Affäre um Konto in der Schweiz Adidas-Chef gab Hoeneß 20 Millionen Mark

Soll im Jahr 2000 vom damaligen Adidas-Chef 20 Millionen Mark bekommen haben: Bayern-Präsident Uli Hoeneß. 

(Foto: dpa)

Woher kommen die Millionen, die Uli Hoeneß angeblich auf seinem Schweizer Konto liegen hatte? Nach SZ-Informationen hat ihm der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2000 fünf Millionen Mark für Börsenspekulationen direkt gezahlt, für weitere Millionen bürgte er. Wenig später stieg der Konzern bei dem Fußballklub ein.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

In der Steueraffäre des Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, werden neue Details bekannt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der damalige Chef von Adidas, Robert Louis-Dreyfus, im Jahr 2000 dem mit ihm befreundeten Hoeneß auf einem Konto der Schweizer Privatbankgruppe Vontobel 20 Millionen Mark für Spekulationsgeschäfte zur Verfügung gestellt.

Zu diesem Zweck soll Louis-Dreyfus einen Betrag von fünf Millionen Mark auf das Konto überwiesen und für Hoeneß einen Kredit von weiteren 15 Millionen Mark durch eine Bürgschaft abgesichert haben.

Mit diesen umgerechnet zehn Millionen Euro sollen zunächst sowohl Louis-Dreyfus als auch Hoeneß an der Börse und anderswo spekuliert haben. Nach ein oder zwei Jahren soll der Bayern-Manager die fünf Millionen Mark sowie den Kredit zurückgezahlt haben.

Diese Geschäfte zwischen Hoeneß und dem 2009 verstorbenen Louis-Dreyfus fallen genau in die Zeit, in der der FC Bayern München mit Adidas über einen Einstieg des Sportartikelherstellers in die künftige FC Bayern AG verhandelte. Im September 2001 verkündete Hoeneß, dass sich der Konzern aus Herzogenaurach mit zehn Prozent am Klub beteilige und dafür 75 Millionen Euro in Aktien bezahle. Außerdem verlängerte der FC Bayern den Ausrüstervertrag mit Adidas um sieben Jahre, bis 2010. Diese Partnerschaft besteht bis heute fort.

Auch Konkurrent Nike interessierte sich für Einstieg beim FC Bayern

Für einen Einstieg bei der künftigen FC Bayern AG hatten sich nach damaliger Aussage von Hoeneß auch andere Firmen als Adidas interessiert. Er habe aber die Arbeit "mit einem deutschen Unternehmen" fortsetzen wollen und dafür höhere Angebote von "zig interessierten Unternehmen" ausgeschlagen, sagte Hoeneß im September 2001, als er das Geschäft bekannt gab. Neben Adidas soll sich damals auch dessen Hauptkonkurrent Nike aus den USA dafür interessiert haben.

Louis-Dreyfus war bis März 2001 Vorstandschef von Adidas. Sein Nachfolger wurde Herbert Hainer, der den Sportartikelkonzern bis heute führt und auch im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt. Für einen Zusammenhang zwischen dem privaten Geschäft von Hoeneß mit Dreyfus und den Geschäften zwischen Adias und dem FC Bayern gibt es keinen Hinweis. Auf die Frage nach einem solchen möglichen Zusammenhang sagte Hoeneß' Anwalt Michael Nesselhauf am Montag: "Ich habe Herrn Hoeneß empfohlen, derzeit keine Anfragen zu beantworten. Er folgt diesem Rat."

Das von Louis-Dreyfus eingerichtete Schweizer Vontobel-Konto steht im Zentrum der Selbstanzeige, die Hoeneß im Januar beim Finanzamt Miesbach abgegeben hatte. Er hat inzwischen drei Millionen Euro Steuern und Zinsen nachgezahlt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Montag von Hoeneß distanziert. "Viele Menschen in Deutschland sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Hoeneß hatte sich häufiger mit der Kanzlerin getroffen und mit ihr gemeinsam auch eine Integrations-Initiative vorgestellt.

Mehr zum Fall Hoeneß lesen Sie in der SZ vom Dienstag auf der Seite Drei: Drama, Baby! Es war das Jahr 2000, es war die New Economy - die Leute zockten wie verrückt. Geld an der Börse war eine Art Spielgeld. Offenbar auch für Uli Hoeneß. Über einen moralischen Mann und seine Widersprüche. zur Ausgabe...

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(Video: Süddeutsche.de, Foto: Süddeutsche.de)