Algerien bei der WM 1982 Doping-Vorwürfe gegen DFB-Gegner

Bei der WM 1982 unterlag Deutschland völlig überraschend Algerien - die Nordafrikaner kämpften jedoch womöglich nicht nur mit fairen Mitteln: Mehrere damalige algerische Nationalspieler haben mittlerweile behinderte Kinder bekommen - vieles deutet auf Nachwirkungen von Dopingmissbrauch hin.

Von Javier Cáceres

Eine der schmachvollsten Niederlagen in der deutschen WM-Geschichte war das 1:2 am 16. Juni 1982 im nordspanischen Gijón gegen Algerien: "Wenn wir die nicht schlagen, fahre ich mit dem nächsten Zug nach Hause", hatte Bundestrainer Jupp Derwall zuvor getönt; die Weltpresse hieb ihm das hinterher achtkantig um die Ohren: "Die unangebrachte Deutschland-über-alles-Mentaliät wurde rücksichtslos bestraft", schrieb De Telegraaf in den Niederlanden.

Die seinerzeit noch in der DDR beheimatete Berliner Zeitung attestierte dem BRD-Team "mangelnde Spritzigkeit", was bislang auf die Massen an Alkoholika zurückgeführt wurde, die Derwalls Männer im Trainingslager am Schluchsee ("Schlucksee") zu sich genommen hatten. Nun allerdings gibt es einen neuen, bösen Verdacht: Algeriens Team soll vor der WM ebenfalls randvoll gewesen sein. Aber mit Dopingmitteln.

Wie algerische Medien berichten, haben "mindestens sieben" Spieler aus den WM-Aufgeboten von 1982 und 1986 behinderte Kinder bekommen - darunter Mehdi Cerbah, Salah Larbés und Abdelkader Tiemcani, die an der 82er-WM teilnahmen. Algerische Zeitungen berufen sich bei ihren Angaben auf Mohamed Kaci-Said, Djamel Menad und Mohamed Chaïb, die ihre Fälle öffentlich gemacht haben.

"Wir haben ernsthafte Zweifel an der Wirkung der Medikamente, die man uns während der Vorbereitung verabreicht hat", sagte Kaci-Said. Wie Chaïb, der drei behinderte Töchter hat, fordert auch er eine offizielle Untersuchung der Fälle: "Wir wollen die Wahrheit."

Untermauert wird der Verdacht von einem früheren Nationalmannschaftsarzt. Der Mediziner Rachid Hanifi sagte, dass es durchaus "möglich" sei, dass die Fußballer ohne ihr Wissen Dopingopfer wurden. Unter besonderem Verdacht stehen der 2006 verstorbene Guenaddi Rogow, der von der seinerzeit mit Algerien verbündeten Sowjetunion nach Nordafrika geschickt worden war, sowie Zdravko Rajkov aus dem ehemaligen Jugoslawien. Beide waren unmittelbar vor der WM 1982 als Nationaltrainer Algeriens und danach auf Klubebene in Algerien tätig.

Hanifi sagt, Rogow habe in seinem Schlepptau einen sowjetischen Arzt mitgebracht, der ihm, Hanifi, den Zugang "zu dessen medizinischen Dossiers" verweigert habe. Seine Beschwerde beim Sportminister sei folgenlos geblieben. "Man fragt sich schon, ob der sowjetische Arzt uns gesundheitsgefährdende Dopingprodukte gegeben hat", sagt nun Kaci-Said, der eine "Mauer des Schweigens" beklagt. Mahieddine Khalef, der bei der WM Algeriens Trainer war, zeigte sich von den Berichten empört: "Doping gab es damals in Algerien nicht."

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