Schiedsrichter, die auch noch als Spielervermittler tätig sind, weitere Berichte über Bestechungsangebote und ein europäischer Handballverband, der ziemlich passiv ist.
Der Europäische Handballverband EHF gerät zunehmend unter Druck. Offenbar gab es mehrere Meldungen über Auffälligkeiten bei Handballspielen bis hin zu Meldungen über Bestechungsversuche, die jeweils ohne Folgen blieben. Zudem war der EHF bekannt, dass der ukrainische Schiedsrichter Aleksandr Liudovyk als Spielervermittler arbeitete und dennoch gemeinsam mit Valentyn Valuka bei zahlreichen internationalen Partien eingesetzt wurde.
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Liudovyk und Valyka sollten auch das Champions-League-Gruppenspiel des THW Kiel gegen Ciudad Real am 22. Februar 2009 pfeifen, wurden jedoch kurzfristig abgezogen und durch das schwedische Duo Patrick Hakansson/Maths Nilsson ersetzt. Die Ukrainer leiteten auch das Hinspiel im Champions-League-Halbfinale 2007, Portland San Antonio gegen den THW Kiel.
Der damalige San-Antonio-Trainer und heutige italienische Nationalcoach Francisco Javier Equisoain sagte der SZ Anfang der Woche: "Es war skandalös. Ich bin total überzeugt, dass die gekauft waren." Es sei während der Partie zu einem heftigen Wortgefecht zwischen dem slowakischen EHF-Spielbeobachter, Vladimir Rancik, und den Schiedsrichtern gekommen: "Er war regelrecht beschämt", sagte Equisoain. Auf die heftigen Vorwürfe des spanischen Trainers gab es damals wie heute keine Reaktion.
Diese Erfahrung machen offenbar viele Klubs und auch Schiedsrichter. Wie die SZ berichtete, beschwerte sich die Offiziellen der SG Flensburg-Handewitt schriftlich bei der EHF über ein Champions-League-Spiel in Zagreb vom Februar 2008, um ihre "Empörung über die Schiedsrichter" zum Ausdruck zu bringen. Gehört habe man nie wieder etwas. Die EHF teilte erst auf Anfrage mit, dass man damals die Partie geprüft habe, aber keine Auffälligkeiten habe feststellen können. Zagreb hatte die letzten 15 Minuten mit 10:2 Toren für sich entschieden.
Dem Radiosender NDR Info berichtete der Schiedsrichter Jürgen Rieber am Donnerstag, dass er 2006 am Vorabend einer Champions-League-Partie der Frauen bestochen werden sollte, zunächst mit 10.000 Euro. Er habe brüsk abgelehnt, am nächsten Tag seien daraufhin 20.000 Euro geboten worden. Noch vor dem Spiel - der russische Klub Lada Togliatti spielte gegen den dänische Vertreter Slagelse DT - habe man den Bestechungsversuch beim EHF-Delegierten gemeldet, später dann einen ausführlichen Bericht an die EHF geschickt, wie der Schiedsrichterwart des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Peter Rauchfuß, bestätigte. Anschließend habe man nie wieder von der Sache gehört.
Erst vor drei Tagen hatten die dänischen Top-Schiedsrichter Martin Gjeding und Mads Hansen berichtet, man habe 2008 versucht, sie zu bestechen, was sie umgehend bei der EHF gemeldet hätten. Passiert sei jedoch nichts. Der EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser hatte erklärt, es lägen dem Verband keine Meldungen über Bestechungsversuche vor. Für die SZ war er am Donnerstag trotz mehrmaligen Nachfragens zunächst nicht zu erreichen.
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(SZ vom 20.03.2009)
Berliner Zeitung