spieler, weil sie mit viel Unterstützung rechnen dürfen. Und das freut die Fans im Stadion, weil die Stimmung mal wieder blendend werden dürfte.
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Diese Forderung konnten die Amateurvertreter nicht durchsetzen. (© Foto: ddp)
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Doch es gibt in und um Gelsenkirchen viele Fußballanhänger, denen diese Partie gar nicht passt, genauer die Anstoßzeit dieser Partie - nämlich die Funktionäre und Aktiven zahlreicher Amateurvereine, die traditionell am Sonntagnachmittag spielen. Denn ein Sonntagsspiel von Schalke bedeutet für die Amateurvereine in der Region weniger Zuschauer bei ihren eigenen Spielen. Weniger Zuschauer bedeuten weniger Einnahmen. Und weniger Einnahmen bedeuten finanzielle Sorgen.
Horst Haneke gehört zu denen, die besonders große Sorgen haben. Haneke ist Vorsitzender des Traditionsvereins Westfalia Herne und er weiß derzeit nicht, wie die Zukunft des Klubs aussieht. Es gibt viele, die ob des Epitheton "Traditionsverein" schmunzeln, denn heutzutage taucht der Fünftligist Herne nur noch in der bundesweiten Fußball-Berichterstattung auf, wenn die Schiedsrichterherkunft-Fetischisten unter den Fernsehkommentatoren darauf hinweisen, dass der Unparteiische Torsten Kinhöfer aus Herne eine Partie leitet.
Früher sah das anders aus. Vor 50 Jahren wurde der Verein Westdeutscher Meister und kämpfte um die Deutsche Meisterschaft. In den siebziger Jahren steckte der Mineralölhändler Goldin so viel Geld in den Klub, dass er bis in die zweite Liga aufstieg. Zudem kickten eine Reihe prominenter Namen für die Westfalia: Werner Lorant zum Beispiel, Michael Steinbrecher oder Sönke Wortmann - aber vor allem Hans Tilkowski, einer der besten deutschen Torhüter aller Zeiten. Von 1956 bis 1963 spielte Tilkowski für Herne und erlebte dort seinen Aufstieg zum Nationalkeeper. 219 Mal stand er für den Klub zwischen den Pfosten, 18 seiner 39 Länderspiele bestritt er als Torhüter von Westfalia.
Doch Tilkowski, zweite Liga und sportlicher Glanz sind lange vorbei. Im Jahr 2009 drücken den NRW-Ligisten Herne massive finanzielle Probleme, selbst das Stichwort Insolvenz machte schon die Runde.
Eine Bemerkung ist dem Vorsitzenden Haneke wichtig: "Ich will nicht den DFB und die neuen Anstoßzeiten alleine dafür verantwortlich machen." Es gibt wie immer im Leben natürlich ein Konglomerat an Gründen. Die Ligenreform im Landesverband, wegen der es vermehrt weite Auswärtsfahrten gibt. Die Tatsache, dass in der Klasse nun vier zweite Mannschaften von Profiklubs spielen, die immer besonders wenige Zuschauer mitbringen. Der im März entlassene Ex-Trainer, dem auch noch Gehalt zusteht. Die Auswirkungen der Finanzkrise, wegen der sich die Sponsorenbereitschaft von lokalen Unternehmen in Grenzen hält. Das gesunkene Interesse am Amateurfußball allgemein.
Auf der nächsten Seite: Was der DFB zu der Problematik sagt - und wie viel Geld Herne wegen der geringeren Zuschauerzahlen durch die Lappen geht.
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Fußballmillionäre nehmen gerne unser Geld, das wir - auch ohne hinzugehen - zahlen! Den auch als Folge der Fußballübertragungen permanent höheren Rundfunkgebühren kann man nicht ausweichen. Ebenso wenig den, als Folge der steuerlich abgesetzten Sponsorengelder, vom Steuerzahler auszugleichenden Mindereinnahmen des Staates. Wegen Werbungskosten höhere Telefongebühren, Versicherungsbeiträge oder PKW-Preise werden auf die Kunden abgewälzt.
