Abstiegskampf in der Bundesliga Vereint in Angst und Nervosität

Sejad Salihovic (1899 Hoffenheim) nach der Niederlage gegen den HSV

(Foto: REUTERS)

Der FC Augsburg muss den Münchnern nicht nur beim Feiern zuschauen, der Klub verpasst auch wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Dem FCA, Fortuna Düsseldorf und der TSG Hoffenheim steht ein zukunftsweisendes Saisonfinale bevor - bis dahin muss vor allem die Nervosität bekämpft werden.

Von Saskia Aleythe

Nach 56 Minuten war Schluss. Sascha Mölders wäre wohl noch weiter vorgeführt worden in der Münchner Arena, hätte ihn Markus Weinzierl nicht so früh aus dem Spiel genommen. Im Laufduell mit Dante spurtete Mölders beherzt, während der Brasilianer selbst genüsslich trabend als Sieger hervorging. Die Zweikämpfe der beiden arteten schon fast in Slapstick aus, wenn Dante den Ball nicht von den Füßen ließ und der Augsburger mit vollem Elan ins Leere rutschte. Mölders war auf der Meisterfeier der Bayern der unfreiwillige Partyclown: lustig anzuschauen, aber auch bemitleidenswert.

Er hat in dieser Saison vieles richtig gemacht, ist mit zehn Treffern der erfolgreichste Torschütze der Augsburger. Umso tragischer mutet es an, dass er nun im Abstiegskampf seines Klubs offensichtlich nichts mehr ausrichten kann. Während Dante beim Verlassen des Stadions sein iPad suchte, quälten den 28-Jährigen auf der Heimreise gen Nord-Westen ganz andere Sorgen.

Immerhin, es hätte schlimmer kommen können für den FCA: Trotz 0:3 in München bewahrt sich der Klub die Chance auf den Klassenerhalt, da die Konkurrenz aus Düsseldorf und Hoffenheim ebenfalls nicht punkten konnte. Umgeben von Düsseldorf auf Rang 15 und Hoffenheim auf Rang 17 liegt Augsburg auf dem Relegationsrang. Als die Ergebnisse über die Anzeige in der Münchner Arena huschten, jubelte der Gäste-Block lautstark auf.

"Alles scheiße im Moment, zum Heulen"

Um jede Menge Geld, um Hoffnung und Zukunft geht es derzeit in Düsseldorf, Augsburg und Sinsheim. Drei Vereine, die am letzten Spieltag noch alles erreichen wollen. Und die mit dem Scheitern in dieser Saison so viel vertrauter sind.

In Düsseldorf wog die Fassungslosigkeit am Samstag so schwer, dass die Spieler von Trainer Norbert Meier nach dem Schlusspfiff reihenweise zu Boden sackten und wie von schlimmstem Herzschmerz gepeinigt auf dem Rasen kauerten. "Das ist alles scheiße im Moment, zum Heulen", klagte Axel Bellinghausen, als er wieder dazu in der Lage war. Bis zur 58. Minute hatte Düsseldorf gegen Nürnberg vorne gelegen, glücklich durch ein Eigentor von Hanno Balitsch. Doch die Nervosität begleitete das Team die ganze Partie über, das 1:2 in wenigen Minuten kam folgerichtig. "Sie haben sich von der Angst auffressen lassen", sagte Manager Wolf Werner später, "die Mannschaft ist in sich zusammengesackt."

Meier musste nach der erschütternden, weil allzu hilflosen Niederlage, noch ins ZDF-Sportstudio und gab tapfer den eifrigen Antreiber. Er sei heute sauer und gefrustet, sagte der 54-Jährige, machte aber auch klar: "Wir sind heute nicht abgestiegen." Eine banal daherkommende Aussage, die nach genauerem Hinhören außer nach Wahrhaftigkeit auch nach einer gewissen Portion Stolz klang. Der Klassenerhalt wäre eine Sensation, merkte Meier an, "wir brauchen elf Helden, die nächste Woche in Hannover die Kiste aus dem Dreck holen." Sein Ziel für die nächsten Tage: Der Mannschaft wieder Mut machen. Auch wenn es ihm schwer fiel, das glaubhaft rüberzubringen, übte sich selbst Bellinghausen später noch in angedeutetem Optimismus: "Eine Chance haben wir noch. Ein Spiel. Arschbacken zusammenkneifen und durch."

Platz 15 würde die TSG Hoffenheim vermutlich gerade in einen ganz seligen Zustand versetzen, stattdessen ist das Team von Markus Gisdol dem Abstieg schon so nah wie der FC Bayern dem zweiten Titel in dieser Saison. Gegen Hamburg kassierte der Klub die Gegentreffer 63, 64, 65 und 66 - so viel musste nicht mal die bereits als Absteiger feststehende Elf von Greuther Fürth verkraften. "Niemand von uns, auch ich nicht, hätte gedacht, dass es nach vier Jahren im gediegenen Bundesliga-Mittelfeld zu einem solchen Abstiegsszenario kommen könnte", sagte Mäzen Dietmar Hopp.

Stimmen zum 33. Spieltag "Die Spieler können feiern, ich werde es nicht tun"

Bremens Trainer Thomas Schaaf kann sich nicht so recht über den Klassenerhalt freuen. Thomas Müller hat große Pläne für die Meisterfeier der Bayern. Und Matthias Sammer droht mit Geldstrafen. Die Stimmen zum 33. Spieltag.

"Unsere Arena wird explodieren"

Bedrohlicher wird die Lage für die Hoffenheimer angesichts der bevorstehenden Aufgabe: Am letzten Spieltag, an dem nur ein Sieg weiterhelfen würde und selbst das nur, wenn Augsburg verliert, muss das Team ausgerechnet gegen Borussia Dortmund antreten. "Wir müssen an uns glauben", sagten Kevin Volland und Andreas Beck übereinstimmend. Was auch sonst.

Düsseldorf begeht seine letzte Partie gegen Hannover 96, Augsburg trifft auf Greuther Fürth. Der vermeintlich leichteste Gegner der drei Abstiegskandidaten, doch davon will Trainer Weinzierl nichts wissen: "Wer meint, das Spiel gegen Fürth wird ein Selbstläufer, hat keine Ahnung. Wir müssen alles in die Waagschale werfen." Bei Tobias Werner hörte sich der Ausblick auf das kommende Wochenende dann doch recht positiv an: "Jetzt haben wir unser Endspiel - davon haben wir geträumt. Unsere Arena wird nächste Woche explodieren." Auch dann wird die Stadionanzeige wieder zur Attraktion - Nackenschmerzen vorprogrammiert. Doch das ist nichts, was dem Augsburg-Fan noch etwas anhaben könnte.