Ajax Amsterdam Younes lehnt eine demütigende Belohnung ab

Wollte nicht eingewechselt werden: Amin Younes (rechts), 24, der 2017 als erster Eeredivisie-Profi überhaupt sein Debüt in der deutschen Nationalelf feierte.

(Foto: imago)
  • Amin Younes soll bei Ajax Amsterdam in der Nachspielzeit eingewechselt werden - doch der 23-Jährige verweigert den Dienst.
  • Mit seiner Arbeitsverweigerung sorgt der Ex-Gladbacher für einen Eklat.
  • Seit längerem gibt es atmosphärische Störungen zwischen dem Nationalspieler und der Klubführung.
Von Javier Cáceres

Der Ruf des Trainers von Ajax Amsterdam war eindeutig: "Amin, komm!", rief Erik ten Hag, 48, dem deutschen Nationalspieler Amin Younes zu, als er ihn gegen den SC Heerenveen einwechseln wollte. Doch Younes, 23, blieb sitzen. Zur Überraschung seiner Kameraden auf der Reservebank machte er keine Anstalten, den Trainingsanzug auszuziehen - und löste damit etwas aus, was gemeinhin Eklat genannt wird.

"Er hielt es nicht mehr für notwendig, aufzulaufen", sagte Erik ten Hag nach der Partie. Der Ajax-Coach ließ am Montag eine zweiwöchige Strafversetzung in die zweite Mannschaft des niederländischen Kultklubs folgen, die vom früheren Nationalspieler Michael Reiziger trainiert wird. Wegen der bald anstehenden Länderspielpause verpasst Younes aber nur ein Pflichtspiel, jenes am kommenden Sonntag bei Sparta Rotterdam.

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Es gab in den Niederlanden am Montag reichlich Kritik an Younes. Aber nicht nur. Diverse Kommentatoren hinterfragten auch ten Hag. Der Coach hatte nach dem Spiel zum Besten gegeben, Younes mit der Einwechslung "belohnen" zu wollen. Der Deutsche war in der Vorwoche bei Vitesse Arnheim eingewechselt worden und hatte gut gespielt; nach Auskunft von ten Hag hatte er vor der Partie gegen Heerenveen auch gut trainiert.

Die "Belohnung", von der ten Hag sprach, hatte aber eine Komponente, die man demütigend nennen konnte: Denn als ten Hag den deutschen Nationalspieler herbeirief, war bereits die Nachspielzeit angebrochen, Ajax führte gegen Heerenveen mit 4:1. Fühlte sich Younes also in seiner Ehre berührt oder gar veralbert, als er, immerhin Nationalspieler, bloß die bedeutungslosen letzten Sekunden einer längst schon entschiedenen Partie herunterzählen sollte?

Atmosphärische Störungen zwischen Klubführung und Younes

Der Düsseldorfer Younes ist nun schon seit 2015 beim aktuellen Tabellenzweiten der niederländischen Liga tätig, zuvor hatte er bei Borussia Mönchengladbach sein Bundesligadebüt gefeiert und beim 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Liga als Leihgabe gespielt.

Den Durchbruch bei Ajax schaffte er unter dem späteren Dortmunder Trainer Peter Bosz: Younes machte vor allem in der Europa League von sich reden und wurde unter Bundestrainer Joachim Löw nicht nur zum ersten "Eredivisie"-Profi überhaupt, der in der deutschen Nationalelf spielte. Er erzielte in fünf Länderspielen zwei Tore - und gewann 2017 mit der Elf den Confed Cup in Russland.

Nachdem ihm Ajax im vergangenen Sommer den Wunsch verweigerte, den Verein zu wechseln, kam es zu atmosphärischen Störungen, die möglicherweise in die jetzige Affäre hineinspielen. Vor allem mit Ajax-Manager Marc Overmars, einem früheren Weltklassestürmer, stritt er um die Frage, ob er oder der Klub die Option ziehen dürfe, den im Juni 2018 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Im Januar ließ Younes einen als sicher geltenden Wechsel zum SSC Neapel platzen; ob er im Juli noch ablösefrei an den Vesuv nach Italien wechselt, gilt seither wieder als offen.

Auch sportlich hatte er in diesem Jahr Probleme. Eine Knieverletzung warf ihn wochenlang zurück, zuletzt schien er sich aber wieder ans Team herangekämpft zu haben - bis er nun als vermeintlicher "werkweigeraar", als Arbeitsverweigerer also, in die Schlagzeilen geriet und alte Weggefährten überraschte. "So kenne ich ihn echt nicht", sagte Frank De Boer, sein früherer Trainer bei Ajax, im niederländischen TV-Sender NOS.

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