Dafür werden quengelnde kleine Vereine mit unbezahlten Kickern und ehrenamtlich tätigen Funktionären abgewatscht, deren Anhänger den Sonntag jetzt bequem lieber im Energie fressenden TV genießen.
Die Plätze der kleinen Vereine waren Treffpunkt und Hort einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Freunde und Angehörige, auch finanziell Minderbemittelte, kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad und erfreuten sich an heute vielfach fehlender Kommunikation. Man musste sich nicht kostümieren, auch nicht, begleitet von Schlachtgesängen, durch das Städtchen marschieren. Hooligans gab es ebenso wenig wie Rauchbomben oder sinnlose Sachbeschädigungen und Zerstörungen. Teuerer Polizeieinsatz war überflüssig.
Wie es scheint, bedarf die Geldgier der DFL sogar einer Ausweitung von Sportübertragungen! Wie wäre es mit einer Streckung des Spieltages der 18 Vereine auf Montag bis Freitag je ein Spiel, am Samstag und Sonntag deren zwei? Auch die Einführung weiterer EU-Cups, z. B. Tabellenletzte und Verlierer der Pokalendspiele, brächte mit Rundumfußball noch mehr Geld.
kann mich meinem vorredner nur anschließen. gerade wenn sie selber gespielt haben, dann müssten sie wissen, dass bei vielen amateuren ein problem mit der arbeit ansteht. aus nachholspielen, die unter der woche stattfinden, müssten sie wissen, dass ein vernünftige vorbereitung nicht möglich ist, da einige spieler 10 minuten vor anpfiff eintrudeln, manche nicht voll leistungsfähig sind oder gar nicht erst können und oft auch nur 1x die woche trainieren oder auswärts in der nähe ihres arbeitsplatzes trainieren und nur am wochenende heim kommen um im heimatverein fussball zu spielen. dabei trifft man dann auch seine freunde, mit denen man sich nach dem spiel zusammensetzt. das ist unter der der woche kaum möglich. das ganze vereinsleben leidet darunter. was ist mit zeugwart, physios, etc, die nicht können, da arbeiten.
da ist die mangelnde zuschauerzahl noch nicht einmal berücksichtigt.
Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Freitag und Montag Arbeitstage sind? Immer mehr Arbeitnehmer müssen auch abends an diesen Tagen arbeiten, wir wollen das ja so (z.B. Ladenöffnungszeiten). Zudem findet ein Großteil des Spielbetriebs während der "dunklen" Jahreszeit statt, d.h. ab 16:30 ist zappenduster. Es gibt noch viele Amateurvereine, die keine Flutlichtanlage haben. Und - wer will am Freitag- oder Montagabend ein Amateurspiel anschauen??
Tach. Warum spielen die Amateure nicht Montags und/oder Freitags abends? Meiner Meinung nach wäre das noch viel Familienfreundilcher. So könnten viele Fussballer und Zuschauer die Wochenenden ganz normal "genießen" und sind nicht selbst den halben Sonntag an ihr Spiel gebunden.
Ich persönlich habe meine "Karriere" an den Nagel gehängt, weil ich nicht die Wochenenden fürs eigene Fussballspiel opfern wollte/konnte. Da die meisten Vereine ja auch in der Woche Abends trainieren, können Sie auch gleich spielen. Dafür Training am Sa oder Sonntag (welches man ja durchaus für nen Familienausflug oder eigene Auswärtsfahrt (mit seinem Verein) ausfallen lassen kann.
Man kann natürlich auch Dienstag, Mittwoch und Do spielen, jedoch ist dann ab und zu Champions und Europaleague.... Aber das geht jetzt zu sehr ins Detail ;)
Bitte gehen Sie! Je schneller desto besser.
Aber kommen Sie auch nicht mehr zurück, wenn es Ihnen aus irgendwelchen Gründen mal schlecht gehen sollte oder sie Ihr Alter finanziell abgesichert genießen wollen!
Ach ja, was hat Ihr Beitrag noch Mal mit Fußball zu tun??
Paging