Alexander Winokurow bei der Tour de France Im feinen Hemd der Unschuld

Der Chef mit seinem Besten: Astana-Generalmanager Alexander Winokurow (ganz links) auf einer Trainingsfahrt mit Vincenzo Nibali.

(Foto: Laurent Cipriani/AP)

Telekom-Fahrer, Olympiasieger, Doping-Trickser: Alexander Winokurow ist seit langem eine prägende Figur des Radsports. Jetzt leitet er die Astana-Combo - dort tummeln sich neben dem Tour-Führenden Vincenzo Nibali mehrere dubiose Personen.

Von Johannes Aumüller, Nîmes

Die hellblaue Ecke der kasachischen Astana-Mannschaft ragt selbstredend heraus in diesem wie üblich wohlorganisierten Chaos, das wegen der vielen Menschen und Vehikel vor der Startlinie herrscht. Der Mannschaftsbus ist hellblau, die Begleitwagen sind hellblau, und natürlich schlendern auch die meisten der geschäftigen Herrschaften hier in hellblauen T-Shirts umher. So hellblau wie der Himmel an seinen schönsten Tagen - und so hellblau wie die Nationalfahne Kasachstans an allen Tagen. Wer hier nicht himmelblau trägt, muss eine besondere Rolle innehaben.

So wie der Priester aus dem Trentino, schwarzes Oberhemd. Dann im weißen Shirt Wadim, ein kräftiger Ukrainer, der schon mal die Rallye Dakar gefahren ist und jetzt täglich ein Propaganda-Filmchen über das heitere Leben der Mannschaft während der Tour ins Netz stellt. Natürlich Vincenzo Nibali, Gelbes Trikot, Gesamtführender der Tour. Und dann, im feinen weißen Stoffhemd: Alexander Winokurow, der Anführer dieser Truppe.

Alexander Nikolajewitsch Winokurow, 40 Jahre, kasachischer Nationalheld, Olympiasieger - und vor allem ein prägender Vertreter jener schmutzigen Zeit, die der Radsport so gerne für beendet erklären möchte. In den Nullerjahren war er Mitglied der Telekom-Mannschaft, als es dort systematisches Doping gab. Später musste er zugeben, Klient des verurteilten italienischen Sportmediziners Michele Ferrari, "Dottore Epo", gewesen zu sein.

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Dann war er Teil der Liberty-Seguros-Equipe, die unter dem Regiment des berüchtigten Manolo Saiz tief in die Affäre um den spanischen Blutpansch-Doktor Eufemiano Fuentes verstrickt war. 2007 wurde er bei der Tour de France positiv auf Fremdblutdoping getestet. Und später gab es den nachdrücklichen Verdacht, dass er den Russen Kolobnjew für einen Erfolg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich bestochen haben soll.

Er leugnet bis heute, gedopt zu haben

Irgendwann war er dann mal zurückgetreten, aber seit 2013 leitet er ein höchstpräsidentielles Projekt, das Astana-Team, benannt nach der kasachischen Hauptstadt. Staatsfirmen finanzieren den Rennstall, der autoritäre Herrscher Nursultan Nasarbajew höchstselbst forciert ihn; welch schönere Werbung kann es für sein von Menschenrechtlern massiv kritisiertes Regime geben, als die tagtägliche Astana, Astana, Astana-Dosis auf den Straßen Frankreichs und den Fernsehkanälen des Kontinents.

Neuerdings ist das bereits seit 2006 existierende Team eingebettet in eine größere kasachische Offensive: Auf den Teambussen steht groß "Expo 2017", dann findet in Astana die Weltausstellung statt, und bei Winokurow fällt neben dem weißen Stoffhemd und den weißen Turnschuhen das rote Bändchen an der linken Hand auf, das für Olympische Winterspiele 2022 im kasachischen Almaty wirbt.

Aber zunächst einmal gilt: Bitte das Gelbe Trikot, das Winokurow als Fahrer nie trug, nach Paris bringen. Das hat ihm der Präsident neulich noch mal per SMS mitgeteilt, wusste die L'Équipe zu berichten.