AFC Wimbledon Fan-Verein überholt seinen Ex-Klub

2016 stieg der AFC Wimbledon zum sechsten Mal auf, in den Playoffs machten sie es perfekt: Adebayo Akinfenwa (rechts) feiert sein Tor beim Aufstiegsspiel gegen Plymouth

(Foto: AP)
  • Der AFC Wimbledon zieht in der dritten englischen Liga an den Milton Keynes Dons vorbei.
  • Der AFC ist ein Fan-Verein, der sich aus Protest gegen die Gründung der MK Dons gründete und ganz unten anfing.
  • Autor und Produzent John Green will die Geschichte nun verfilmen.
Von Sandra Mooshammer

Der AFC Wimbledon klettert in der Tabelle auf den zehnten Platz und überholt erstmals die Milton Keynes Dons. Das klingt nach Alltag, nach einer Meldung in der Lokalzeitung höchstens. Aber die britische Zeitung The Guardian nennt es einen "historischen Meilenstein", Anhänger des englischen Klubs posten stolz Fotos der Tabelle in sozialen Netzwerken. Und in der Tat ist es ein kleines Märchen für Fußball-Romantiker in der League One, der dritthöchsten englischen Spielklasse.

Am Anfang dieser Geschichte des Kampfes von Fans und Funktionären steht der FC Wimbledon, ohne A. Ein Klub, der in den 90er Jahren zwischen Europapokal, Abstiegskampf und Insolvenz schwankte, aber immerhin mit dem legendären Grätscher Vinnie Jones konstant in der höchsten Liga spielte. Aber auch ein Klub, der kein eigenes Stadion hatte. Strengere Sicherheitsauflagen zwangen zum Verkauf, Wimbledon teilte sich als Zwischenlösung einen Rasen mit Crystal Palace. Die Zwischenlösung hielt neun Jahre. Der insolvente Verein griff dann 2001 zu einer radikalen Lösung - einem Umzug ins 100 Kilometer entfernte Milton Keynes. Dort hatte der Verein ein Stadion in Aussicht, außerdem argumentierten der damalige Präsident Charles Koppel und sein Konsortium, man mache derzeit einen Verlust von 20.000 Pfund pro Tag: "Ein Umzug ist der einzige Weg für uns, zu überleben." Der englische Fußballverband stimmte zu.

Neugründung gegen den Identitätsverlust

Gegen diese Pläne protestierten die Fans des FC. Nicht nur friedlich. Sie randalierten in Fanshops und warfen dem neuen Besitzer des Klubs Hundekot in den Briefkasten, allerdings ohne Erfolg. Während der FC also abwanderte, nach einem Insolvenzverfahren umbenannt wurde und fortan als Milton Keynes Dons spielte, gründeten dessen ehemalige Anhänger kurzerhand einen neuen Verein. 2002 trat der AFC Wimbledon mit einer gecasteten Mannschaft und mit Fans als Funktionäre im englischen Ligabetrieb an. Noch heute gehört der AFC einer fangetragenen Gesellschaft, jedes Mitglied hat eine Stimme. Enthusiastisch startete das Team in der neunten Liga, der "Combined Counties League", und schaffte es durch sechs schnelle Aufstiege bis in die dritte Liga. Dort ist der AFC in dieser Saison erstmals Ligakonkurrent der MK Dons, die in der vergangenen Spielzeit aus Liga 2 abstiegen.

Nach einem 3:1-Sieg gegen Oxford am Sonntag kletterte der AFC Wimbledon nun auf den zehnten Rang. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins zog er damit an seinem Rivalen vorbei - und schaffte damit etwas, worauf viele Fans bereits seit 14 Jahren warten. Einer der prominentesten Anhänger, der Autor John Green ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter"), kündigte im April sogar an, die Entwicklung des Klubs zu verfilmen: "Das ist die größte Außenseiter-Geschichte, von der man bisher nichts gehört hat", schrieb Green. "Eine Geschichte über ein paar gealterte Leute mit normalen Jobs, die keine Ahnung davon haben, wie man einen Sportverein führt."

Fußballerisch begegneten sich die beiden Teams bisher dreimal in Pokalwettbewerben, zwei der Partien entschieden die MK Dons für sich. Zum ersten Ligaduell kommt es am 10. Dezember - die Fans der beiden Rivalen erwarten das Spiel mit Spannung.

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Mit Material des sid