Affäre um Fußball-WM 2006 Wie Beckenbauers OK den eigenen Aufsichtsrat täuschte

OK-Präsident Franz Beckenbauer und Vize Wolfgang Niersbach präsentieren im Jahr 2005 in Hannover den WM-Pokal.

Die Millionen-Schieberei des deutschen Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006 wirft viele Rätsel auf. Wo ist das Geld am Ende gelandet? Und was wurde damit bezweckt?

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Die Millionen-Schieberei des deutschen Organisationskomitees (OK) für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wirft noch viele Rätsel auf. Wo ist das Geld am Ende gelandet? Was wurde damit bezweckt? Eines aber ist klar. Das von Franz Beckenbauer geleitete WM-OK hat den eigenen Aufsichtsrat getäuscht. Und damit auch den damaligen Partner Bundesregierung, der im Aufsichtsrat vertreten war und der immer half, wenn es irgendwo klemmte. Eine Dokumentation.

Anfang 2002 - Die Fifa, das OK und zehn Millionen Schweizer Franken

Franz Beckenbauer, Präsident des OK der WM 2006, soll von Fifa-Chef Sepp Blatter 250 Millionen Schweizer Franken Zuschuss für die WM angeboten bekommen haben. Bedingung angeblich: zehn Millionen Franken vorab für die Fifa-Finanzkommission. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll den Betrag vorgestreckt haben. Später soll Dreyfus den Betrag, inklusive Zinsen inzwischen umgerechnet 6,7 Millionen Euro, zurückgefordert haben.

(Quelle: Darstellung von Wolfgang Niersbach, Präsident des DFB und damals einer der Vizechefs des OK, bei seiner Pressekonferenz am 22. Oktober 2015 in Frankfurt)

Ende 2004 - Ein Anruf von Netzer

Horst R. Schmidt, langjähriger DFB-Funktionär und ebenso wie Niersbach OK-Vize, erfährt durch einen Anruf von Günter Netzer, dass Dreyfuß einen Anspruch gegen das OK in Höhe von 6,7 Millionen Euro habe. Schmidt: "Zeitnah habe ich die Mitglieder des OK-Präsidiums über diesen Sachverhalt informiert." Das OK-Präsidium, das sind Beckenbauer, Niersbach, Schmidt und Zwanziger.

(Quelle: Erklärung von Horst R. Schmidt vom 22. Oktober 2015)

Alles verjährt? Nicht unbedingt

Wie der Staatsanwalt die dubiosen Zahlungen vor der WM 2006 noch aufklären könnte. Von Hans Leyendecker und Klaus Ott mehr ... Analyse

Anfang 2005 - Dreyfus will sein Geld zurück

Theo Zwanziger, ebenfalls DFB-Funktionär und OK-Vize, und Horst R. Schmid versuchen, Dreyfus davon zu überzeugen, auf seine Forderungen zu verzichten. Ohne Erfolg. Schmidt: "Letztlich haben wir die Fifa als Zuschussgeber eingeschaltet. Nach Diskussionen mit der Fifa wurde letztlich gemeinsam festgelegt, dass die Zahlung mit der Beteiligung des DFB an den Kosten der geplanten WM-Gala verrechnet wird, was dann auch geschah."

(Quelle: Erklärung von Horst R. Schmidt vom 22. Oktober 2015)

7. April 2005 - Beckenbauers OK fädelt Zahlung an die Fifa ein

Das von Beckenbauer geleitete OK-Präsidium erklärt sich bereit, der Fifa sieben Millionen Euro Zuschuss für die Auftaktgala der WM 2006 zu geben. In Ziffer 7 des Protokolls der damaligen Präsidiumssitzung heißt es: "Das Präsidium stimmt zu, dem Ersuchen der Fifa grundsätzlich nachzukommen ... " Allerdings solle der Zuschuss auf sieben Millionen Euro gedeckelt werden.

(Quelle: Angaben des damaligen Bundesinnenministers und OK-Aufsichtsrats Otto Schily auf Anfrage der SZ)