Abseitige Fakten zur Champions League Taxi für Martínez

Javi Martínez (oben): Nach dem Spiel einfach vom Team vergessen

(Foto: dpa)

Javi Martínez wird von den Bayern im Stadion vergessen, Manuel Neuer ist unsichtbar und ein Männchen im Anorak gibt Rätsel auf. Vom Finaleinzug des FC Bayern in der Champions League bleibt mehr hängen als die Dominanz der Münchner.

Von Saskia Aleythe

Javi Martínez hatte am Mittwoch allen Grund zu guter Laune. Das Finale der Champions League war erreicht, und er, Mittelfeldmotor der Bayern, hatte seinen Teil dazu beigetragen. Als einziger Spanier konnte er in Barcelona den Platz als Sieger verlassen. In der Mixed Zone gab er noch fleißig Interviews, erlebte beim Verlassen des Camp Nou allerdings eine böse Überraschung: Der Mannschaftsbus war ohne ihn losgefahren. Vergessen vom eigenen Team, das sich im Hotel schon die Krabbensnacks einverleibte.

Martínez organisierte sich ein Taxi und fuhr der Mannschaft hinterher. Von Rangeleien im Hotel ist nichts überliefert, ebenso wenig, ob der Teampsychologe konsultiert werden musste. Außer dieser traurigen Episode und der Dominanz der Bayern werden noch weitere Dinge vom Halbfinale zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern in Erinnerung bleiben:

Mysterium des Abends: Wo war Manuel Neuer? Erst im weißen Final-T-Shirt nach dem Spiel tauchte der Bayern-Keeper auf dem Rasen auf. Agenturbilder suggerieren: Der Münchner hatte das Halbfinale tatsächlich absolviert, allerdings in einem Trikot Marke "Nude-Look", das ihn beinahe unsichtbar machte. Womöglich ein Ablenkungsmanöver, das die Spanier aber auch nicht zu übereifrigen Offensivaktionen animierte. Es lässt sich nur mutmaßen, wie Neuer im Finale auftritt: mit Bodypainting oder gleich nackt?

Geste des Abends: Da sind Sicherheitskontrollen und Ordner en masse im Stadion - und doch schaffen es immer wieder Fans auf den Platz. Zuletzt eine leicht bekleidete Dame beim Heimspiel der Münchner, nun auch ein kleiner Spurter im Camp Nou. Nach dem Spiel war plötzlich ein Männchen im schwarzen Anorak und Jeans an Franck Ribérys Seite zu sehen, relativ vertraut zum Finaleinzug gratulierend. Erst die herbeieilenden Sicherheitskräfte deuteten darauf, dass hier ein Flitzer und nicht ein Freund Ribérys am Werk war. Sie führten ihn vom Feld - und was tat Ribéry? Er rannte den Ordnern hinterher und steckte dem Fan sein Trikot zu. ZDF-Kommentator Béla Réthy mutmaßte noch, es könnte sich um den Bruder von Ribéry handeln, doch der Franzose wiegelte später ab: "Nein nein, ich kannte ihn nicht. Aber er sprach französisch und war ganz harmlos."

Foto des Abends: Zugegeben, die Bayern kommen in Punkto Final-T-Shirt und Qualität der Kabinen-Fotos nicht an Borussia Dortmund heran. Dafür ist die Zunge von David Alaba ein Highlight für sich:

Problemkind des Abends: Im Stadion nestelte Bankdrücker Lionel Messi bedröppelt am Klettverschluss seiner Jacke, als Arjen Robben den Ball zum 1:0 der Bayern versenkt hatte. Einen der schwierigsten Jobs hatte indes ZDF-Moderarator Jochen Breyer zu erledigen. Es gibt wohl leichtere Aufgaben, als sauber durch ein Champions-League-Halbfinale zu führen, noch dazu, wenn man die Position von Hauptberuf-Komiker Oliver Welke einnehmen muss. Breyer machte das frisch und freundlich, versuchte es mit Dauerlächeln. Ernst genommen haben ihn die Interviewpartner meist nicht: Als Jupp Heynckes nach der Partie hinter Breyer ins Studio schritt, sagte der Moderator nicht unpfiffig: "Da haben Sie mich aber schön hinterlaufen." Heynckes quittierte das mit einem verstörten Blick. Auch Thomas Müller begegnete Breyer distanziert. Auf eine SMS angesprochen, die Müller nach dem verlorenen Finale 2012 an die Mannschaft verschickt haben soll, antwortete der Torschütze von Barcelona schnippisch: "Da sind Sie ja bestens informiert. Ihnen habe ich die SMS nicht geschickt." Breyer tat einem am Ende so leid wie Barcelona.

Dialog des Abends: Im Zusammenspiel mit Oliver Kahn fühlte sich Thomas Müller sichtlich wohler als mit Jochen Breyer. So schwadronierten die beiden über Zinedine Zidanes Champions-League-Historie und den passenden Haarwuchs, notfalls gehe er auch noch zum Friseur, verdeutlichte Müller seine Lust auf den Titel. Auf die Frage von Breyer, ob er hinsichtlich des Finals Druck verspürte, erwiderte Müller ein kahnsches: "Beim FC Bayern hat man immer Druck." Kahn lachte wohlwissend und stieß aus: "Genau-u-u".

Bauchbinde des Abends: Die Elf von Barcelona fabrizierte am Mittwochabend erschreckend wenig, doch Gerard Piqué schaffte es tatsächlich, in dieses Nichts noch eine unnötige Aktion einzuflechten. In der 79. Minute, beim Stand von 3:0, grätschte er Thomas Müller rüde um und bekam dafür Gelb. In Anbetracht des Reglements leuchtete die übliche, aber in diesem Fall gleichsam ironische Bauchbinde zu Piqué auf: "Misses next match".

Tweet des Abends: Das Mitfiebern vorm Fernseher kühlte sich angesichts des Spielverlaufs schnell in Ausharren bis zum Schlusspfiff ab, perfekte Gelegenheit für die Twitter-Prominenz, ihre Weisheiten loszuwerden. Schauspieler Jan Josef Liefers fand die passende Formulierung für Bayerns Überlegenheit und Piqués Eigentor:

Als das vielleicht kürzeste Halbfinale der Geschichte nach 91 Minuten abgepfiffen wurde, liefen die Bayern-Spieler in Barcelona höchst abgeklärt über den Rasen. Optisch kaum ein Unterschied zum Jubel nach dem 1:0 gegen Freiburg in der Bundesliga. Bundeskanzlerin Angela Merkel postete passend emotionslos: "Ich freue mich. Denn eines ist sicher: Deutschland gewinnt. /AM". Nun wäre es wohl etwas zu viel verlangt, Gefühlsausbrüche wie von den Dortmundern auch bei den Münchnern zu erwarten, das 3:0 gegen Barça war schließlich kein 0:2-Beinahe-Drama von Madrid. Das anstehende deutsch-deutsche Finale ließ bei Twitter dann aber doch ein paar echte Hochgefühle aufkommen. So jubelte Dirk Nowitzki:

Kevin-Prince Boateng gratulierte seinem Bruder Jérôme und weckte gleichzeitig Erwartungen an die tänzerische Darbietung im Falle eines Finalsiegs: